Hans Gugelot (1920 – 1965)

Der Braun Schneewitchensarg, der Kodak Diaprojektor, der Ulmer Hocker, das erste modulare Möbelsystem, die Hamburger U-Bahn oder der Kunststoffbierkasten – alle Entwürfe stammen von Hans Gugelot oder sind unter seiner Beteiligung entstanden. Sein Designverständnis prägte die junge Bundesrepublik Deutschland in den 1950er und 60er Jahren. Viel zu früh starb Hans Gugelot 1965 an einem Herzinfarkt im Alter von nur 45 Jahren.

”Wäre Gugelot (wir nannten ihn Gütsch) nicht so früh verstorben, er würde heute unter den Dutzend Designern der Weltklasse stehen, ohne jede Eigenpropaganda, gegen die er höchst allergisch war.”

Inge Aicher-Scholl, Gründerin der HfG (Hochschule für Gestaltung Ulm) und Schwester von Hans und Sophie Scholl, in einem Leserbrief an die Südwestpresse vom 29. Juli 1977

Geboren wurde Hans Gugelot am 1. April 1920 in Makassar auf der indonesischen Insel Sulawesi als holländischer Staatsbürger. Seine Kindheit verbrachte er zuerst in Holland, 1934 zog die Familie Gugelot ins schweizerische Davos, wo Gugelots Vater Chefarzt des Niederländischen Sanatoriums wurde. Hans Gugelot studierte zuerst in Lausanne, später in Zürich, wo er im Wintersemester 1945/46 sein Diplom im Bereich Architektur erhielt. Anschließend arbeitete Hans Gugelot als freier Architekt in verschiedenen Büros (u.a. bei Max Bill), bis er sich 1950 selbstständig machte. Sein erster großer Erfolg wurde das für die Schweizer Firma Wohnbedarf entwickelte modulare Möbelsystem M125, das durch den Einsatz von vorgefertigten und genormten Systemelementen ein wichtiges Vorbild für viele spätere Möbelsysteme war und direkt auf viel Beachtung stieß. 1954 wurde Hans Gugelot an die von Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher und Max Bill gegründete Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm berufen, wo er seinen Lebensmittelpunkt finden sollte. Die HfG gilt heute als die bedeutendste deutsche Design-Hochschule nach dem Bauhaus und setzte Maßstäbe im Produktdesign. Hans Gugelot arbeitete als Dozent und später als Leiter der Entwicklung, es entstand eine enge Zusammenarbeit mit dem HiFi-Unternehmen Braun, für welches Gugelot zahlreiche wegweisende technische Geräte wie den „Schneewitchensarg” Phonosuper SK4 (1956 mit Dieter Rams) oder den Elektrorasierer Sixtant 1 (1962) entwickelte.

Zusammen mit der Arbeit des Grafikers Otl Aicher prägten seine Entwürfe das Erscheinungsbild von Braun, das visuelle Corporate Design gilt heute als Meilenstein für moderne Unternehmenskommunikation, auf den sich heutige Marken wie Apple immer noch beziehen. 1957 erhielt Braun für die neuartigen HiFi-Geräte und das Erscheinungsbild den Grand Prix der XI. Triennale in Mailand. Zur Möblierung der HfG konzipierten Max Bill, Hans Gugelot und Paul Hildinger 1954 den sogenannten Ulmer Hocker, der heute fälschlicherweise meist nur Max Bill zugesprochen wird. Das preiswerte Multifunktionsmöbel war für den Schulalltag gedacht – als Hocker, Transportbehältnis oder kleiner Tisch – und erfreut sich nach über 60 Jahren immer noch großer Akzeptanz.

 

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Hans Gugelot (1920 – 1965)

Der Braun Schneewitchensarg, der Kodak Diaprojektor, der Ulmer Hocker, das erste modulare Möbelsystem, die Hamburger U-Bahn oder der... mehr erfahren »

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Hans Gugelot (1920 – 1965)

Der Braun Schneewitchensarg, der Kodak Diaprojektor, der Ulmer Hocker, das erste modulare Möbelsystem, die Hamburger U-Bahn oder der Kunststoffbierkasten – alle Entwürfe stammen von Hans Gugelot oder sind unter seiner Beteiligung entstanden. Sein Designverständnis prägte die junge Bundesrepublik Deutschland in den 1950er und 60er Jahren. Viel zu früh starb Hans Gugelot 1965 an einem Herzinfarkt im Alter von nur 45 Jahren.

”Wäre Gugelot (wir nannten ihn Gütsch) nicht so früh verstorben, er würde heute unter den Dutzend Designern der Weltklasse stehen, ohne jede Eigenpropaganda, gegen die er höchst allergisch war.”

Inge Aicher-Scholl, Gründerin der HfG (Hochschule für Gestaltung Ulm) und Schwester von Hans und Sophie Scholl, in einem Leserbrief an die Südwestpresse vom 29. Juli 1977

Geboren wurde Hans Gugelot am 1. April 1920 in Makassar auf der indonesischen Insel Sulawesi als holländischer Staatsbürger. Seine Kindheit verbrachte er zuerst in Holland, 1934 zog die Familie Gugelot ins schweizerische Davos, wo Gugelots Vater Chefarzt des Niederländischen Sanatoriums wurde. Hans Gugelot studierte zuerst in Lausanne, später in Zürich, wo er im Wintersemester 1945/46 sein Diplom im Bereich Architektur erhielt. Anschließend arbeitete Hans Gugelot als freier Architekt in verschiedenen Büros (u.a. bei Max Bill), bis er sich 1950 selbstständig machte. Sein erster großer Erfolg wurde das für die Schweizer Firma Wohnbedarf entwickelte modulare Möbelsystem M125, das durch den Einsatz von vorgefertigten und genormten Systemelementen ein wichtiges Vorbild für viele spätere Möbelsysteme war und direkt auf viel Beachtung stieß. 1954 wurde Hans Gugelot an die von Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher und Max Bill gegründete Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm berufen, wo er seinen Lebensmittelpunkt finden sollte. Die HfG gilt heute als die bedeutendste deutsche Design-Hochschule nach dem Bauhaus und setzte Maßstäbe im Produktdesign. Hans Gugelot arbeitete als Dozent und später als Leiter der Entwicklung, es entstand eine enge Zusammenarbeit mit dem HiFi-Unternehmen Braun, für welches Gugelot zahlreiche wegweisende technische Geräte wie den „Schneewitchensarg” Phonosuper SK4 (1956 mit Dieter Rams) oder den Elektrorasierer Sixtant 1 (1962) entwickelte.

Zusammen mit der Arbeit des Grafikers Otl Aicher prägten seine Entwürfe das Erscheinungsbild von Braun, das visuelle Corporate Design gilt heute als Meilenstein für moderne Unternehmenskommunikation, auf den sich heutige Marken wie Apple immer noch beziehen. 1957 erhielt Braun für die neuartigen HiFi-Geräte und das Erscheinungsbild den Grand Prix der XI. Triennale in Mailand. Zur Möblierung der HfG konzipierten Max Bill, Hans Gugelot und Paul Hildinger 1954 den sogenannten Ulmer Hocker, der heute fälschlicherweise meist nur Max Bill zugesprochen wird. Das preiswerte Multifunktionsmöbel war für den Schulalltag gedacht – als Hocker, Transportbehältnis oder kleiner Tisch – und erfreut sich nach über 60 Jahren immer noch großer Akzeptanz.

 

Im gleichen Jahr entwarf Hans Gugelot auch das Bett GB 1085 mit einer wegweisenden Unterkonstruktion für Schaumgummimatratzen (heute noch von Habit produziert) und eine umfangreiche, mehrfach ausgezeichnete Kindermöbelserie. 1956 entwickelte Hans Gugelot für Telefunken einen sehr futuristischen, rollbaren Fernseher, der allerdings nicht in Produktion ging. 1959 begann Hans Gugelot mit der Arbeit an der Hamburger U-Bahn (Abschluss 1962). Noch heute verkehren 400 dieser U-Bahnen in der Hansestadt und prägen das Stadtbild. Daneben erfolgten zahlreiche Entwicklungen für Hersteller wie Agfa, Bofinger, Kodak, Pfaff, Schoeller oder Varta. Besonders hervorzuheben sind dabei der Entwurf des Diakarusells für Kodak und das Design des Kunststoffbierkastens, dessen Idee auf den Unternehmer Alexander Schoeller zurückgeht. Zusätzlich hielt Hans Gugelot in dieser Zeit Vorlesungen, etwa an der School of Fine Arts in London, später wurde er Gastdozent am Design-Institut in Ahmedabad in Indien.

Ab 1963 beschäftigte sich Hans Gugelot auch mit dem Automobil-Design, diese Arbeiten wurden nach seinem Tode von dem gugelot-institut bis zum Jahr 1967 fortgesetzt. Aufgabe war die Gestaltung einer völlig neuartigen Kunststoff-Karosserie für Automobile, die dann 1967 auf der Hannover Messe vorgestellt wurde. Die Zusammenarbeit bei der Herstellung der ersten Prototypen erfolgte mit der Waggonfabrik Donauwörth, BMW und der Bayer AG. Das Ziel war ein einteiliger, unfallsicherer, korrosionsfester und dröhnfreier Fahrzeugkörper, der sowohl leicht als auch stabil ist. Zudem sollte das Fahrzeug mit möglichst geringen Werkzeugkosten aufgebaut werden können. Der BMW BAYER K67 war somit eines der ersten Autos mit einer kompletten Kunststoff-Karosserie weltweit, allerdings wurden wohl nur ganz wenige Exemplare produziert. Die Umsetzung des Konzeptes konnte Hans Gugelot nicht mehr erleben, er starb am 10. September 1965 an den Folgen eines Herzinfarktes in Ulm.

Über sein Schaffen schrieb Otl Aicher 20 Jahre später: „Ohne Frage war er (Hans Gugelot) von bestimmendem Einfluss für eine ganze Epoche. Hans Gugelot und Charles Eames waren die bestimmenden Designer von damals. Aber ihre Denkkategorien waren die von Handwerkern, von Technikern, nicht von Fabrikanten. Ihre Produkte waren nicht für die Produktion entworfen, sondern als Antworten auf Sachlagen.”

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Im gleichen Jahr entwarf Hans Gugelot auch das Bett GB 1085 mit einer wegweisenden Unterkonstruktion für Schaumgummimatratzen (heute noch von Habit produziert) und eine umfangreiche, mehrfach ausgezeichnete Kindermöbelserie. 1956 entwickelte Hans Gugelot für Telefunken einen sehr futuristischen, rollbaren Fernseher, der allerdings nicht in Produktion ging. 1959 begann Hans Gugelot mit der Arbeit an der Hamburger U-Bahn (Abschluss 1962). Noch heute verkehren 400 dieser U-Bahnen in der Hansestadt und prägen das Stadtbild. Daneben erfolgten zahlreiche Entwicklungen für Hersteller wie Agfa, Bofinger, Kodak, Pfaff, Schoeller oder Varta. Besonders hervorzuheben sind dabei der Entwurf des Diakarusells für Kodak und das Design des Kunststoffbierkastens, dessen Idee auf den Unternehmer Alexander Schoeller zurückgeht. Zusätzlich hielt Hans Gugelot in dieser Zeit Vorlesungen, etwa an der School of Fine Arts in London, später wurde er Gastdozent am Design-Institut in Ahmedabad in Indien.

Ab 1963 beschäftigte sich Hans Gugelot auch mit dem Automobil-Design, diese Arbeiten wurden nach seinem Tode von dem gugelot-institut bis zum Jahr 1967 fortgesetzt. Aufgabe war die Gestaltung einer völlig neuartigen Kunststoff-Karosserie für Automobile, die dann 1967 auf der Hannover Messe vorgestellt wurde. Die Zusammenarbeit bei der Herstellung der ersten Prototypen erfolgte mit der Waggonfabrik Donauwörth, BMW und der Bayer AG. Das Ziel war ein einteiliger, unfallsicherer, korrosionsfester und dröhnfreier Fahrzeugkörper, der sowohl leicht als auch stabil ist. Zudem sollte das Fahrzeug mit möglichst geringen Werkzeugkosten aufgebaut werden können. Der BMW BAYER K67 war somit eines der ersten Autos mit einer kompletten Kunststoff-Karosserie weltweit, allerdings wurden wohl nur ganz wenige Exemplare produziert. Die Umsetzung des Konzeptes konnte Hans Gugelot nicht mehr erleben, er starb am 10. September 1965 an den Folgen eines Herzinfarktes in Ulm.

Über sein Schaffen schrieb Otl Aicher 20 Jahre später: „Ohne Frage war er (Hans Gugelot) von bestimmendem Einfluss für eine ganze Epoche. Hans Gugelot und Charles Eames waren die bestimmenden Designer von damals. Aber ihre Denkkategorien waren die von Handwerkern, von Technikern, nicht von Fabrikanten. Ihre Produkte waren nicht für die Produktion entworfen, sondern als Antworten auf Sachlagen.”