Barcelona Kollektion von Ludwig Mies van der Rohe, Knoll International

Von der Weimarer Regierung erhielt Ludwig Mies van der Rohe den Auftrag zur Planung des deutschen Pavillons zur Weltausstellung 1929 in Barcelona. Mit diesem temporären Bauwerk (der heutige Barcelona-Pavillon ist ein Nachbau) schrieb Mies van der Rohe Architekturgeschichte. Erstmalig wurde das Neue Bauen einer wirklich großen Masse präsentiert. Ludwig Mies van der Rohe plante dabei auch die Inneneinrichtung inklusive der Möblierung und entwarf mit dem Barcelona-Sessel – einem von Karl Friedrich Schinkel beeinflussten Scherensessel – einen zeitlosen Designklassiker. Der Barcelona-Sessel wurde damals in kleiner Stückzahl und in einer sehr aufwändigen Fertigung von der Firma Metallgewerbe Josef Müller in Berlin gefertigt.

Ludwig Mies van der Rohe und Florence Knoll

Nachdem Ludwig Mies van der Rohe in den 1930er Jahren in die USA emigriert war, geriet der Sessel fast in Vergessenheit. Erst auf Initiative von Florence Knoll (welche zeitweise in Mies van der Rohes Büro arbeitete) wurde die Kollektion von Knoll International im Jahr 1953 neu aufgelegt, bestehend aus Sessel, Hocker, Liege und den Couchtisch. „Ich verspreche Dir, dass wir niemals erlauben werden, dass irgendwelche unverschämten Farben und Materialien auf Deinen Möbeln verwendet werden.” so Florence Knoll damals zu Ludwig Mies van der Rohe. Zusätzlich entwarf er für Knoll noch die Variante des Scherenhockers mit Flachleder. Allerdings enthielt der ursprüngliche Barcelona-Pavillon nur den Scherensessel und Hocker, die Barcelona Liege entstand erst Anfang der 1930er Jahre als gemeinsamer Entwurf mit seiner Lebenspartnerin Lilly Reich (teilweise wird der Entwurf auch ihr alleine zugeschrieben). Auch der sogenannte Barcelona Tisch entstand erst später für Ludwig Mies van der Rohes Villa Thugendhat in Brünn. Allerdings wirkte das ganze Emsemble als eine Einheit, so dass diese Möbel seit den 1950er Jahren als Barcelona Kollektion bezeichnet werden. Ihre neue Popularität verdankten die Möbel durch die Möblierung von zwei Ikonen der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts: dem Farnsworth House von Ludwig Mies van der Rohe in Illinois aus den Jahren 1950/51 sowie dem Glass House von Philip Johnson aus dem Jahr 1949. Beide Gebäude wurden zahlreich publiziert und dienten als Anregung einer ganzen Generation von Architekten an – inklusive der Inneneinrichtung mit den Miesischen Möbeln.

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Knoll-Barcelona-Liege-Knoll-Barcelona-daybed
Barcelona Liege
von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich
€ 12.600,00 *
 
 
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Barcelona Liege Relax
von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich
€ 12.265,00 *
 
 

Barcelona Kollektion von Knoll International

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der heute von Knoll International angebotenen Barcelona Kollektion. Dabei ist jedes Stück mit dem Ludwig Mies van der Rohe Schriftzug und dem Knoll Studio Signet zur Identifizierung versehen. Hergestellt werden die Designikonen in aufwendiger Handarbeit (wovon wir uns selbst überzeugen konnten) im Knoll Werk im italienischen Foligno. So umfassen die beiden abgesteppten Lederkissen eines Barcelona Sessels 40 individuelle Lederrechtecken, die alle von Hand geschnitten werden und mit den Kedern aus einer Lederhaut handvernäht sind. Auch die 17 Rindkernlederriemen werden manuell um den verchromten, handpolierten Flachlederstahl gespannt.

  • Barcelona Sessel: Scherensessel in zahlreichen Lederarten der Knoll-Marke Spinneyback
  • Barcelona Sessel Relax: Mit einer voluminöseren Polsterung und dem hochwertigen Venezia-Leder
  • Barcelona Sessel Kinderversion: Der Klassiker in einer kleineren Ausführung für Kinder
  • Barcelona Hocker: Der passende Hocker zum klassischen Barcelona Chair
  • Barcelona Hocker Relax: Mit einer voluminöseren Polsterung und dem hochwertigen Venezia-Leder
  • Barcelona Hocker (Flachleder): Anstatt eines Polsters verwendet diese Variante eine Sitzfläche aus Rindkernleder.
  • Barcelona Liege: Diese 1930 entworfene Liege lehnt sich stilistisch an den Barcelona Sessel an.
  • Barcelona Liege Relax: Mit dem hochwertigen Venezia-Leder
  • Barcelona Couchtisch: Der Couchtisch ist eine perfekte Ergänzung zum Barcelona Sessel.

 

Knoll bietet aktuell die Sitzmöbel der Barcelona Version als klassische Version oder als Relax-Version an. Die Relax Version ist etwas weicher und üppiger gepolstert, der Sessel wirkt voluminöser wie in den 1960er Jahren. Eine Übersicht mit zahlreichen Abbildungen finden Sie in der Ludwig Mies van der Rohe Broschüre von Knoll (hier als Download). Bitte beachten Sie auch, dass im Internet zahlreiche nichtlizensierte Nachbauten des Barcelona Chairs (meist aus England, Italien oder China) angeboten werden. Bei Markanto finden Sie natürlich das Original von Knoll International.

Pflegehinweise

Der Barcelona Chair ist von solider und robuster Konstruktion. Die hohe Qualität der eingesetzten Materialien sorgt für eine lange Lebensdauer. Aber obwohl der Sessel nur wenig Pflege benötigt, sollten Sie einige Pflegehinweise befolgen, damit Ihr Barcelona Chair stets eine gute Figur macht:

  • Das verchromte Metallgestell ist unempfindlich; sie sollten lediglich darauf achten, es nicht unnötig zu verkratzen. Bei Bedarf kann das Gestell mit einem weichen Tuch mit einem milden Reinigungsmittel abgewischt werden.
  • Flecken auf den Lederflächen können mit einem feuchten Tuch entfernt werden, hierbei sollte man darauf achten, Restfeuchtigkeit unmittelbar wieder abzutrocknen. Bei hartnäckigeren Flecken kann man auch einen Radiergummi zu Hilfe nehmen. Zusätzlich bietet es sich an, die Lederflächen gelegentlich mit einem milden Pflegemittel zu behandeln, um ihre Geschmeidigkeit zu erhalten und Rissbildung zuvorzukommen.


Wie erkennt man einen gefälschten Barcelona Chair?

Das Erkennen von Fälschungen ist schwierig, denn auch die Fälscher schlafen nicht. Je nach dem, wie viel Sachkenntnis und Aufmerksamkeit fürs Detail sie investieren, lässt sich ein Plagiat von einem Laien kaum als solches erkennen. Im Zweifelsfall – etwa wenn Sie ein älteres Exemplar besitzen, bei dem Sie nicht sicher sind, ob es sich um ein Original handelt -  beraten wir Sie gern. Auch wenn Sie beim Kauf eines neuen Barcelona Chair sicher gehen wollen, ein Original zu erhalten, ist es am besten, sich an einen vertrauenswürdigen, offiziellen Knoll-Händler wie Markanto zu wenden.

Eine Ikone der Moderne

Ludwig Mies van der Rohe zählt international zu den wichtigsten Architekten der Moderne. Mit den Lake Shore Drive Apartments in Chicago und dem Seagram Building in New York City, die beide in den 1950er Jahren entstanden, prägte der gebürtige Aachener den Typus des modernen Hochhauses. Doch schon bevor er 1938 in die USA übersiedelte, weil der von ihm vertretene Baustil im Deutschland des Nazi-Regimes nicht willkommen war, gelangen ihm prägende Bauten und Projekte. So reichte er etwa 1921 als Wettbewerbsbeitrag einen Entwurf für ein Hochhaus in der Berliner Friedrichstraße ein, das mit Stahlskelett, gläserner Vorhangfassade und freiem Grundriss seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war. Als Vizepräsident des Deutschen Werkbunds leitete er 1927 die Ausstellung „Die Wohnung“ in Stuttgart. Als Teil dieser Ausstellung entstand die Weißenhofsiedlung, für die Mies van der Rohe nicht nur den Bebauungsplan, sondern auch einen Wohnblock entwarf. Darüber hinaus fungierte er von 1930 an als Direktor des Bauhauses, bis dieses 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde.

Nicht zuletzt erregte Mies van der Rohe mit dem sogenannten Barcelona-Pavillon Aufsehen: Dank des großen Erfolgs der Stuttgarter Werkbundausstellung erhielt er den Auftrag, den deutschen Pavillon für die Weltausstellung 1929 in Barcelona zu entwerfen. Mies van der Rohe nutzte die Gelegenheit mit einem vollkommen neuartigen, spektakulären Bauwerk auf internationaler Bühne für das Neue Bauen zu werben. In dem eleganten, eingeschossigen Gebäude demonstrierte er zwei seiner grundlegenden Entwurfsprinzipien: den freien Grundriss und den fließenden Raum. Als freien Grundriss bezeichnet Mies van der Rohe dabei die freie Positionierbarkeit der Wände. Da die tragende Funktion von Punktstützen übernommen wird, dienen die Wände lediglich dem Wetterschutz und dem Abtrennen einzelner Räume. Um dieses Gestaltungsprinzip demonstrativ auf die Spitze zu treiben, machte er in Barcelona Wände sogar zu einem dekorativen Element, etwa in Form einer prominent im Raum platzierten Onyxplatte. Als fließenden Raum bezeichnete Mies van der Rohe ein weiteres Gestaltungsprinzip, das für die Moderne typisch geworden ist: die enge Verzahnung von Außen- und Innenraum, sowie das Verschwimmen ihrer Trennung. Mit bodentief verglasten Außenwänden lädt der Barcelona-Pavillon seine Umgebung in den Innenraum ein, während ein weit auskragendes Stahlbetondach und ein Natursteinboden, der sich unverändert vom Innenraum auf die Terrasse fortsetzt, dem Außenraum den Charakter eines Innenraums verleiht. Obwohl der Pavillon abgesehen von seiner Möblierung und einer Skulptur von Georg Kolbe, die eher als Bauschmuck aufzufassen ist, überhaupt keine Ausstellungsobjekte beherbergte, entwickelte er sich zum Publikumsmagneten, denn das Gebäude selbst war die Attraktion. Nachdem der Pavillon nach Ende der Weltausstellung wie geplant demontiert wurde, wurden die Baumaterialien verkauft. Einige Bestandteile des Pavillons gelangten aufgrund ihrer architekturhistorisch wichtigen Bedeutung später in verschiedene Museen weltweit. So befindet sich einer der schlanken, verchromten Stahlpfeiler mit kreuzförmigem Profil heute in der Ausstellung des Londoner Victoria and Albert Museum. Um der wichtigen Rolle des Bauwerks gerecht zu werden ließ die Stadt Barcelona in den 1980er Jahren einen Nachbau am ursprünglichen Standort errichten. Zur Möblierung des Pavillons setzte Ludwig Mies van der Rohe den Barcelona Sessel ein. Denselben Entwurf nutzte er bald darauf auch zur Einrichtung der von ihm entworfenen Villa Tugendhat im tschechischen Ort Brünn. Dieses 1930 fertiggestellte Anwesen zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der heute als Barcelona Chair bekannte Sessel sollte dabei eine Aura von Luxus und Eleganz besitzen und seinem Nutzer Autorität verleihen. Der Vergleich zu einem Thron ist nicht unangebracht, denn schließlich zählte bei der Eröffnung der Weltausstellung das spanische Königspaar zu den ersten Personen, die auf dem Barcelona Chair Platz nehmen durften. In einem seiner wenigen überlieferten Statements fasste es Ludwig Mies van der Rohe so zusammen: Es musste ein „wichtiger Sessel werden, ein sehr eleganter Sessel. Die Regierung würde einen König empfangen. Der Sessel musste monumental sein. Unter diesen Umständen konnte man nicht einfach einen Küchenstuhl verwenden.“

Als Inspiration für das herrschaftliche Sitzmöbel diente Ludwig Mies van der Rohe verschiedene Scherenstühle. Diese klassische Bauart, die zuvor etwa schon von Friedrich Karl Schinkel aufgegriffen wurde, lässt sich zurückführen auf  den sogenannten kurulischen Stuhl (sella curulis), der schon den etruskischen Königen als Thron diente. Charakteristisch für Scherenstühle ist die namensgebende scherenartige Konstruktion ihres Gestells, die es ermöglicht den Stuhl zum Transport platzsparend zusammenzufalten. Zu Zeiten reisender Hofstaaten war es entscheidend, Möbel leicht transportieren zu können. Von dieser Mobilität leitet sich letztlich auch das Wort „Möbel“ her. Im Gegensatz zu diesen traditionellen Vorbildern sind die Scherenelemente beim Barcelona Chair seitlich angeordnet und um 90° gedreht – sie bilden gleichsam die Seitenwände des Sesselgestells. Beide Seiten sind an drei Punkten fest miteinander verbunden. Die beiden Flächen, die sich in den Zwischenräumen ergeben sind mit Lederbändern bespannt, die wiederum zwei Lederpolster aufnehmen und so Sitzfläche und Rückenlehne bilden. Ein besonderer optischer Reiz entsteht dabei durch den Kontrast des dynamisch geschwungenen Gestells mit den quaderförmigen, lederbezogenen Polstern. Die Sitzfläche ist leicht nach hinten geneigt, so dass sie den Nutzer automatisch in eine entspannte Sitzposition fallen lässt. Das Gestell des Barcelona Chair ist aus verchromtem Stahl konstruiert. Bei den ersten Exemplaren, die der Berliner Betrieb Metallgewerbe Josef Müller für den Barcelona Pavillon und die Villa Tugendhat anfertigte, waren die Stahlrahmen noch aufwändig von Hand gefertigt.

Als Ikone der Moderne ist der Barcelona Chair schon seit langem in der Ausstellung des Museum of Modern Arts in New York vertreten. Als hochpreisiges Statussymbol zählt er aber auch zu den am häufigsten plagiierten Möbeln überhaupt. Im Internet finden sich zahlreiche nicht lizensierte Nachbauten meist aus England, Italien oder China. Bei Markanto erhalten Sie natürlich nur das Original von Knoll International.