Leuchten von Knoll International

Zu unserer Ausstellung während der IDD Cologne stellen wir als Knoll Experten erstmalig das Leuchtenprogramm von Knoll International aus den 1950er und 60er Jahren vor. Die Idee dazu entstand durch einen kleinen Katalog mit dem Titel „Knoll International Lampen” aus dem Besitz der Firma Raumkunst Becher in Wuppertal (hier finden Sie die pdf-Datei) und dem 75jährigen Firmenjubiläum von Baltensweiler aus der Schweiz. Denn die Historie von Baltensweiler ist eng mit Knoll International verküpft (siehe unten).

Knoll Lamps in Amerika

Bereits in den frühen 1950er Jahren bietet Knoll Inc. in den Vereinigten Staaten zwei ausgewählte Leuchten an: die dreibeinige Tischleuchte Nr. 9 von Isamu Noguchi und die verstellbare Schreibtischleuchte Nr. 9 von Clay Michi (Abbildung oben). Beiden Leuchten finden sich auch im europäischen Katalog. Hinzu kommen später eine Tischleuchte mit Marmorfuß von Florence Knoll und ab 1974 eine Acrylleuchte Crylicord von Peter Hamburger als Tisch- und Stehleuchte. Zwei dieser seltenen Leuchten sind auch Exponat unserer Ausstellung. Zusätzlich importiert Knoll italienische Leuchten von Herstellern wie Arredoluce und Arteluce.

Knoll Lampen in Europa

In Europa geht Knoll International einen ähnlichen Weg. Es werden zwar auch die amerikanischen Modelle angeboten, aber darüberhinaus noch selbst Leuchten von jungen europäischen innovativen Designern angeboten. In dem deutschen Katalog steht dazu als Erläuterung:

Lampen

Ziel neuer Formgebung muß sein, die greifbare technische Konstruktion eines Gebrauchsgegenstandes zur gültigen Form zu bringen.

Moderne Beleuchtungskörper sind daher das Ergebnis von Bemühungen, eine ansprechende Form zu schaffen und die technischen Leistungen der künstlichen Beleuchtung zu verbessern. Der Entwerfer wird von den technischen Gegebenheiten und von den künstlerischen Empfindungen beeinflußt.

Indirekt beleuchtete große Flächen, wie Wände oder Decken, wirken heute nicht mehr befremdend, weder im eigenen Heim noch in öffentlichen Gebäuden. Durch breite Streuung des Lichtes im Raum wurde die Verwendung beweglicher Lichtquellen wesentlich gefördert. Die wichtigste Aufgabe dieser beweglichen Leuchtkörper ist die Konzentration der Lichtstrahlen auf den Punkt, an dem sie besonders benötigt werden.

Neue Grundstoffe und Produktionsmethoden haben die Gestaltung von Lampen ähnlich beeinflußt wie vile andere Gebrauchsgegenstände der industriellen Produktion, die uns heute umgeben. Knoll International bemüht sich, unter Entwürfen aus vielen Ländern die Modelle auszuwählen, die unseren hohen Ansprüchen auf Zweckmäßigkeit, gute Form, Qualität und angemessenen Preis weitgehend entsprechen.

Leuchten von Gino Sarfatti

Eine Überraschung ist die Stehleuchte 1063 von Gino Sarfatti im Katalog. Der italienische Designer entwarf diese innovative Leuchte mit einer damals neuen Leuchtstoffröhrentechnik im Jahr 1954 eigentlich für seine eigene Firma Arteluce. Bei Knoll hat das Modell den gleichen Modellnamen und den damals astronomischen Verkaufspreis von DM 460,00 (die anderen Stehleuchten liegen bei ca. DM 100,00 bis 120,00). Auch zwei verschiedene Wandleuchten von Gino Sarfatti finden sich im Katalog. Heute wird eine Auswahl der Arteluce Lichtklassiker von Flos und Astep, der Firma von Sarfattis Enkelsohn, hergestellt.

Leuchten von Baltensweiler

Dieses Jahr feiert die Schweizer Manufaktur aus Luzern das 75jährige Jubiläum. Gegründet wurde das Familienunternehmen von Rosemarie und Rico Baltensweiler, einer Innenarchitektin und einem Elektroingenieur, die für ihr eigenes Zuhause eine funktionale Leuchte brauchten. Die Leuchte sprach sich schnell herum. Befreundeten Architekten gefiel sie so gut, dass eine erste Serie von zehn Stück entstand, und ab 1951 fertigte das junge Atelier Kleinserien für die Zürcher Wohnbedarf AG. 1952 erscheint die Leuchte – Type 600 genannt – in der Zeitschrift „Bauen + Wohnen“, 1953 auf dem Titelblatt des Schweizer Warenkatalogs. Dadurch wird Knoll International auf Rico und Rosmarie Baltensweiler aufmerksam und nimmt die Stehleuchte 600 (als Modell 444) und die Tischleuchte 60 (als Modell 445) in das Sortiment auf.

1956 entdeckt auch Le Corbusier die Leuchte über „Knoll International“ für seine Musterwohnungen – in seinem „Oeuvre Compléte“ finden sich Innenaufnahmen mit der Baltensweiler-Leuchte. 1957 nahm Die Neue Sammlung in München die Stehleuchte in ihren Bestand auf, kurz darauf stellte die New York Times sie als Beispiel für modernes Design vor. Auch in den Knoll Showrooms fanden sich diese Leuchten in ganz Europa. Für einen hohen Bekanntheitsgard sorgte dann der Film  „Mon Oncle“ (Mein Onkel) von Jacques Tatis, wo die Stehleuchte prominent als Requisite Verwendung fand. Die Baltensweiler-Leuchten sind als Exponate aus der aktuellen Baltensweiler-Produktion in unserer Ausstellung zu finden.

Heute wird Baltensweiler in der dritten Generation als Familienunternehmen weitergeführt, Entwicklung, Konstruktion und Fertigung erfolgen weiterhin in Luzern. Das Jubiläum ist nicht nur Anlaß zum Rückblick, sondern auch ein klares Bekenntnis zur Zukunft. Neue Leuchten werden konsequent mit modernster LED-Technologie entwickelt und vereinen Innovation mit der klaren Formensprache von Baltensweiler. Langlebigkeit gehört dabei zum Grundprinzip: Reparierbarkeit wird bereits in der Entwicklung mitgedacht. Gleichzeitig hält das Unternehmen bewusst an der Produktion in der Schweiz fest, trotz des zunehmenden Drucks auf den Standort. Regionale Wertschöpfung, kurze Wege undhohe Fertigungsqualität bleiben zentrale Werte. „Seit 75 Jahren entwickeln wir Leuchten, die Menschen lange begleiten. Dieses Denken prägt uns bis heute und genau so wollen wir Baltensweiler auch in Zukunft weiterführen.” so Ria Baltensweiler. Eine umfangreiche Auswahl der Baltensweiler Klassiker und modernen Leuchten finden Sie bei Markanto.

Leuchten von Ruser & Kuntner

Im Knoll-Katalog sind ebenfalls verschiedene Stehleuchten von Ruser & Kuntner aus Weil am Rhein zu finden. Das Unternehmen wurde bereits im Jahr 1920 unter dem Namen Ruser & Nowak gegründet und produzierte anfangs vorwiegend Kunsthandwerk, das auf lokalen Kunstgewerbemessen und den bedeutenden Grassi-Messen in Leipzig präsentiert wurde. Erst bei der Herbstausstellung 1932 wurden erstmals Lampen angeboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte sich Ruser & Kuntner an der modernen Sachlichkeit. Um 1960 entwarfen Josef Kuntner und Hans-Jörg Walter dann ihre charakteristischen Steh- und Tischleuchten mit den typischen runden Schirmen aus Textil, Kunststoff oder Glasfaser. Eine Kunststoffabdeckung sorgte dabei meist dafür, dass das Licht nach oben abgeblendet wurde. Die Konstruktion basierte auf dünnen, verchromten Metallstangen, sodass der Schirm schnell und einfach nach oben oder unten justiert werden konnte. Am Boden sorgte eine schwarze Abdeckplatte für die nötige Stabilität der Leuchten.

Diese durchdachte und elegante Lichtlösung fand viele Nachahmer und wurde von Knoll International aufgenommen und vertrieben. 1962 wurden die Leuchten von Ruser & Kuntner in dem Buch „Lampen und Leuchten – Ein internationaler Formenquerschnitt” von Gerhard Krohn vorgestellt. Im Rahmen unserer Ausstellung zeigen wir eine Tischleuchte von Ruser & Kuntner mit einer ganz besonderen Provenienz. Uns ist es nämlich gelungen, ein einzigartiges Konvolut dieser Leuchten aus dem Deutschen Bundestag in Bonn zu erhalten. Die zehn Leuchten wurden von uns restauriert und überprüft und können im Rahmen unserer Ausstellung erworben werden. So erhalten Sie ein einmaliges Stück Zeitgeschichte der Bundesrepublik Deutschland als „Markanto Bundestag-Edition”.

Weitere Leuchten von Knoll International

Die Knoll-Pendelleuchte 291 mit ihrer charakteristischen Zugpendelfunktion ist in Auktionshäusern für Kunst und Design äußerst selten zu finden. Im Katalog wird sie in den Farben Schwarz und Weiß angeboten. Der Designer und Produzent sind bis heute unbekannt. Ebenso unbekannt ist die zylinderförmige Tischleuchte mit der Nummer 10 aus dem Knoll-Katalog, die auch als Wandleuchte fungieren kann.

Nach unserem Kenntnisstand wurden die Knoll-Leuchten bis in die 1970er Jahre angeboten. Heute werden in Europa keine Leuchten mehr von Knoll produziert oder vertrieben. 

Ausstellungsort: Markanto Depot, Mainzer Straße 26, 50678 Köln-Südstadt

Öffnungszeiten im Rahmen der IDD Cologne: 
Samstag, 24. Oktober, 11.00 bis 19.00 Uhr
Montag, 26. Oktober bis Freitag 30. Oktober 14.00 bis 19.00 Uhr
Samstag, 31. Oktober, 11.00 bis 19.00 Uhr

Ausstellungseröffnung: Freitag, 23. Oktober, 19.00 Uhr

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!