Jubiläum eines dänischen Klassikers: Børge Mogensens Stuhl J39 wird 75 Jahre

Der 1914 in Ålborg geborene Børge Mogensen absolvierte zunächst eine Schreinerlehre, bevor er ab 1936 an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen Möbeldesign studierte. Dort lernte er unter anderem bei dem Architekten und Designer Kaare Klint, der als Gründungsvater des dänischen Designs gilt. Nach seinem Studium arbeitete Mogensen von 1942 bis 1950 als Leiter der Abteilung für Möbel bei der FDB. Dieses genossenschaftlich organisierte Handelsunternehmen, das heute noch mehrere dänische Supermarktketten betreibt, verfolgte das Ziel, hochwertige Produkte zu erschwinglichen Preisen anzubieten und damit weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich zu machen – eine Zielsetzung, die mit Mogensens Idealen perfekt übereinstimmte. Während seiner Tätigkeit für die FDB, nämlich von 1945 bis 1947 war er zusätzlich auch als Assistent bei seinem alten Lehrmeister Kaare Klint angestellt, der den Stil seines Assistenten nachhaltig beeinflusste. Im Jahr 1950 eröffnete Mogensen in Kopenhagen sein eigenes Designstudio und entwarf in der Folgezeit zunächst für verschiedene Auftraggeber, bevor er 1955 eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Hersteller Fredericia begann. Fredericia fertigt viele von Mogensens Möbeln noch heute und hat teilweise auch seine früheren Entwürfe ins Programm übernommen. Das gilt auch für den seit 1947 ununterbrochen hergestellten Stuhl J39, der ursprünglich für die FDB entstand.

Für den Entwurf des J39 orientierte sich Mogensen an verschiedenen Vorbildern und verarbeitete zahlreiche Einflüsse. Die Basis bildet dabei ein traditioneller Stuhltypus, der im Englischen als Rush Chair bezeichnet wird: ein aus Holz gefertigter Stuhl, dessen viereckige Sitzfläche durch eine Bespannung mit Binsenhalmen gebildet wird (Neben seiner geläufigeren Bedeutung im Sinne von „Eile“ oder „Ansturm“ ist „rush“ auch die englische Bezeichnung für Binsengewächse). Bei späteren Umsetzung von Rush Chairs wurde statt Binsenhalmen auch auf andere Gräser – wie etwa Schilf – oder auf Schnüre zurückgegriffen. Mogensen orientierte sich für den Stuhl J39 an einem speziellen Rush Chair, den sein Lehrmeister Kaare Klint 1936 für die Einrichtung einer Kopenhagener Kirche entworfen hatte und der bis heute unter der Bezeichnung Church Chair bekannt ist. Während bei Klints Church Chair noch drei Bugholzlatten die Rückenlehne bildeten, modernisierte Mogensen den Entwurf durch die Verwendung eines einzigen gewölbten Bretts aus formverleimtem Schichtholz als Rückenlehne. Auch nahm er sich – wie bei vielen seiner Entwürfe – die Möbelkunst der Shaker zum Vorbild. So gemahnen vier sichtbare Zapfen, die der Verbindung von Hinterbeinen und Rückenlehne dienen, an die Verbindungstechnik, die die Shaker bei ihren berühmten, zylindrischen Holzschachteln einsetzen.

Von solchen raffinierten Details abgesehen, ist der Stuhl J39 von ausgesprochener Einfachheit und vollkommen auf die notwendigen Bauteile eines nach handwerklichen Methoden gefertigten Stuhl reduziert: Vier senkrecht stehende Stäbe mit rundem Querschnitt bilden die Beine. Vier Kanthölzer bilden den Rahmen der sich nach hinten verjüngenden, trapezförmigen Sitzfläche, die mit Schnurgeflecht bespannt ist. Unterhalb der Sitzfläche verstärken Streben mit rundem Querschnitt und in der Mitte anschwellendem Profil die Konstruktion: Jeweils zwei Streben befinden sich an den Seiten, jeweils eine vorne und hinten, wobei letztere nicht auf derselben Höhe positioniert sind. Die Hinterbeine setzen sich oberhalb der Sitzfläche fort und nehmen an ihrem oberen Ende die ergonomisch geneigte Rückenlehne aus formverleimtem Schichtholz auf. Die schon erwähnten Zapfen fügen sich bündig in die Oberfläche der Rückenlehne ein. Fredericia bietet den Stuhl J39 in Buchen-, Eichen-, oder Nußbaumholz mit geseiften oder geölten Oberflächen an; außerdem ist eine schwarz lackierte Version aus Eichenholz verfügbar.

Zum 75-jährigen Jubiläum bietet Fredericia nun eine Anniversary Edition an, die sich besonders eng an den frühesten Exemplaren des Stuhls J39 orientiert. Der in hellem Eichenholz mit geölter Oberfläche ausgeführte Stuhl verwendet – anstatt dem aktuell üblichen Schnurgeflecht – wieder eine Sitzfläche aus Schilfgras. Das verwendete Gras stammt aus nachhaltigem Anbau und wird selbstverständlich von Hand gewebt. Die fertige Sitzfläche weist eine leicht grünliche Farbe auf, die sich über die Zeit – und bedingt durch Sonneneinstrahlung – jedoch abschwächt. Auf einer der oberen seitlichen Streben ist die Jubiläumsedition mit der Inschrift „75 Years Rush Seat Edition 2022“  versehen.

Während der 3 Days of Design, einem wichtigen Branchentreffen für die Welt hochwertiger Designmöbel, das jährlich in Kopenhagen stattfindet, zeigte Fredericia in seinem dortigen Showroom die Ausstellung „The People’s Chair“. Die Schau, die den Stuhl J39 zu seinem 75-jährigen Jubiläum ehrte, wurde von niemand geringerem als Jasper Morrison kuratiert (siehe Abbildung). Der britische Stardesigner, der den J39 als seinen Lieblingsentwurf von Børge Mogensen bezeichnet, stellte besonders die Einfachheit des J39 heraus. Laut Morrison ist dieser Stuhl die bestmögliche Fortentwicklung des traditionellen Rush Chair. Die Ausstellung zeigte verschiedene Exemplare des J39, die sich durch Variationen einiger Details, die sich im Laufe der langen Produktionsdauer ergeben haben, unterscheiden. Ein Highlight bildete ein Exemplar des J39, das – einer Explosionszeichnung ähnelnd – in seine Einzelteile zerlegt an eine Wand montiert war.

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