Zur historischen Entwicklung von Knoll International
Gegründet wurde Knoll im Jahr 1938 von Hans Knoll in New York als H. G. Knoll (ab 1947 dann Knoll Associates). Hans Knoll war der Sohn des Möbelherstellers Walter Knoll und wanderte in den 1930er Jahren wohl wegen den politischen Entwicklungen in Deutschland und aus familären Gründen in die Vereinigten Staaten aus. Für die ersten Kollektionen seines jungen Unternehmens konnte er den dänischen Designer Jens Risom und den amerikanischen Architekten Ralph Rapson gewinnen, deren Kollektionen direkt eine große Aufmerksamkeit fanden. Bedingt durch die Materialbeschränkungen verwendete man in den frühen 1940er Jahren Gurte aus Militärbeständen für die Posterung dieser Sitzmöbel.
Anfang der 1940er Jahre lernt Hans Knoll die Innenarchitektin Florence Schust kennen, die sehr eng mit der Kunsthochschule Cranbrook Academy of Art verbunden war. Denn der Direktor der Schule Eliel Saarinen und seine Frau Loja bemerkten das Talent der jungen Florence Schust und nahmen sie unter ihre Fittiche. So reiste Florence Schust mit den Saarinens mehrfach nach Finnland, der Architekt und späterer Knoll Designer Eero Saarinen (der Sohn von Eliel Saarinen) wurde so quasi ihr Halbbruder. Über die Saarinen Familie lernte sich auch die Architekturgrößen der Zeit wie Frank Lloyd Wright, Le Corbusier oder Alvar Aalto kennen. Florence Schust studierte dann am Illinois Institute of Technology in Chicago, wo sie Ludwig Mies van der Rohe kennenlernte, der zu einem wichtigen Mentor und später auch ein Knoll Designer werden sollte. Von Mies, so fasste sie es zusammen, habe sie “mehr gelernt als von jedem anderen und das in weniger Worten”. Nach dem Studium arbeitet Florence Schust dann zuerst im Architekturbüro von Marcel Breuer und Walter Gropius in New York, ab 1943 in der Firma von Hans Knoll. 1944 findet die Hochzeit zwischen den Beiden statt, aus Florence Schust wird nun Florence Knoll. Während Hans Knoll die Firma unternehmerisch führte, übernimmt Florence Knoll die Leitung der sogenannten Planning Unit, dem Herzen von Knoll.

Zeitlose Inneneinrichtung mit Knoll Möbeln: Sessel und Drahtgittertisch von Warren Platner, Sofa und Sideboard von Florence Knoll, Beistelltische und Couchtische von Eero Saarinen
Hans und Florence Knoll setzen nun Maßstäbe in der Zusammenarbeit mit Architekten und Designern, mit denen sie meist freundschaflich eng verbunden sind. Die Entwürfe von Entwerfern wie Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe, Harry Bertoia, Eero Saarinen, Isamu Noguchi, George Nakashima, Richard Schultz oder Alexander Girard haben so Knoll zu einem großen Bekanntheitsgrad verholfen und zahlreiche Auszeichnungen weltweit erfahren. So finden sich alleine über 40 verschiedene Möbelentwürfe von Knoll in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York.

Florence Knoll und Eero Saarinen bei der Präsentation des Tulip Chairs, des ersten einbeinigen Stuhls weltweit (um 1957)
Florence Knoll führte die Geschicke von Knoll und Knoll International nach dem Tod von Hans Knoll bei einem Autounfall in Kuba im Jahr 1955 bis Mitte der 1960er Jahre fort und heiratete anschließend einen ihrer Kunden, Harry Hood Bassett, den Vizepräsidenten von General Motors. 2002 erhielt Florence Knoll-Bassett, wie sie seit der Heirat hieß, den National Medal of Arts für ihren Beitrag zum Design des 20. Jahrhunderts. Dies ist die bedeutendste Auszeichnung, die der amerrikanische Kongress an Künstler und Förderer der Künste verleiht. 1974 wurde Knoll von Marshall S. Cogan übernommen und seit 2001 von dessen Sohn Andrew B. Cogan geführt. Seit 2004 ist Knoll an der New Yorker Börse gelistet, 2021 erfolgte dann der Verkauf an HermanMiller für 1.8 Millarden Dollar.
Knoll International in Deutschland
1951 gründete Knoll Associates die ersten Auslandsniederlassungen in Deutschland und in Frankreich – Knoll International. Als Standort für Knoll International Deutschland wurde dabei zuerst Stuttgart gewählt, später wechelte die Firma nach Murr. Im Laufe der Zeit wurde diese Niederlassung nicht nur für den weltweiten Umsatz sehr wichtig, man legte zusätzlich eigene Kollektionen auf, die sich von der amerikanischen Mutterfirma abgrenzten. So wurden die in den USA sehr erfolgreichen Möbel der Jens Risom Kollektion in der deutschen Kollektion nicht angeboten. Der Hintergrund ist bis heute nicht ganz geklärt, wir vermuten, dass familiäre Gründe den Ausschlag gaben. Denn Hans Knoll gab diese Rechte an die Firma seines Vaters Walter Knoll weiter, die in den 1950er Jahren die Jens Risom Möbel in Deutschland produzierten und als Vostra-Kollektion im Markt anboten. Als Ersatz dafür enthielt der deutsche Katalog von Knoll International dafür Möbel, die in Amerika nicht angeboten wurden – wie ein Couchtisch von Harry Bertoia (der von Markanto wieder entdeckt wurde).

Florence Knoll auf dem Cover des SPIEGEL im Jahr 1960, Diamond Chair und Kunstwerk von Harry Bertoia
Nach dem Tod von Hans Knoll im Jahr 1955 übernahm weltweit Florence Knoll die Geschicke der Firma. Für die Auslandsniederlassungen in Mitteleuropa war dabei der gebürtige Deutsche Toby E. Rodes mit verantwortlich. Von 1955 bis 1966 war Toby E. Rodes Teil der Geschäftsleitung von Knoll International, unter seiner Führung wurde Knoll International zu dem mit wichtigsten deutschen Unternehmen der Möbelbranche der 1950er und 60er Jahre. Höhepunkt war dabei eine umfangreiche Titelgeschichte über Florence Knoll im Spiegel vom 13.04.1960. Auch die Fertigung erfolgte zum Teil in Deutschland sowie ab 1968 im Knoll Werk in Foligno in Italien, dass man durch die Übernahme von Gavina erworben hatte. Zusätzlich begann Knoll mit deutschen Designern eigene Kollektionen zu planen, wie dem Architekten des Kanzlerbungalows Sepp Ruf oder dem Designer Otto Zapf. Ergänzt wurden diese Möbelkollektionen in den 1960er Jahren durch Textilkollektionen von Wolfgang Bauer (die wiederum dann auch in den USA angeboten wurden) oder durch die Knoll International Teppichkollektion von Sigrid Wylach in den 1970er Jahren. Denn Knoll wollte damals den Kunden ein komplettes Inneneinrichtungskonzept anbieten.

Knoll International Messestand 2024 in Mailand mit Florence Knoll Sofa und Thugenhat Sesseln von Ludwig Mies van der Rohe
Die Grafik von Knoll International
Der ursprünglich aus der Schweiz stammende Grafiker und Fotograf Herbert Matter schuf in den 1940er und 50er Jahren mit seinen Anzeigenentwürfen und dem ursprünglichen Knoll Logo im Jahr 1947 den Grundstein für die einzigartige Markenpolitik des Unternehmens. In den 1960er und 70er Jahren wurde diese Arbeit dann von Massimo Vignelli fortgesetzt. Knoll setzte als Marke immer wieder Maßstäbe im Möbeldesign – wie zum Beispiel mit der Einzelausstellung 1972 im Louvre in Paris oder 2011 mit dem National Design Award der USA. Heute werden die meisten Möbel für den europäischen Markt im Werk von Knoll International in Foligno im italienischen Umbrien produziert. Diese Produktionsstätte wurde ursprünglich in den 1960er Jahren von Achille Castiglioni für Gavina entworfen und diente zeitweise auch der Leuchtenmanufaktur Flos als Hauptwerk. Dazu hatten dort Entwerfer und Künstler wie Carlo Scarpa, Lucio Fontana und Gino Marotta ihre Arbeitsräume (weitere Informationen über das Knoll Werk Sie in unserem Blog). Darüber hinaus verfügt Knoll in East Greenville im amerikanischen Pennsylvania über eine weitere Produktionsstätte. Dort befindet sich auch das hauseigene Knoll Museum.

Knoll International Kataloge und Preislisten von Herbert Matter aus den 1950er Jahren
Das Möbelportfolio von Knoll International
Das heutige Sortiment von Knoll International umfasst eine vielfältige Auswahl hochwertiger Knoll-Möbel für den Innen- und Außenbereich. Die Kollektion richtet sich sowohl an private Wohnräume als auch an anspruchsvolle Objekt- und Büroeinrichtungen. Zum Portfolio zählen unter anderem Sofas, Sessel und Liegen sowie Stühle, Hocker und Ottomanen. Besonders bekannt ist Knoll für seine ikonischen Designklassiker wie den Barcelona Sessel von Ludwig Mies van der Rohe oder den Tulip Chair von Eero Saarinen. Ergänzt werden diese durch moderne Entwürfe namhafter Designer wie Frank Gehry, Piero Lissoni oder Willo Perron , die das Knoll Sortiment kontinuierlich weiterentwickeln. Auch im Bereich Tische bietet Knoll eine große Bandbreite – von Esstischen über Konferenz- und Beistelltische bis hin zu eleganten Couchtischen. Klassiker wie der Warren Platner Tisch, der Saarinen Tisch oder der Laccio Couchisch von Marcel Breuer zählen zu den bekanntesten Knoll Möbelklassikern. Eine erste Übersicht über das Knoll International Soriment finden Sie in den pdf-Dateien:
Download Knoll Harry Bertoia Broschüre
Download Knoll Ludwig Mies van der Rohe Broschüre
Download Knoll Warren Platner Broschüre
Download Knoll Eero Saarinen Broschüre
Download Knoll Marcel Breuer Broschüre
*Objekte von Knoll USA sind nur auf Anfrage erhältlich, hier ist teilweise mit erheblichen Aufpreisen zu rechnen. *Die Cecsa Freischwinger von Marcel Breuer sind in Deutschland aus lizenzrechtlichen Grpünden nicht erhältlich!
Bei Markanto finden Sie eine umfangreiche, kuratierte Auswahl der Knoll International Designklassiker. Als langjähriger Knoll International Fachhändler in Köln können wir Ihnen selbstverständlich die gesamte Knoll Möbelkollektion liefern, die auf dem europäischen Markt erhältlich sind.

Inneneinrichtung mit Knoll Möbeln: ovaler Saarinen-Esstisch mit Bertoia-Stühlen, im Hintergrund Barcelona Sessel von Ludwig Mies van der Rohe
Markanto und Knoll International
Im Laufe unserer langen Zusammenarbeit mit Knoll International wurden wir selbst zu Knoll Experten und beraten häufig Verbraucher oder Institutionen zur Bestimmung der Knoll Klassiker und der Einschätzung der Echtheit. Denn viele Entwürfe von Entwerfern wie Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer, Eero Saarinen, Harry Bertoia oder Warren Platner werden leider in Europa auch als Fakes (zumeist aus Drittländern aus Asien) angeboten. Da diese Entwürfe dem Urheberschutz unterliegen und häufig auch als Kunstwerke besonderen Schutzrechten unterliegen, ist der Vertrieb und Verkauf innerhalb Deutschlands strafbar. Hier haben wir in der Vergangenheit auch mehrfach Rechtsanwälte, die Polizei und den Zoll unterstützt.
Zusätzlich hatten wir lange Zeit auch die exklusiven Rechte an der Knoll International Teppichkollektion von Sigrid Wylach, ausführliche Informationen hierzu gerne auf Anfrage. Zusammen mit der Teppichkünstlerin legten wir diese Kollektion ab 2001 neu auf. Diese Kollektion entstand ursprünglich um 1974, als Knoll International in Europa passend zu den wichtigsten Knoll Sitzgruppen auch Teppiche anbieten wollte, um so komplette Einrichtungslösungen anzubieten. Zur Saarinen-Sitzgruppe entstand der Teppich White Flower, zu den Gae Aulenti Möbeln der Teppich Palazzo, zum dem Andre-Esstisch der Teppich ISO und zum Platner Tisch der runde Teppich CET (gemeinsam mit Manfred Schulz).

Knoll International Showroom (wohl Frankfurt um 1976), mit André Esstisch aus der Gavina Kollektion, Freischwinger von von Ludwig Mies van der Rohe, Teppich von Sigrid Wylach, Hintergrund Bastiano Sofa von Tobia Scarpa (Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Knoll)
Ausserdem haben wir in der Vergangenheit direkt mehrfach mit den Familien verschiedener Knoll Designer im Rahmen unserer Ausstellungsprojekte zusammenarbeiten dürfen, wie mit der Ralph Rapson Familie, der Alexander Girard Familie und besonders der Harry Bertoia Foundation. Denn im Jahr 2015 entwickelten wir zu Harry Bertoia 100jährigen Geburtstag ein Ausstellungsplakat, das von der bekannten Künstlerin Rosemarie Trockel gestaltet wurde. Diese kleine limitierte Edition wurde dann zuerst während unserer Bertoia-Ausstellung in Köln und später in den Knoll Showrooms in Mailand und New York präsentiert. Markanto wurde der erste Knoll Händler aus Deutschland, über den damals weltweit berichtet wurde. Zusätzlich importierten wir zur der Zeit auch verschiedene Skulpturen von Harry Bertoia aus den Vereinigten Staaten nach Europa, diese finden sich heute als Exponate im Knoll Showroom in Paris und Mailnd und natürlich im Markanto Office.