Das ikonische Grafikdesign von Knoll International

Herbert Matter (1907–1984) war von 1946 bis 1966 der Gestalter hinter allem, was Knoll nach außen zeigte. Er entwarf das berühmte Logo mit dem markanten „K“, fotografierte die Möbel, setzte die Kataloge und schuf Anzeigen, die bis heute zu den Meilensteinen der Werbegrafik zählen - allen voran den berühmte Schornsteinfeger im Womb Chair von Eero Saarinen für den New Yorker. Ab Freitag, dem 23. Oktober 2026, widmen wir uns im Markanto Depot in der Kölner Südstadt im Rahmen unserer Knoll Ausstellung dabei auch der Entwurfsarbeit von Herbert Matter bis Massimo Vignelli.

Ein junges Möbelhaus sucht sein Gesicht

Als Hans Knoll 1938 in New York sein Unternehmen gründete, war er gerade ein Jahr zuvor aus Deutschland eingewandert. Mit Florence Schust, der späteren Florence Knoll, kam eine Architektin hinzu, die das Programm konsequent an den Idealen des Bauhause ausrichtete: Möbel, die gestalterisch überzeugen, technisch neu sind und sich industriell fertigen lassen. Entwerfer wie Eero Saarinen und Harry Bertoia lieferten die Formen. Was fehlte, war eine Bildsprache, die diesem Anspruch gerecht wurde. Florence Knoll wusste offenbar früh, wen sie dafür wollte. In einem Interview von 1977 erinnerte sie sich sinngemäß, sie habe Arbeiten von Herbert Matter gesehen und sofort gewusst, dass genau dies ihr Weg sei. 1946 holte sie den Schweizer, der bis dahin im Büro von Charles Eames an der Westküste arbeitete, nach New York – und gab ihm eine kreative Freiheit, die für einen Grafiker in einem Industrieunternehmen jener Jahre außergewöhnlich war.

Lehrjahre zwischen Engelberg und Paris

Herbert Matter wurde am 25. April 1907 in Engelberg geboren, einem Bergdorf in der Zentralschweiz. Er studierte Malerei an der École des Beaux-Arts in Genf und anschließend an der Académie Moderne in Paris bei Fernand Léger und Amédée Ozenfant. In Paris arbeitete er für den Plakatkünstler A. M. Cassandre und für Le Corbusier, ab 1929 dann als Grafiker und Fotograf bei der legendären Schriftgießerei Deberny & Peignot. Dort lernte er die Feinheiten der Typografie – eine Schule, die später in jedem Knoll-Katalog sichtbar werden sollte.
1932 musste Matter Frankreich verlassen, weil ihm die nötigen Papiere fehlten. Was zunächst wie ein Rückschlag aussah, wurde zum Wendepunkt seiner Laufbahn.

Fotomontage für die Alpen

Zurück in der Schweiz gestaltete Herbert Matter Plakate und Prospekte für die Schweizerische Verkehrszentrale. Seine frühen Plakate für Engelberg aus den 1920er Jahren folgten noch den Konventionen der Zeit: sonnenbeschienene Gipfel, ein elegant gekleideter Skifahrer, darunter ausführlicher Text. In den 1930er Jahren brach er mit diesem Schema radikal. Er kombinierte Fotografien, ausgeschnittene Bildelemente und Schrift zu kühnen Montagen, in denen Maßstäbe kippen und Gesichter, Berge und Typografie zu einem einzigen Bild verschmelzen. Diese Plakate gelten heute als Schlüsselwerke der Grafik des 20. Jahrhunderts. Sie verbinden die Wucht Cassandres mit der geometrischen Strenge Le Corbusiers – und mit einer ganz eigenen Handschrift, die Matter in seine amerikanischen Jahre mitnahm.

New York: Bazaar, Eames und die Container Corporation

Bereits 1936 erhielt Matter als Honorar für seine Arbeit mit einer Schweizer Balletttruppe eine Überfahrt in die USA. In New York suchte er Alexey Brodovitch auf, den Art Director von Harper’s Bazaar, der Matters Schweizer Plakate bereits sammelte und zwei davon in seinem Atelier hängen hatte. Es folgten Fotoaufträge für Harper’s Bazaar und Saks Fifth Avenue, während des Zweiten Weltkriegs eindrucksvolle Plakate für die Container Corporation of America und für die Weltausstellung 1939 die Gestaltung des Schweizer Pavillons. In Kalifornien arbeitete Matter Mitte der 1940er Jahre als Fotograf für Charles und Ray Eames, die damals noch am Anfang ihrer Karriere standen. Von dort holten ihn Florence und Hans Knoll an die Ostküste.

Das „K“: ein Logo, aus der Schrift entwickelt

Herbert Matters erster Auftrag bei Knoll war das Logo (siehe oben). 1947 war es fertig: ein schmal gestreckter Schriftzug mit kräftigen Serifen, geprägt von seinen Jahren bei Deberny & Peignot. Für Europäer wirkt der Knoll-Schriftzug heute wie eine Typografie aus dem Country-Szene.  Matter beschrieb den Prozess später so, dass zuerst das vollständige Wort entstand und erst danach das einzelne große K, das sich daraus ableitete. Bemerkenswert ist die Wahl selbst: Ein Unternehmen, das sich ganz der Moderne verschrieben hatte, trat mit einer Serifenschrift auf, während sich die avantgardistische Grafik jener Jahre zunehmend der serifenlosen Schrift zuwandte. Gerade dieser Kontrast verlieh dem Zeichen seine Eigenständigkeit. Das große „K“ stand fortan am unteren Rand nahezu jeder Anzeige – ein Absender, den man nach kurzer Zeit auch ohne Firmennamen erkannte. Heute ziert Matters Logo wieder die Fassade des Knoll-Hauptsitzes in East Greenville, Pennsylvania. Im Rahmen der Ausstellung zeigen wir ein handgefertigtes Mockup von Herbert Matter aus dem Jahr 1947.

Möbel als Skulptur: Fotografie und Anzeigen

 verantwortete bei Knoll nicht nur Logo und Anzeigen, sondern auch Produktfotografie, Kataloglayouts und Prospekte. Seine Bilder behandeln Möbel wie Skulpturen: freigestellt, oft aus ungewohnten Blickwinkeln, mit viel leerem Raum und kaum Text. Hier verbinden sich die Errungenschaften der Schweizer Typografie mit der Collagetechnik, die er in Europa entwickelt hatte – und mit einem Blick, den er bei Léger geschult hatte. Hier zeigen wir zahlreiche Beispiele aus den 1940er und 50er Jahren, die teilweise aus dem Archiv des Künstlers aus New York stammen.

Der Schornsteinfeger im Womb Chair

Seine bekannteste Anzeige entstand 1955. Inspiriert von einem Schornsteinfeger aus seiner Schweizer Heimat setzte Matter einen rußgeschwärzten Kaminfeger in Saarinens Womb Chair – entspannt, zurückgelehnt, ganz bei sich. Intern war das Motiv zunächst umstritten. Doch der Kontrast aus Arbeitskleidung und modernem Polstermöbel machte sofort klar, worum es ging: um einen Sessel, in dem man ankommen darf. Die Anzeige erschien dreizehn Jahre lang im New Yorker und wurde zu einer der langlebigsten Kampagnen der amerikanischen Werbegeschichte.

Herbert Matter Knoll Womb Chair

Die legendäre Anzeige von Herbert Matter mit dem Womb Chair von Eero Saarinen

Neben Knoll: Yale, Guggenheim, Calder und Giacometti

Uns ist es gelungen, einen Teil von Herbert Matters persönlichen Belegen aus seinem Archiv in New York zu erwerben. Denn seine Arbeit für Knoll lief parallel zu einer beachtlichen Karriere in Lehre und Kultur. 1952 holte ihn Alvin Eisenman als Professor für Fotografie und Grafikdesign an die Yale University. Eisenman betonte später Matters ausgeprägtes Gespür für kleinste Details, das sich gerade in der Typografie der Knoll-Kataloge zeige. Von 1958 bis 1968 war Matter Gestaltungsberater des Guggenheim Museums, hier zeigen wir in der Ausstellung seine Eröffnungswerbung des Guggenheim Museum mit teilweise noch persönlichen, handschriftlichen Anmerkungen. Ebenso umfasst die Ausstellung Belegexemplare seiner Entwürfe für die New Haven Railroad, das Museum of Fine Arts in Houston, die Staple Galerie und die New York Art School sowie verschiedene Entwurfszeichnungen für Logos.

Ab 1960 fotografierte er über Jahre das Werk seines Freundes Alberto Giacometti. Für dieses Buchprojekt verließ er Knoll 1966. Zu seinem Freundeskreis gehörten auch Alexander Calder, Jackson Pollock, Willem de Kooning und Robert Frank. 1983 verlieh ihm das American Institute of Graphic Arts seine Goldmedaille; ein Jahr später, am 8. Mai 1984, starb Herbert Matter in Southampton, New York. alleine das MoMa verfügt heute über 24 seiner Arbeiten.

Bitte beachten Sie, dass die Papierarbeiten aus dem Archiv von Herbert Matter aus konservatorischen Gründen nur temporär ausgestellt werden können.

Die Staffelübergabe: Massimo Vignelli und das rote Knoll

Als Herbsert Matter ging, übernahm ein Italiener. Massimo Vignelli, 1931 in Mailand geboren, war 1966 mit seiner Frau Lella nach New York gekommen, um dort eine Niederlassung von Unimark International aufzubauen. 1966/67 entwickelte er für Knoll ein neues Grafikprogramm, das konsequent auf einem Raster beruhte und vom Briefpapier über Preislisten bis zu Anzeigen in Vogue und Fortune alles umfasste.

Sein Schriftzug in Helvetica stand zunächst gleichberechtigt neben Matters „K“, erschien anfangs in Schwarz-Weiß und später in jenem warmen Rot, das bis heute für Knoll steht. Schritt für Schritt löste er das ältere Zeichen ab. Anfang der 1970er Jahre kam der breite schwarze Balken hinzu, den Vignelli auch für die Beschilderung der New Yorker U-Bahn einsetzte. Bis in die 1980er Jahre gestaltete er Plakate, Kataloge und Ausstellungen für Knoll – und gemeinsam mit Lella Vignelli auch Möbel wie den Handkerchief Chair und den Paperclip Table.

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