Paavo Tynell (1890-1973)

Paavo Tynell war finnischer Industriedesigner mit Spezialisierung auf Lichtdesign. Gleichzeitig war er Mitbegründer der finnischen Manufaktur Taito Oy und arbeitete in den 1950er und 1960er Jahren als freiberuflicher Designer für verschiedene internationale Unternehmen. Paavo Tynell war mit der Glasdesignerin Helena Tynell (1918 - 2016) verheiratet. 2018 legte Gubi eine Kollektion seiner heute viel beachteten Leuchten auf.

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Taito Oy und Idman Oy: Die Geschichte der finnischen Leuchtenmanufakturen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann Paavo Tynell seine Karriere in Helsinki als Blechschmied, wobei er sich schnell auf die hochwertige Verarbeitung von Metalloberflächen spezialisierte. Während seiner Tätigkeit bei Koru OY, einer finnischen Kunstgewerbefirma, qualifizierte er sich 1913 als Handwerksmeister. Gleichzeitig studierte er an der Helsinki University of Industrial Arts, wo er später als Dozent wirkte. Viele andere finnische Designer wie Kaj Franck und Gunnel Nyman studierten unter seiner Leitung. Zusammen mit drei Geschäftspartnern gründete Paavo Tynell 1918 dann seine eigene Firma Taito Oy. Anfang schuf man verschiedene Metallobjekte, von der industriellen Beleuchtung bis hin zu anspruchsvolleren Kunstmetallarbeiten. Als einer der ersten finnischen Hersteller produzierte Taito Oy ab den 1930er Jahren dann verstärkt Leuchten, die häufig von Paavo Tynell entworfen wurden. Aufgrund seiner guten Kontakte arbeitete das Unternehmen mit bekannten finnischen Architekten wie Alvar Aalto zusammen. Taito Oy produzierte die Leuchtenentwürfe für alle großen Projekte von Alvar Aalto, wie für das Paimio-Sanatorium Paimio, das Savoy Restaurant in Helsinki oder die Viipuri Bibliothek im heutigen Russland. So wurde Taito Oy der wichtigste finnische Hersteller für Leuchten, die öffentlichen Aufträge umfassten das finnische Parlamentsgebäude oder den Bahnhof in Helsinki. Gleichzeitig erhielt die Firma zahlreiche Auszeichnungen wie auf der Weltausstellung in Barcelona im Jahr 1929 oder auf der Triennale in Mailand 1933.

Ein Wendepunkt für das Unternehmen war im Jahr 1947, als Paavo Tynell sich mit dem sogenannten Finland House in New York engagierte. Er entwarf für den Showroom die gesamte Beleuchtung. Aufgrund seines floralen, organischen Stils waren diese recht verspielten Leuchten einzigartig und erhielten zahlreiche Presseberichte im Life Magazine oder der New York Times. Gefertigt wurden die Leuchten alle weiterhin in Finnland, wobei Paavo Tynell häufig mit perforiertem Messingblech experimentierte. 1953 wurde Taito Oy von der finnischen Beleuchtungsmanufaktur Idman Oy übernommen, Paavo Tynell arbeitete nun als freiberuflicher Designer weiter. Neben Idman Oy zählten die amerikanischen Leuchtenhersteller Lightcraft Inc. und Lightolier Inc. zu seinen Kunden. Zusätzlich erhielt er renommierte Aufträge von Privatkunden oder von Institutionen wie die Ausstattung des Büros des Generalsekretärs der Vereinten Nationen in New York. Eine Variante der sogenannten UN-Leuchte erhielt dabei 1950 den ersten Preis für Lichtdesign. Bis in die 1960er Jahre entwarf Paavo Tynell weiterhin seine heute hoch geschätzten Leuchten, er starb im Jahr 1973 im finnischen Tuusula.