Anni Albers (1999 - 1994)

Anni Albers ist eine der prägenden Textildesignerinnen des 20. Jahrhunderts. Wie ihr Ehemann Josef Albers studierte sie nicht nur am Bauhaus, sondern lehrte dort auch. Als Emigrantin setzte sie ihr in Deutschland angefangenes Werk in den USA fort und zählt zu den Pionieren der heutigen, industriellen Weberei. Neben ihrem handwerklichen Œuvre schuf sie zahlreiche abstrakte Graphiken, sowie Musterentwürfe für industriell gefertigte Stoffe.

Eine Künstlerin in der Männerwelt

Als Annelise Fleischmann wurde die Textildesignerin 1899 in Berlin geboren. Ihr Vater Siegfried Fleischmann war Möbelfabrikant, ihre Mutter Toni Fleischmann-Ullstein entstammte der Verlegerfamilie Ullstein. In seinem „Ullsteinroman“ von 2003, in dem er die Geschichte des Verlags und der Familie nachzeichnet, schreibt der Romancier Sten Nadolny: „Anni [...] war in der Fleischmann-Familie die schwierigste. Sie war auch die Schönste, eine Femme fatale ersten Ranges [...] Bohémienne wollte sie sein, Revolutionärin, Künstlerin.“ Schon während der Schulzeit erhielt Anni privaten Kunstunterricht, und trat mit 17 Jahren in das Studienatelier von Martin Brandenburg ein. Als sie sich später jedoch an der Dresdner Akademie für ein Malereistudium einschreiben wollte, blieb ihr als Frau der Zugang verwehrt. Stattdessen studierte sie – typisch für Künstlerinnenbiographien der damaligen Zeit – zunächst Kunsthandwerk, wofür sie sich an der Hamburger Kunstgewerbeschule einschrieb. Ab 1922 studierte sie schließlich am Bauhaus, wo nicht nur die Trennung der angewandten und freien Künste aufgehoben war, sondern das Studium auch Frauen offenstand.

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Am Bauhaus lernte Anni auch ihren späteren Ehemann Josef Albers kennen, der sein Bauhaus-Studium 1920 aufgenommen hatte und ab 1923 im Vorkurs lehrte. 1925 heirateten Anni und Josef Albers. Nach Abschluss des Vorkurses besuchte Anni Albers die Webereiklasse, die zu diesem Zeitpunkt von Gunta Stölzl geleitet wurde. Stölzl legte großen Wert auf professionelle und industrielle Webverfahren und funktionale Stoffe, ohne ästhetische Aspekte dabei zu vernachlässigen. Mit dieser Herangehensweise prägte sie Anni Albers nachhaltig. Als Abschlussarbeit legte Albers im Wintersemester 1929/30  ein schalldämpfendes, leicht zu reinigendes Gewebe vor, für das sie neben Baumwollfasern auch Cellophan verwendete. Als Gunta Stölzl 1931 aus Deutschland floh, übernahm Albers die Leitung der Bauhaus-Weberei. Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 musste das zuvor bereits wiederholt unter politischem Druck stehende Bauhaus endgültig seine Tore schließen und viele der Lehrenden verließen das Land. Wie auch der damalige Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe emigrierten der stellvertretende Direktor Josef Albers und seine Frau Anni in die USA. 1935 unternahmen die Albers eine Studienreise nach Kuba und Mexiko, wo sie insbesondere traditionelle Bau- und Webtechniken studierten. Insgesamt unternahmen sie 14 solcher Reisen in verschiedene Länder Lateinamerikas. Die unterwegs gesammelten Eindrücke und Beobachtungen wurden zur wichtigen Inspirationsquelle für das Werk der beiden Einwanderer.

Auf Empfehlung und mit Unterstützung des amerikanischen Architekten Philip Johnson, der später unter anderem mit Ludwig Mies van der Rohe zusammenarbeiten sollte, fanden die Albers Anstellung am gerade neu gegründeten Black Mountain College, einer Kunsthochschule in North Carolina. Dort wurde – in Anlehnung an das Bauhaus – ebenfalls projektbezogen und interdisziplinär unterrichtet. Von 1939 bis 1949 war Anni Albers Webereiprofessorin am Black Mountain College, und arbeitete parallel dazu als selbständige Textildesignerin und Weberin. In den freieren ihrer Arbeiten zeichnete sie sich dabei durch eine bemerkenswerte Experimentierfreudigkeit aus, und verwob unter anderem Materialien wie Papier, Kupferdrähte, Maisspelzen oder Gräser.

Josef Albers, der am Black Mountain College zum Rektor aufgestiegen war, wechselte 1950 an die renommierte Yale University, wo er bis 1959 das Art Department leitete. Anni gab ihre Lehrtätigkeit auf, und begleitete ihren Mann nach Connecticut. Noch bis 1962 fertigte sie weiterhin Gewebe an, kam schließlich jedoch zu der Auffassung, das Weben in der Form, wie sie es betrieben hatte, sei durch industrielle Verfahren überholt und obsolet geworden. Entsprechend gab sie das Handwerk auf und konzentrierte sich fortan auf den Entwurf von Textilmustern und abstrakten Graphiken. Für die Unternehmen Knoll und Sunar entwarf sie in der Folgezeit Textilien mit geometrischen Mustern.

1949 zeigte das New Yorker Museum of Modern Art die monographische Ausstellung „Anni Albers Textiles“. 1961 erhielt Albers für ihre handwerklichen Arbeiten die Goldmedaille des American Institute of Architects. Anni Albers starb 1994 in dem Ort Orange in Connecticut.