Schätze aus der Vergangenheit: Die Heritage Collection von Molteni

2012 zunächst als Gio Ponti Collection ins Leben gerufen, wurde die Kollektion im Jahr 2016 schließlich zur Heritage Collection umgewidmet und um historische Entwürfe anderer Designer ergänzt. Schon 2014 hatte sich Molteni mit der Ausstellung Molteni80! Ausgiebig mit der eigenen Geschichte befasst. Im Jahr 2016 wurde am Firmensitz in Giussano außerdem das Molteni Museum mit eigenem historischem Archiv gegründet. Heute bilden Museum und Archiv die Basis für die Recherchen zu neuen Wiederauflagen in der Molteni Heritage Collection.

Doch als 2012 die ersten Wiederauflagen in er damals noch als Gio Ponti Collection benannten Kollektion erfolgten, konnte Molteni noch nicht auf ein wohlgeordnetes eigenes Archiv zurückgreifen. Stattdessen kooperierte das Unternehmen mit den Gio Ponti Archives, die sich ganz dem Vermächtnis des großen italienischen Modernisten widmen. 1996 von Salvatore Licitra, dem Ehemann einer Enkelin Pontis, ins Leben gerufen und seitdem von ihm geführt, residiert das Archiv in der Casa Ponti, jenem 1957 fertiggestellten Wohnhaus in der Mailänder Via Dezza, das Gio Ponti gemeinsam mit Emilio Lancia entworfen hatte und das ihm als Büro und seiner Familie als Wohnhaus diente.

Der 1891 in Mailand geborene Architekt und Designer Gio Ponti gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Moderne in Italien. Er studierte – unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg – von 1913 bis 1921 Architektur am Politecnico di Milano. Nachdem er zunächst in klassizistischem Stil in der Tradition des Novecento Milanese entwarf, wandte er sich schon bald dem modernen Razionalismo zu. 1928 gründete er gemeinsam mit Gianni Mazzocchi die Zeitschrift Domus in der er Themen der Architektur und des Designs behandelte und als deren Herausgeber er bis zu seinem Tod fungierte. Bekannte Werke des Lombarden sind unter anderem die von La Pavoni hergestellte Espressomaschine La Cornuta oder das gemeinsam mit dem Bauingenieur Pier Luigi Nervi entworfene 34-stöckige Pirelli-Hochhaus in Pontis Heimatstadt Mailand.

Für den 1938 fertiggestellten Primo Palazzo Montecatini, den Hauptsitz des aluminiumverarbeitenden Betriebs Montecatini, entwarf Gio Ponti vom Gebäude bis zu Einrichtung alles aus einer Hand. Ein bemerkenswertes Detail dieses Gesamtkunstwerks ist der sogenannte Montecatini Chair. Der zur Möblierung des Gebäudes verwendete Stuhl ist – wie es sich im Hause eines Herstellers von Aluminiumprodukten gehört – maßgeblich vom Material Aluminium bestimmt: Seine zierlich-dekorative Erscheinung entsteht durch das gefühlvoll gestaltete Gestell aus gebogenem Aluminiumrohr. Gleichzeitig optimierte Ponti den Stuhl auch auf eine effiziente industrielle Fertigung hin: aus wenigen standardisierten Teilen konnten sechs verschiedene Varianten des Stuhl zusammengesetzt werden. Darunter findet sich auch ein frühes Beispiel für einen Bürodrehstuhl auf Rollen. Ganz dem rationalen Geist der Zeit entsprechend, sorgte Ponti mit dieser Variante für Effizienz am Arbeitsplatz. Der Montecatini Chair ist der älteste Entwurf in der Molteni Heritage Collection und zählt gleichzeitig zu den ersten Möbeln, die 2012 wiederaufgelegt wurden.

Den Charme der 1950er Jahre atmet ein Sessel, den Gio Ponti 1951 zur Einrichtung mehrerer transatlantischer Passagierschiffe der Reederei Italia – Società di Navigazione S.p.A. entwarf. Unter den insgesamt vier Schiffen, die eine elegante Einrichtung aus der Feder Pontis erhielten, befand sich auch die Andrea Doria, die zu trauriger Berühmtheit gelangte, als sie 1956 vor der amerikanischen Ostküste sank. Markantes Detail des kompakten Sessels, der auf jedem der vier Schiffe in einer leicht variierten Ausführung eingesetzt wurde, sind die Messingschuhe der konisch zulaufenden Beine aus Massivholz. Interessant ist dabei auch die aus konstruktiver Sicht verwegen erscheinende Bauart der hinteren Beine: sie kragen weit aus und sind in stumpfem Winkel abgewinkelt.

Neben zahlreichen weiteren Möbeln von Gio Ponti wird die Heritage Collection von Molteni & C durch drei Entwürfe anderer Designer abgerundet. Die japanisch inspirierte Kommode des schweizerischen Designers Werner Blaser entstand 1955 im Rahmen des Wettbewerbs Selettiva di Cantù. Sie vereint formale Strenge mit Eleganz und überzeugt durch die Verwendung traditioneller Fügetechniken aus dem japanischen Schreinerhandwerk.

Ironischerweise war es vier Jahre später wieder bei der Selettiva di Cantù der japanische Designer Yasuhiko Itoh, der sich mit seinem modularen Regalsystem nicht um traditionelle Schreinerei scherte, sondern mit der Formholztechnik ganz auf industrielle Fertigung setzte. Auch seine Regalmodule aus formverleimtem Teakschichtholz sind heute Teil der Molteni Heritage Collection.

Jüngster Entwurf der Kollektion ist schließlich der elegante Armlehnstuhl Miss, den das Ehepaar Afra und Tobia Scarpa 1986 für Molteni & C entwarf. Das postmoderne Möbelstück mit seinen organischen Bugholzformen steht dabei den Entwürfen aus der Jahrhundertmitte an Eleganz in nichts nach.

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