Markanto Ausstellung: Michel Buffet – Luminaires classiques

Michel-Buffet-©Young-Ah-KIM-pour-IDEATZu den Passagen 2016 veranstalten wir dieses Jahr gleich eine Doppelausstellung. Die erste Ausstellung widmet sich dem Werk des Industriedesigners Michel Buffet, der in den 1950er Jahren sehr außergewöhnliche Leuchten entwarf.

Öffnungszeiten zu den Passagen (18. – 24. Januar):
Mo – Fr 14.00 bis 19.00 Uhr, Sa und So 11.00 bis 16.00 Uhr     

Öffnungszeiten nach den Passagen (25. Januar – bis 29. Februar): 
jeden Samstag von 11.00 bis 16.00 Uhr   

Zu unserem Passagen-Empfang am 20. Januar ab 19.00 Uhr erwarten wir Michel Buffet höchstpersönlich, er wird von Martin Nerbel und Claude Delpiroux, dem zweiten Lebenspartner von Madame Mouille, begleitet. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Abbildung: Portrait von Michel Buffet: ©Young-Ah Kim for IDEAT

Michel Buffet: Luminaires classiques

Der französische Industriedesigner und Innenarchitekt Michel Buffet entwarf einige
der schönsten Leuchten der 1950er Jahre. Seit 2013 werden diese Lichtobjekte wieder von der Manufaktur Edition Serge Mouille bei Paris als nummerierte Edition unter
dem Label Lignes de Démarcation gefertigt. PrimÀr produziert die Manufaktur die
berĂŒhmten Lichtklassiker von Serge Mouille unter der FĂŒhrung von Claude Delpiroux,
dem zweiten Lebenspartner von Madame Mouille.

Michel-Buffet-Lampadaire-B211Stehleuchte B211 von Michel Buffet

Geboren wurde Michel Buffet 1931 in Paris, wo er Ingenieurwesen und Innenarchitektur studierte. Direkt nach seinem Studium begann er ab 1950 mit dem Entwurf von Möbeln und Leuchten. Zwischen 1952 und 1954 kreierte er seine elegante Leuchtenserie, wobei er fast ausschließlich monochrom in Weiß arbeitete. Charakteristisch fĂŒr diese Leuchten ist ihr raumbildendes und indirektes Licht, erzeugt von einem Minimum an reduzierter geometrischer oder organischer Formen.

Michel Buffets Formensprache reflektiert die Architektur und Kunst der frĂŒhen 1950er Jahre. In der gleichen Zeit entstanden exemplarisch die Bauten von Oscar Niemeyer, die Mobiles von Alexander Calder oder die Plastiken von Hans Arp. Die weiche LichtfĂŒhrung, das Spiel von Schatten und Konturen, die organische Formgebung ohne Ornament sorgen dafĂŒr, dass die Leuchten sich auch in zeitgenössischen RĂ€umen angenehm zurĂŒckhaltend in Szene setzen. Michel-Buffet-Lamp-B201

Tischleuchte B201 von Michel Buffet

Gezeigt wurden die Buffet Leuchten u. a. auf der MailĂ€nder Triennale 1955 und 1957, auf der Weltausstellung in BrĂŒssel 1956  und spĂ€ter im französischen Pavillon auf der Messe in Osaka. Die heutige Edition umfasst die berĂŒhmte Buffet Stehleuchte, drei Tischleuchten und zwei Wandleuchten. Gefertigt werden die Leuchten aus weich gebogenem Aluminium, die weiße OberflĂ€chenlackierung reflektiert matt und streut kontrastarm. Gefertigt in der gleichen Manufaktur wie die Serge Mouille Leuchten, erfolgt die Lieferung der nummerierten Edition inklusive eines Echtheitszertifikats.

Nach dem ersten großen Erfolg mit dem Entwurf seiner Leuchtenfamilie traf Michel Buffet auf Jacques Vienot, der seinen beruflichen Werdegang beeinflussen sollte. Denn Vienot war zu der Zeit der wichtigste französische Theoretiker im Bereich Industriedesign und Produktgestaltung. SpĂ€ter arbeitete Michel Buffet fĂŒr Knoll International in Frankreich, wo er an der Schaffung einer Abteilung beteiligt war, die die europĂ€ischen EinrichtungsbedĂŒrfnisse erforschte.

Ab 1965 begann Michel Buffet seine TĂ€tigkeit fĂŒr CEI (Compagnie de l‘EsthĂ©tique Industrielle), dem 1952 gegrĂŒndeten Designstudio von Raymond Loewy in Paris. Der gebĂŒrtige Franzose und spĂ€tere amerikanische StaatsbĂŒrger Raymond Loewy gilt als einer der wichtigsten Industriedesigner des 20. Jahrhunderts. Loewy entwarf u.a. das Logo von Lucky Strike oder die berĂŒhmte Shell-Muschel. ZusĂ€tzlich prĂ€gte er das amerikanische Stromliniendesign der 1930er Jahre durch  seine EntwĂŒrfe fĂŒr Dampflokomotiven, die Greyhound-Busse und zahlreiche Automobildesigns.

FĂŒr CEI sollte Michel Buffet 20 Jahre lang als Industriedesigner tĂ€tig sein. Zum Schwerpunkt wurden dabei EntwĂŒrfe fĂŒr das Transportwesen. FĂŒr Auftraggeber wie die RATP (öffentlicher Nahverkehr in Paris und Umgebung) oder die französische Eisenbahngesellschaft SNCF entwickelte  Buffet verschiedene Busse, Bahnen und ZĂŒge. Dabei war er auch international tĂ€tig und entwarf u.a. die Metro in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Selbst fĂŒr die Schifffahrt war Buffet aktiv – mit  dem Hovercraft Navine 500 entwickelte er in den 1970er Jahren ein Luftkissenboot, fĂŒr die französische Marine WohnrĂ€ume an Bord von U-Booten. DarĂŒber hinaus entwarf der Industriedesigner Tankstellen  (fĂŒr Shell und Total), ModularkĂŒchen und zahlreiche weitere Produkte.

International bekannt wurde Michel Buffet mit der Inneneinrichtung des ersten Überschall-Passagierflugzeuges – der Concorde. Bereits im Vorfeld war er maßgeblich an der Entwicklung des heute noch gebrĂ€uchlichen ergonomischen und verstellbaren Flugzeugsitzes fĂŒr Passagierflugzeuge beteiligt.

Basierend auf einem Abkommen der französischen und britischen Regierung aus dem Jahr 1962 startete die Entwicklung der Königin der LĂŒfte, die 1969 ihren Jungfernflug hatte. Mit einer Geschwindigkeit  von ĂŒber 2 Mach (bis 2.405 km/h) war die Concorde das schnellste Passagierflugzeug der Welt. Michel Buffet entwarf hierfĂŒr nicht nur die Einrichtung, sondern auch die KostĂŒme der Stewardessen und die  Bordservices, die spĂ€ter von der Air France in allen Flugzeugen ĂŒbernommen wurden.

SpĂ€ter plante Michel Buffet Inneneinrichtungen u.a. fĂŒr das Kontrollzentrum des Eurotunnels und fĂŒr das Planetarium des Technischen Museums in Paris.