Miguel Milá (1931)

Der in Barcelona geborene Designer Miguel Milá entstammt einer aristokratischen Familie, die stets enge Kontakte zur Kunstwelt pflegte. So war die Familie etwa Bauherr der Casa Milá, die 1910 nach einem Entwurf von Antonio Gaudí fertiggestellt wurde. Als das Bauwerk, das besser unter seinem Spitznamen „La Pedrera“ also der Steinbruch bekannt ist, im Jahr 1953 umgebaut werden sollte, entwarf der beauftragte Architekt Barba Corsini zur Einrichtung einige Leuchten und einen Beistelltisch, die heute in Serie von Gubi produziert werden.

Beeinflusst von Antonio Gaudí?

Womöglich beeinflusst von der Umgestaltung der Casa Milá, entdeckte auch Miguel sein Interesse für Design. Ende der 1950er Jahre begann er in dem Architekturbüro zu arbeiten, das sein Bruder Alfonso Milá gemeinsam mit Federico Correa führte. Zu dieser Zeit litt die spanische Wirtschaft wie das gesamte Land, unter der Franco-Diktatur. Es herrschte Materialknappheit und es gab praktisch keine Industrie. Entsprechend gab es im engeren Sinne auch kein Design, also keine Entwurfstätigkeit für die industrielle Fertigung. Stattdessen erfolgte die Umsetzung von Milás Entwürfen in Handarbeit und in geringen Stückzahlen. Heute produziert die spanische Manufaktur Santa & Cole eine Auswahl seiner Designklassiker. Ein sehenswertes Video über Miguel Milá finden Sie unter www.santacole.com/es/blog/videos/documental-de-miguel-mila

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Dieser widrigen Umstände zum Trotz, gründete Miguel Milá gemeinsam mit zwei befreundeten Architekten bald schon das Unternehmen Tramo für Design und Innenarchitektur. In den ersten Jahren entwarf er bereits Leuchten, wie die Modelle TMC und TMM, die sich mittlerweile zu spanischen Designklassikern entwickelt haben. Gemeinsam mit anderen Designern und Architekten, die zu dieser Zeit in Katalonien aktiv waren, gründete Milá außerdem die Initiative ADI-FAD, die sich zum Ziel setzte, moderne Architektur voranzutreiben und die spanische Designszene international zu verknüpfen. Im Laufe der 1960er Jahre wurden die Bestrebungen von ADI-FAD und die Geschäfte von Tramo vom spanischen Wirtschaftswunder beflügelt, das in Folge liberaler Reformen und einer wirtschaftlichen Öffnung des Landes einsetzte.

Doch trotz seiner späteren Erfolge haben die Jahre der Krise und des Mangels die Designphilosophie von Miguel Milá nachhaltig beeinflusst. So bezeichnet er sich selbst als vorindustriellen Designer und gab zu Protokoll, dass er sich beim Entwerfen dann besonders wohl fühlt, wenn die Fertigungsverfahren und Materialien eine gewisse Fehlerkorrektur zulassen und ihm als Designer ein hohes Maß an Kontrolle erlauben. Auch bevorzuge er edle Materialien, die in Würde altern und mit zunehmender Patina an Charakter gewinnen. Ein für Milá typischer Entwurf in diesem Sinne ist etwa auch die Leuchtenserie Cesta und Cestina, die gleichzeitig auch zu seinen ikonischsten Entwürfen zählt. Mit Leuchtkörpern aus Opalglas und Gestellen aus Kirschholz oder Edelstahl, sind die Leuchten für die Ewigkeit gebaut und haben eine hochwertige Anmutung.
 
Nachdem sich Miguel Milá in den 1980er Jahren auf Innenarchitektur und Ausstellungsdesign konzentrierte, meldete er sich Mitte der 1990er Jahre mit Produktentwürfen zurück, wobei sein Fokus nun auf der Möblierung öffentlicher Außenbereiche liegt. 1987 wurde Milá mit dem Premio Nacional de Diseño geehrt, 2008 erhielt er den renommierten italienischen Designpreis Compasso d’Oro für sein Lebenswerk. Ein interessanten Film über sein Werk findet man unter: http://www.santacole.com/en/blog/videos/miguel-milas-documentary-