Carlo Mollino (1905 - 1973)

Carlo Mollino ist einer der außergewöhnlichsten Designer des 20. Jahrhunderts. Seine Möbel weisen häufig biomorphe Formen auf und sind in ihrem ausdrucksstarken Design von Futurismus und Surrealismus beeinflusst. Carlo Mollino war nicht nur Designer, sondern auch Skirennfahrer, Fotograf, Architekt, Rennfahrer (er gewann mehrfach das Rennen von Le Mans), Flieger und einer der besten Skiläufer Italiens seiner Zeit.

Der Italiener aus Turin ist einer unserer erklärten Lieblingsentwerfer. Heute werden ein Teil seiner Möbelentwürfe von Zanotta in Italien als Hommage an sein Werk produziert. Nachfolgend wollen wir das italienische Genie ein wenig vorstellen.„Alles ist erlaubt, solange es fantastisch ist”, dieses Zitat von 1950, aus einer von Carlo Mollinos Publikationen in dem italienischen Architekturmagazin Domus, beschreibt das geniale exzentrische Multitalent sehr gut. Carlo Mollino war: Architekt, Bühnenbildner, Innenarchitekt, Fotograf, Mode- und Möbeldesigner. Darüberhinaus machte er sich als wagemutiger Kunstflieger und Rennfahrer (er gewann mehrfach das 24-Stunden-Rennen von Le Mans) einen Namen und er war einer der besten Skiläufer Italiens seiner Zeit.

Die Liebe zur Kurve – Ideologie und Leidenschaft

Carlo Mollino hatte nicht einfach nur viele verschiedene Obsessionen, er gab jeder Disziplin eine neue Ausrichtung, so fotografierte er nicht einfach nur, sondern schrieb eine Geschichte der Fotografie. Er war Kunstflieger und entwickelte neue artistische Flugkunststücke. Als Rennfahrer liebte er schnelle Autos und entwarf einen asymmetrischen Rennwagen, der die weiblichen Rundungen imitiert, auch „Nardi Bisiluro” genannt. 1955 nahm dieser Rennwagen am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Als Skiläufer entwickelte er nebenbei neue Techniken für den alpinen Skilauf und veröffentlichte 1951 eines der damals wichtigsten Standardwerke für Skifahrer: „Introduzione al discesismo. Dieses Buch widmete sich nicht nur der reinen Technik des Skifahrens, sondern vielmehr dem „schönen Erscheinungsbild, welches in Italien heute noch unter dem Ausdruck „la bella figura in vielen anderen Bereichen bekannt ist.

Carlo Mollino interessierte vor allem Bewegungsformen, bei denen es um kurvig in den Raum gezeichnete Linien ging. Als räumliche Verzierungen kann man auch seine Möbelentwürfe begreifen. 1940 entwarf er beispielsweise die Garderobe Drago con fiore liberty für seinen Künstlerfreund Italo Cremona. Diese aus gezwirbelten Messingstangen hergestellte Garderobe erinnert an Kapriolen von Kunstfliegern.

Eine weitere Leidenschaft, die eng mit seiner Liebe zu Kurven verbunden ist, waren Frauen. Diese Passion spiegelt sich in den Formen seiner Möbel wieder, wie beispielsweise im Couchtisch Arabesco (1949), dessen Gestell die Konturen einer am Boden sitzenden Frau nachzeichnet und natürlich in seinen zahlreichen Aktfotografien, bei denen er eigens für das Fotoshooting die Mode und das Set designte. Der Exzentriker ging sogar soweit, ganze Wohnungen in surrealistische Bühnen zu verwandeln. Anstatt in ihnen zu leben nutze er sie lediglich als privates Fotostudio, wie beispielsweise die Casa Miller (1936), oder die phantasievolle Casa Mollino (1960), eine seiner letzten Wohnungen in Turin, die heute Besuchern als Museum offen steht.

Vom Architekten zu einem der außergewöhnlichsten Designer des 20. Jahrhunderts

Als Sohn des italienischen Architekten und Maschinenbauers Eugenio Mollino wurde Carlo Mollino 1905 in Turin Italien geboren. Er studierte zuerst Kunstgeschichte und Maschinenbau an der Universität in Turin, wechselte später von Maschinenbau zu Architektur und machte 1931 sein Diplom. Im Anschluß arbeitete er mehrere Jahre im Architekturbüro seines Vaters und verfasste in dieser Zeit nebenbei auch Artikel über Themenbereiche aus Kultur und Kunst für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.

Seine architektonischen Arbeiten umfassen Bauwerke in Turin und Umgebung und sind zum Teil heute noch Basis für die Forschung im Bereich energiesparender Architektur. Zu seinen bekanntesten Bauwerken gehören unter anderem das Wintersportzentrum Casa del Sole (1947) in Cervinia und die Casa Garelli in Ayas (1963). Die Casa del Sole ist eine Hommage an Le Corbusiers Unité d`Habitation und verfolgt die moderne Idee einer vertikalen Stadt, bei der Casa Garelli hingegen ließ Mollino einen alten Schweizer Getreideschuppen in Blockbauweise aufwendig demontieren, um ihn als Wohnhaus, auf einem gemauerten Steinsockel, wieder aufzubauen. Dieser Entwurf, kann als architektonisches Ready-Made verstanden werden, in dem gegensätzliche Materialien und Elemente verbaut wurden. CMollinos letztes architektonisches Werk, der Wiederaufbau des Teatro Regio (1967) in Turin, ist eines seiner wenigen heute noch erhaltenen Bauwerke. Das Turiner Theater- und Opernhaus verhüllt die wie surrealistische Bilder arrangierten Innenräume hinter einer Barockfassade. All seine architektonischen Arbeiten sind Gesamtkunstwerke, so entwarf Carlo Mollino selten nur das Gebäude, sondern meist auch die komplette Inneneinrichtung.

Im Gegensatz zu seinen Architekturentwürfen, von denen viele nicht realisiert wurden, stehen seine Entwürfe im Bereich des Interior Design. Durch die mehrjährige Arbeit im Architekturbüro seines Vaters und sein begonnenes Maschinenbaustudium erwarb er ein umfangreiches Wissen im technischen Bereich. Dieses Wissen verhalf ihm, ein patentiertes Verfahren zu entwickeln, um Sperrholz kalt zu verformen. Er entwarf mithilfe dieses Verfahrens zahlreiche einzigartige Möbel: 1944 den Sessel Ardea für die Casa Minola in Turin, dessen Holzuntergestell mit den verlängerten Hinterbeinen an einen flitzenden Feldhasen erinnert, oder 1954 den Sessel Gilda für die Casa del Sole, der mit seinen organisch geformten Armlehnen nicht nur elegant aussieht, sondern auch hohen Sitzkomfort bietet.

Diese Möbel weisen häufig biomorphe Formen auf und sind in ihrem ausdrucksvollen Design von Surrealismus und Futurismus geprägt. Carlo Mollino war nie an großen Serienfertigungen für die Masse interessiert, sondern entwarf lieber Einzelstücke oder Möbel, die nur in sehr kleinen Stückzahlen produziert wurden. Dadurch erreichen die alten Originale sehr hohe Preise: Der skulpturale Esstisch Reale, ein Entwurf von 1946, übersprang als erstes Möbelstück des 20. Jahrhunderts in einer Auktion die 1-Millionen-Dollar-Grenze. Im Jahr 2005 wurde ein von Mollino 1949 entworfener Tisch im Auktionshaus Christies sogar für 3,8 Millionen Dollar versteigert.

Carlo Mollino gilt als einer der Schöpfer des Organischen Design und war einer der außergewöhnlichsten und einflussreichsten Designer des 20. Jahrhunderts. Er starb 1973 im Alter von 68 Jahren in seiner Heimatstadt Turin.

Die heute noch von Zanotta produzierten Entwürfe von Carlo Mollino finden Sie hier: