Markanto Ausstellung: 100 Jahre Harry Bertoia

Bertoia-Knoll-KollektionEiner der bekanntesten Stühle des 20. Jahrhunderts ist der sogenannte Bertoia Stuhl, entworfen von dem amerikanischen Bildhauer Harry Bertoia. Der Entwurf wird seit 1952 ohne Unterbrechung von Knoll International produziert. Zum 100. Geburtstag zeigt Markanto ab Januar 2015 eine Übersicht seiner Möbelentwürfe, verbunden mit einem Einblick in sein bildhauerisches Werk.

Ort:  Markanto Depot, Mainzer Straße 26, 50678 Köln

Datum: 19. Januar bis 31. März 2015

Öffnungszeiten zu den Passagen (19. – 25. Januar):
Mo – Fr 14.00 bis 19.00 Uhr, Sa und So 11.00 bis 16.00 Uhr

Öffnungszeiten nach den Passagen (26. Januar – bis 31. März):
jeden Samstag von 11.00 bis 16.00 Uhr    

Vernissage:  21.01.2015 ab 19.00 Uhr (Passagen Cocktail)

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Über das Werk von Harry Bertoia

Geboren wurde Harry Bertoia am 10. März 1915 in San Lorenzo in Italien. Im Alter von 15 Jahren verließ er Italien, um in Detroit seinen älteren Bruder zu besuchen. Dabei blieb er direkt in den USA und besuchte die Cass Technical High School, wo er frühzeitig an einem Kunstprogramm für besonders talentierte Schüler teilnahm. Ein einjähriges Stipendium ermöglichte ihm anschließend den Besuch der Society of Arts and Crafts in Detroit, zudem beteiligte sich Bertoia an zahlreichen lokalen Kunstwettbewerben.
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Harry Bertoia in seinem Atelier, Copyright by Celia Bertoia

Ab dem Jahr 1937 setzte Bertoia sein Studium an der von Eliel Saarinen gegründeten Cranbrook Academy of Art in Michigan, dem amerikanischen Pendant zum deutschen Bauhaus, fort. Cranbrook war zu der Zeit ein Zentrum der Kreativität und zog viele heute berühmte Künstler und Designer an: Carl Milles, Walter Gropius, Florence Knoll, Eero Saarinen sowie Charles und Ray Eames. Bereits 1939 wurde Bertoia im Alter von 24 Jahren von Eliel Saarinen, dem Direktor der Cranbrook Academy, gefragt, ob er die Leitung der Metallwerkstätten übernimmt. Gleichzeitig eröffnete Bertoia ein erstes eigenes Atelier, viele seiner Schmuckentwürfe wurden durch die Nierendorf Gallery in New York ausgestellt. Die organischen Formen und feinen Details der Entwürfe dienen als Basis für seine späteren Skulpturen. Gleichzeitig experimentierte Bertoia mit Zeichnungen, die später unter dem Begriff Monoprints bekannt wurden und bereits 1943 von der Solomon Guggenheim Foundation in New York ausgestellt wurden.

Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg ging er nach seiner Heirat mit Brigitta Valentiner im Jahr 1943 nach Kalifornien. Dort arbeitete er für die Evans Product Company unter der Leitung seines damaligen Freundes Charles Eames und war in die Schichtholz-Experimente des Eames Ehepaares involviert. Da Bertoia aber ein künstlerisches Urheberrecht einforderte, kam es zum Bruch mit den Eames, für die er zuvor noch den Hochzeitsring entworfen hatte.

Anschließend arbeitete Harry Bertoia zwei Jahre lang in San Diego, bis ihn 1950 eine Einladung von  Florence und Hans Knoll erreichte, den Gründern von Knoll International, die ihm in der Nähe von East Greenville in Pennsylvania ein Atelier zur Verfügung stellten. Die Knolls kannten bereits seine Arbeiten aus Cranbrook und gaben ihm nun die Möglichkeit, sein künstlerisches Konzept ohne Einschränkungen zu realisieren. So konnte Bertoia sowohl mit Skulpturen wie auch mit Möbelentwürfen experimentieren. „Sein Arbeitsfeld kannte keine Grenzen“, erinnerte sich später Florence Knoll.

Seine Versuche, Metallstäbe kunstvoll in geeignete Formen zu biegen, führten zu den Drahtgitterstühlen, die zu den Ikonen des modernen Designs zählen und ein Ausdruck seines bildhauerischen Schaffens sind.

„Hauptsächlich aus Luft gemacht“, beschrieb Bertoia einst seine eigene Arbeit. Diese für Knoll entworfene Kollektion sicherte zugleich seinen Lebensunterhalt, Bertoia konnte sich nun komplett auf die Bildhauerei konzentrieren.

Bereits 1953 entwarf Bertoia auf Vermittlung von Eero Saarinen große Bauplastiken für das General Motors Technical Center und für die Kapelle des MIT (Massachusetts Institute of Technology). Auch setzten Florence und Hans Knoll seine Skulpturen in den Knoll Showrooms weltweit ein. Im Jahr 1958 fand seine erste europäische Ausstellung im amerikanischen Pavillon anlässlich der Weltausstellung in Brüssel statt.

Ab dem Jahr 1960 beschäftigte sich Harry Bertoia verstärkt mit der Erforschung von Klangskulpturen und wurde ein Vorreiter dieser Kunstrichtung. Diese Sound Sculptures sind Metallskulpturen, die bei Bewegung Klänge erzeugen. Bertoia erforschte dabei die Wirkung des Metalls und den Weg der Töne. Durch das Dehnen und Biegen von Metall schuf er zahlreiche solcher Skulpturen, diese Arbeiten finden sich heute in allen wichtigen amerikanischen Kunstsammlungen. Dabei experimentierte er mit den Tönen und führte die Ergebnisse in einer Reihe von Konzerten vor. Bertoia nahm sogar eine Serie von elf Alben mit dem Titel „Sonambient“ auf. Ein weiteres Ergebnis der tonalen Experimente war die sogenannte Dandelion, eine Metallskulptur, die von ihrer Form an eine Pusteblume erinnert. Die Dandelion-Skulpturen erzielen heute die höchsten Preise für Bertoia-Arbeiten, bekannt sind in Europa die zahlreichen, namenlosen Kopien.

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Harry Bertoia mit den Sound Sculptures, Copyright by Celia Bertoia

Insgesamt schuf Bertoia über 50 Skulpturen für den öffentlichen Raum und ungefähr 50.000 kleinere Werke und Zeichnungen. Seine Arbeiten wurden von Architekten wie Eero Saarinen, Henry Dreyfuss, Minoru Yamasaki oder I. M. Pei eingesetzt. Im Jahr 1971 erhielt Bertoia die Ehrendoktorwürde des Muhlenberg College in Pennsylvania.

Harry Bertoia starb im Alter von 63 Jahren am 6. November 1978 an Lungenkrebs. Ursache dafür waren u. a. die giftigen Dämpfe bei der Verarbeitung von Beryllium-Kupfer, einem Material, das er sehr liebte. Heute wird seine Arbeit durch seine drei Kinder Val Bertoia, Lesta Bertoia und Celia Bertoia fortgesetzt. Dabei nutzt sein Sohn Val Bertoia immer noch das Atelier in Pennsylvania.
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