Isamu Noguchi (1904 - 1988)

Isamu Noguchi war ein bedeutender amerikanischer Bildhauer und Designer mit japanischen Wurzeln. Während seiner Schaffenszeit gelang es Isamu Noguchi, die Auffassung von Skulptur zu erweitern: Der Landschaftsraum trat nun erstmals aus dem Hintergrund und wurde selbst zum Gegenstand des künstlerischen Schaffens. Seine Werke, darunter Skulpturen, Leuchten und Möbel aber auch Gärten und Plätze, sind minimalistisch, klar, einfach und zeitlos.

Akari Papierleuchten für Vitra

In diesem Kontext müssen auch seine Akari Leuchten genannt werden. 1951 entdeckte Noguchi während einer Reise im japanischen Gifu die traditionellen Papierleuchten, die dort bereits seit Hunderten von Jahren produziert wurden. Noguchi entwickelte daraus zahlreiche eigene Formen, wobei er die Sprache eines Bildhauers und Künstlers in die Entwürfe einbrachte. Als Bezeichnung für diese Papierleuchten wählte er das Wort Akari, der japanische Ausdruck für Helligkeit und Licht. In den folgenden Jahren schuf er über 100 Modelle, die heute immer noch von der Ozeki Manufaktur in Gifu für Vitra gefertigt werden.

Noguchi schuf nur wenig Möbelentwürfe, welche aber Designgeschichte schrieben. Ab 1938 begann er sehr skulpturale und künstlerische Tische zu entwerfen, die zuerst Einzelanfertigungen für Kunden wie den damaligen Direktor des Museums of Modern Art in  New York waren. Als Resultat aus diesen Einzelstücken entstand dann 1944 der ikonische Coffee Table IN-50 (auch bekannt als Noguchi Coffee Table), der ab 1947 von dem amerikanischen Hersteller Herman Miller produziert wurde. Für Noguchi selbst war dieser Couchtisch mit seiner organisch geformten Glasplatte sein bester Möbelentwurf. Denn die Formgebung nahm die zahlreichen, späteren Nierentische der 1950er Jahre vorweg. Für Herman Miller entwickelte er auch das Freeform Sofa, einen Schachtisch und 1949 die Kollektion der sogenannten Fin- oder Rudder-Tische und -Hocker.

Designmöbel von Isamu Noguchi

Mitte der 1950er Jahren entwarf Noguchi dann für Knoll Associates die Rocking Stools - kleine, runde Hocker mit einem Drahtgestell, die entfernt an afrikanische Hocker erinnern. Daraus entwickelte Knoll 1957 gemeinsam mit Noguchi auch einen Esstisch und - passend zu den Harry Bertoia Kinderstühlen – eine kleinere Version, die gleichzeitig als Beistelltisch fungieren kann. Für den amerikanischen Aluminium-Hersteller Aloca entwarf er Mitte der 1950er Jahre eine Möbelserie aus Aluminium, einem Material, das Noguchi zu dieser Zeit sehr bevorzugte. Diese prismatischen Tische sollten zeigen, was alles aus dem Metall gefertigt werden kann.

Heute werden die Möbelentwürfe von Noguchi zusammen mit seinen Leuchten in einer Kollektion von Vitra präsentiert.

Wer sich für das Werk von Isamu Noguchi interessiert, dem sei ein Besuch des Noguchi Museums in New York empfohlen: www.noguchi.org. Darüberhinaus veranstalten wir 2017 zur Kölner Möbelmesse in Zusammenarbeit mit Vitra eine größere Ausstellung über den Bildhauer und Designer - ausführliche Informationen finden Sie dazu  in unserem Blog.

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Isamu Noguchi Lebenslauf

Das Leben des Künstlers  war wie eine große, nicht-enden-wollende Reise, denn Zeit seines Lebens reiste er rund um den Globus. In seinen späteren Jahren unterhielt er Ateliers sowohl in Japan als auch in New York und wurde nicht nur aus künstlerischer Sicht zu einem Pendler zwischen den Welten. Bereits nach seinem Studium in New York ging er 1927 für zwei Jahre nach Paris, um dort als Assistent des Bildhauers Constantin Brâncusi zu arbeiten. In dieser Zeit beschäftigte Noguchi sich mit Holz- und Steinreliefen. Anschließend kehrte er für eine kurze Zeit zurück nach New York. In den frühen 1930er Jahren besuchte er erneut Europa  und studierte dort die damals bestimmende europäische Kunstszene eingehend. Ihn interessierten aber auch Details wie z. B. die Reinheit des Marmors in Italien. Zusätzlich reiste er über Moskau nach Asien, um in Peking bei Chi Pai Shi traditionelle Pinseltechniken zu erlernen und in Kyoto die Arbeiten des japanischen Töpfers Uno Jinmatsu zu studieren. All diese Eindrücke integrierte er in seine Arbeiten, die eine breite Palette von Materialien  wie Edelstahl, Marmor, Gusseisen, Balsaholz, Bronze, Aluminium, Basalt, Granit und Wasser umfassten.

Seine künstlerische Arbeit war Noguchi bis zu seinem Tod sein Lebensmittelpunkt. Besonders wichtig war ihm immer die Bildhauerei – auch wenn er zahlreiche industriell-hergestellte Objekte entwarf. Seine Interior-Entwürfe, wie der organisch geformte Coffee Table aus dem Jahr 1944 oder das Freeform Sofa aus dem Jahr 1946, waren dabei stilprägend für die Formensprache der 1950er Jahre.

Noguchis bildhauerische Arbeiten – minimalistisch, feinsinnig und couragiert – setzten neue Maßstäbe. Er kombinierte Tradition und Moderne, seine Arbeiten zeigen sowohl den Einfluss moderner westlicher Kunst als auch den chinesischer und japanischer Tradition. Die häufig großformatigen Skulpturen, Plastiken und künstlerischen Gärten haben bis heute Vorbildfunktion. Denn Noguchi gelang es, die Auffassung von Skulptur zu erweitern – mit der sogenannten Land Art wurde der öffentliche Raum selbst zu einem Gegenstand des künstlerischen Schaffens. Die von ihm gestalteten urbanen Orte und Plätze wie in Hiroshima, Paris und New York haben in ihrer Klarheit noch heute eine Leitbildfunktion für Landschaftsarchitekten, Städteplaner und andere Künstler. Noguchi, einer der bedeutendsten Bildhauer in den USA, zählt so zu den richtungsweisenden Pionieren.

Geboren wurde Isamu Noguchi am 17. November 1904 in Los Angeles, Kalifornien, als Sohn der amerikanischen Schriftstellerin Leonie Gilmour und des bekannten japanischen Dichters Yonejiro (Yone) Noguchi. Seine Kindheit verbrachte der Junge bis zu seinem 13. Lebensjahr in dem japanischen Küstenort Chigasaki, dort entdeckte er wohl auch seine Liebe für Kunst und Handwerk. Aufgrund der damals in Japan vorherrschenden rassistischen Gesinnung gegenüber Menschen mit gemischt-ethnischer Herkunft entschlossen sich seine Eltern, ihn mit 14 Jahren zurück in die USA zu schicken – dort besuchte er die Interlaken School in Rolling Prairie im Bundesstaat Indiana. Nachdem er die Highschool beendet hatte, begann Noguchi zunächst ein Medizinstudium an der Columbia University in New York. Zeitgleich besuchte er Bildhauer-Abendkurse in der New Yorker Lower East Side, um seine Vorliebe nicht aus den Augen zu verlieren. Dort lernte er den Bildhauer Onorio Ruotolo kennen, der ihm beratend zur Seite stand. Schließlich verließ Noguchi die Universität, um seiner Passion zu folgen und Bildhauer zu werden.

Eine Ausstellung über die Arbeiten von Constantin Brâncusi in New York im Jahr 1926 änderte seine künstlerische Richtung tiefgreifend. Ausgestattet mit einem Guggenheim-Stipendium ging Noguchi für zwei Jahre nach Paris und war dort ab 1927 für sechs Monate als Brâncusis Assistent tätig. Inspiriert durch die reduktiven Formen des älteren Künstlers, wandte sich Noguchi nun verstärkt der Moderne und der Abstraktion zu. Nach seiner Rückkehr hatte er 1929 seine erste Einzelausstellung in der Eugene Schoen Gallery in New York. Zeitgleich fertigte er mehrere von Büsten, u.a. von Berenice Abbott, Martha Graham, George Gershwin und Buckminster Fuller.

Bis 1938 waren seine Arbeiten in den Vereinigten Staaten in der Öffentlichkeit eher unbemerkt geblieben. Sein Durchbruch kam, als Noguchi eine großformatige Skulptur, die die Freiheit der Presse symbolisierte, für das Associated Press-Gebäude im Rockefeller Center entwarf. Dieses neun Tonnen schwere Edelstahlflachrelief wurde vielfach gelobt und sorgte für zahlreiche Folgeaufträge. 1942 gründete Isamu Noguchi dann ein erstes Atelier in der MacDougal Alley in Greenwich Village. Später sollten noch zwei weitere Studios folgen: 1961 in New York und 1971 auf der japanischen Insel Shikoku.

Der japanische Angriff auf Pearl Harbour und die daraus resultierenden Reaktionen, wie die Zwangsinternierung von Amerikanern mit japanischen Wurzeln, hatten eine dramatische persönliche Wirkung auf Noguchi und motivierten ihn, politisch aktiv zu werden. Im Jahr 1942 gründete er die Gruppe Nisei, um Schriftsteller und andere Künstler für Demokratie zu mobilisieren. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg verbrachte Noguchi viel Zeit damit, sich mit diesen Vorkommnissen zu beschäftigen. Seine Ideen und Gefühle spiegeln sich in seinen Werken jener Zeit wider, exemplarisch in den Skulpturen, die in der Ausstellung Vierzehn Amerikaner im Museum of Modern Art in New York 1946 gezeigt wurden.
 
Um 1938 begann Noguchi auch mit ersten Möbelentwürfen; diese sehr skulpturalen und künstlerischen Tische waren Einzelanfertigungen für Kunden, z.B. für den damaligen Direktor des Museums of Modern Art. Als Resultat aus diesen Einzelstücken entstand dann 1944 der ikonische Coffee Table IN-50 (auch bekannt als Noguchi Coffee Table), der ab 1947 von dem amerikanischen Hersteller Herman Miller produziert wurde. Für Noguchi selbst war dieser Couchtisch mit seiner organisch geformten Glasplatte sein bester Möbelentwurf. Für Herman Miller entwickelte er auch das Freeform Sofa, einen Schachtisch und 1949 die Kollektion der sogenannten Fin- oder Rudder-Tische und -Hocker. Mitte der 1950er Jahren entwarf Noguchi für Knoll Associates die Rocking Stools – kleine, runde Hocker mit einem Drahtgestell. Daraus entwickelte Knoll 1957 gemeinsam mit Noguchi auch einen Esstisch und – passend zu den Harry Bertoia Kindermöbeln – eine kleinere Version, die gleichzeitig als Beistelltisch fungieren kann.

Bereits um 1944 entwarf Noguchi als Geschenk für seine Schwester eine erste Leuchte – die dreibeinige Cylinder Lamp. Der Entwurf wurde ab 1947 von Knoll produziert. Die Cylinder Lamp wurde jedoch so erfolgreich, dass Knoll in Amerika die Produktion bereits 1954 auf Grund von zahlreichen Nachahmungen wieder einstellte. Noguchi aber hatte zwischenzeitlich zahlreiche weitere Leuchten entwickelt. 1951 entdeckte er während einer Reise im japanischen Gifu die traditionellen Papierleuchten, die dort bereits seit Hunderten von Jahren produziert wurden. Noguchi entwickelte daraus zahlreiche eigene Formen, wobei er die Sprache eines Bildhauers und Künstlers in die Entwürfe einbrachte. Als Bezeichnung für diese Papierleuchten wählte er das Wort Akari, der japanische Ausdruck für Helligkeit und Licht. In den folgenden Jahren schuf er über 100 Modelle, die auch heute noch von der Ozeki Manufaktur in Gifu für Vitra gefertigt werden.

Zusätzlich entwarf Noguchi Keramiken oder bereits 1937 die sehr skulpturale Nurse-Sprechanlage aus Bakelit für die Zenith Radio Corporation, welche an Masken japanischer Samurai erinnert. Für den amerikanischen Aluminium-Hersteller Aloca entwarf er Mitte der 1950er Jahre eine Möbelserie aus Aluminium, einem Material, das Noguchi zu dieser Zeit bevorzugte. Die prismatischen Tische sollten zeigen, welche Möglichkeiten dieses Metall bietet. Dabei war Noguchi der industriellen Produktion gegenüber sehr aufgeschlossen – wann immer er die Möglichkeit sah, seine Entwürfe auf den Markt zu bringen, ergriff er diese auch.

Für sein Schaffen gilt, dass Noguchi keiner bestimmten Bewegung angehörte und mit unterschiedlichsten Werkstoffen arbeitete – von Papier bis Aluminium. Seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern gestaltete sich ebenfalls interdisziplinär. Bereits 1935 entwarf er für die Tänzerin und Choreografin Martha Graham Bühnenbilder; daraus entstand eine lebenslange Zusammenarbeit. Weitere Bühnenbilder entwarf er für die Tänzer und Choreografen Merce Cunningham, Erick Hawkins und George Balanchine sowie für den Komponisten John Cage. In den 1960er Jahren kooperierte Noguchi mit dem Bildhauer Masatoshi Izumi auf der japanischen Insel Shikoku. Auch hier entstand eine lebenslange Freundschaft zwischen den beiden Bildhauern. Zusammen mit dem Architekten Louis Kahn entwickelte er einen Entwurf für einen Spielplatz.

1985 eröffnete Noguchi sein Isamu Noguchi Garden Museum (heute bekannt als Noguchi Museum, siehe unter www.noguchi.org) in New York. Das Museum, gegründet und entworfen vom Künstler selbst, markierte den Höhepunkt seines Engagements für öffentliche Räume. Das Museum befindet sich in einem alten Industriegebäude aus den 1920er Jahren in Long Island City im Stadtteil Queens, direkt gegenüber der Straße, in der er bereits 1961 sein Atelier errichtet hatte. Auf ca. 2.200 Quadratmeter zeigt es Noguchis Werk – verbunden mit einem sehenswerten Skulpturengarten, der Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.

Auch erhielt Noguchi in seinen späteren Jahren zahlreiche Auszeichnungen wie 1986 den Kyoto-Preis in Japan und 1987 die National Medal of Arts durch Ronald Reagan. Als einer seiner letzten Aktivitäten vertritt Noguchi die USA 1986 auf der Biennale in Venedig,  er stirbt dann im Alter von 84 Jahren zwei Jahre später am 30. Dezember 1988 in New York.

Wichtige Werke von Isamu Noguchi (Auswahl):

• News-Flachrelief im Rockefeller Center in New York (1940)
• Plastik Mu in Tokio (1950 – 1951)
• Zwei Brücken im Friedenspark in Hiroshima (1951 – 1952)
• Japanischer Garten für das UNESCO Gebäude in Paris (1956 – 1958)
• Sunken Garden, Chase Manhattan Bank Plaza in New York (1961 – 1964)
• Plastik Red Cube vor dem HSBC Building in New York (1968)
• Plastik Black Sun in Seattle (1969)
• Billy Rose Sculpture Garden für das israelische Museum in Jerusalem (1960–1965)
• Zwillingsplastik im Tucherpark in München (1972)1
• The Isamu Noguchi Foundation und Garden Museum in New York (1983 – 1985)