Zur Geschichte des Hauses Melchior
Unser Büro befindet sich im Kölner Kunibertsviertel in direkter Nähe zur Musikhochschule und zur Basilika St. Kunibert, die zu den zwölf romanischen Kirchen Kölns zählt. Das Haus wurde 1960 erbaut und hat eine Fassade im Stil der 1950er Jahre mit einem spektakulären Bleiglasfenster im Treppenhaus.
Die drei Krönchen über dem historischen Schild mit dem Markanto-Schriftzug weisen einerseits auf die drei heiligen Könige Kaspar, David und Melchior hin, deren Gebeine sich im Kölner Dom befinden sollen. Gleichzeitig war Melchior auch der Name der Glasmalerei, die früher in unseren Räumen ihren Sitz hatte.
1961 zog die Glasmalerei Franz Melchior von der ursprünglichen Adresse „Im Klapperhof” in den Neubau „An der Linde". Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs benötigten viele Kirchen in Köln und im Umland neue Kirchenfenster, die im Haus Melchior ausgeführt wurden. Zu diesem Zweck befand sich an der Nordseite zum Innenhof ein rund sechs Meter hohes Fenster, in dem die Bleiglasfenster zur Probe gehängt wurden. Die dazu notwendige Konstruktion kann man noch heute in unserem Büro begutachten, ebenso wie verschiedene Bleiglasfenster in unserem Garten.
Die Glasmalerei Franz Melchior blickt auf eine erstaunliche Vergangenheit zurück, denn sie ist Kölns älteste Kunstglasmalerei und Kunstglaserei. Das Unternehmen wurde im Jahr 1853 unter dem Namen „Glasmalerei Friedrich Baudri” gegründet. Dort absolvierte der junge Jacob Melchior von 1858 bis 1862 seine Ausbildung. Rund zehn Jahre später übernahm er die Firma zusammen mit seinem Bruder und führte sie unter dem Namen „Jacob & Carl Leop. Melchior, Fr. Baudris Nachfolger” in der Follerstraße 43 weiter. Die Manufaktur war recht erfolgreich und wurde mehrfach auf Handwerksmessen in Köln und München ausgezeichnet. 1880 erfolgte daher ein weiterer Umzug in die Zeughausstraße 13. Die Firma befand sich nun im historischen Römerturm.
Bedingt durch einen Brand erfolgte 1895 der nächste Umzug in die St.-Apern-Straße 35. Zwei Jahre später übernahm Sophia Melchior nach dem Tod ihres Mannes Jacob die Firma und führte sie unter dem Namen „Rheinische Kunstglasmalerei und Kunstglaserei Jacob Melchior, Ww” weiter. Gleichzeitig stieg der erst 15-jährige Franz Melchior in den Familienbetrieb ein. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1916 führte er den Betrieb weiter. Die Firma hieß nun „Rheinische Glasmalerei Melchior & Co.” und hatte ihren Sitz im Klapperhof 18.
Ende der 1960er Jahre starb Franz Melchior, sein Bruder Jakob Melchior wurde daraufhin Geschäftsführer. 1984 erfolgte die Übernahme durch Hermann Josef Nettekoven, der mit der Enkelin von Franz Melchior verheiratet war. In den 1980er und 1990er Jahren schrumpfte jedoch der Markt für Bleiglasfenster immer weiter, sodass die Glasmalerei Melchior GmbH 1996/97 endgültig geschlossen wurde. Anschließend wurden die Räume von einem Verlag genutzt. Seit 2016 befindet sich das Büro von Markanto in den historischen Räumen.
Im Keller wurden zahlreiche Entwurfszeichnungen aus der Zeit von Jakob Melchior und Hanns Kirchner gefunden (siehe Abbildung). Besonders die Entwürfe von Jakob Melchior im Stil der 1950er Jahre sind künstlerisch sehr gelungen. Auf der Internetseite der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V. konnten wir zahlreiche der Entwürfe in der Umsetzung als Kirchenfenster entdecken. Die Entwurfszeichnungen werden voraussichtlich von einem Kölner Museum übernommen, entweder vom Stadtmuseum oder vom Historischen Archiv des Erzbistums Köln.

Konvolut von Entwurfszeichnungen für Kirchenfenster aus de 1950er Jahren nach dem Entwurf von Jakob Melchior