Studiokeramik von Ingeborg Zenker und Gerburg Karthausen

Eine kleine Entdeckung waren für uns diesen Sommer die ausgefallenen Keramiken des Studio ZK aus Solingen, von dem ein größeres Konvolut an Keramiken auf dem Radschlägermarkt in Düsseldorf angeboten wurden. Neben der Formgebung waren vor allem die ungewöhnlichen Glasuren der Keramiken einzigartig. Da uns das Studio ZK bisher unbekannt war, begannen wir eine Recherche. Dabei stellten wir schnell fest, dass unsere ehemalige Ansprechpartnerin für Design am MAKK Museum für Angewandte Kunst in Köln, Dr. Gabrielle Lueg, mit den beiden Keramikkünstlerinnen Ingeborg Zenker und Gerburg Karthausen befreundet war. Sie hatte bereits 1991 für eine Ausstellung in der Orangerie des Schlosses Benrath bei Düsseldorf einen umfangreichen Text erstellt, den wir hier zitieren dürfen:

ZK - zwei Temperamente mit Gemeinsamkeiten

Die beiden Keramikerinnen Ingeborg Zenker und Gerburg Karthausen, deren umfangreiches, in Jahrzehnten gewachsenes und gereiftes Werk hier in einer großen Ausstellung gewürdigt wird, haben, wie jeder guteKunsthandwerker, ihr Handwerk von der Pike auf gelernt.

Ingeborg Zenker, die ehemalige Waldorfschülerin mit von Kindheit an gefördertem, kreativem Spieltrieb, verbrachte ihre Lehrund Gesellenjahre 1942 bis 1952 bei dem Töpfer Richard Uhlemeyer in Hannover. Anschließend arbeitete sie in der Mülheimer Werkstatt von Sybille Karrenberg-Dresler, der Tochtes des berühmten Keramikers Paul Dresler. 1954 begann in derselben Werkstatt Gerburg Karthausen ihre Lehre. Die Gesellin Zenker wurde ihre Ausbilderin.

Gerburg Karthausen, die ursprünglich Musik studieren wollte, kam eher zufällig zur Töpferei, erkannte jedoch schnell, daß dieses Medium ihren Neigungen auf ideale Weise entsprach. Schon als Lehrling machte sie rasche Fortschritte und bewies von Anfang an große Begabung.

Begierig auf eine weiterführende Ausbildung, die - wie damals üblich - in der Werkstatt nicht geboten wurde, besuchten Zenker und Karthausen 1956 bis 1957 gemeinsam an der Krefelder Werkkunstschule ein Glasurseminar, genau zu jener Zeit also, die auf diesem Gebiet außerordentlich viele Neuentdeckungen brachte. Im Anschluß daran trat Ingeborg Zenker in die Firma Zippa-Klinker in Wermelskirchen ein, deren Keramische Werkstatt sie seit ihrer Meisterprüfung im Jahre 1960 verantwortlich leitete. Gerburg Karthausen absolvierte zunächst ein weiteres Gesellenjahr in der Firma Lenders am Niederrhein und wechselte schließlich 1958 ebenfalls nach Wermelskirchen.

Im Laufe der folgenden Jahre entstand der Wunsch nach einer gemeinsamen Werkstatt, um endlich - losgelöst von fremdbestimmten Zwängen und Einschränkungen - alle Energie in die. Entwicklung des jeweils individuellen Ausdruckstils lenken zu können. 1963 war es dann soweit, im alten Schleifkotten an der Wupper, unterhalb ihres jetzigen Hauses in Solingen-Wipperaue, wurde die Werkstatt ZK gegründet. Bereits zu Anfang dieser ersten zehn gemeinsamen Jahre gelang den beiden Künstlerinnen der Anschluß an die Elite der zeitgenössischen deutschen Keramikszene mit international anerkanntem Niveau. Ingeborg Zenker und Gerburg Karthausen wurden unter anderem mit dem angesehenen und bei Kunsthandwerkern begehrten Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Seit 1973 spielt sich das Leben und Wirken der beiden Künstlerinnen im eigenen Hause ab, wo sie jährlich zwei Ausstellungen vorbereiten, die großen, bang und freudig erwarteten Höhepunkte des Arbeitsjahres.

Zwei Künstlerinnen - zwei Charaktere:

Ingeborg Zenker ist die Impulsivere von beiden. Sie hat ständigneue Ideen und lebt permanent in dem Widerstreit, welche davon als erste realisiert werden soll. Hinzu kommt eine spontane Begeisterungsfähigkeit für überraschende Glasureffekte. Die meisten Gefäße und Vasenplastiken sind gedreht und anschließend durch Drücken, Einschneiden der Ränder und ähnliche Manipulationen verformt. Skulpturalere Objekte werden frei aufgebaut. Bei aller Vielgestaltigkeit ihres Oeuvres, gemeinsam ist den unterschiedlichen Formfindungen der Ausdruck von faszinierender Ruhe und Souveränität. Gerburg Karthausen ist vergleichsweise die ruhigere, methodischere Natur. Sie erarbeitet oft über lange Zeiträume hinweg einen bestimmten Gefäß- bzw. Dekorationstyp, wobei - wie in der Musik - das Thema so lange weitergetrieben und variiert wird, bis
Konzept und Form ideal übereinstimmen. Anders als Ingeborg Zenker, bevorzugt Gerburg Karthausen das spröde, überaus diffizil zu bearbeitende Porzellan. Ihre handgedrehten Porzellangefäße werden häufig durch rhythmisch gegliederte Staffelungen, Kerbungen und Einschnitte in ihrer Körperhaftigkeit betont.

Obwohl beide Töpferinnen denselben Steinzeugton verwenden,die gleiche Brenntemperatur von 1300 Grad fahren und selbstverständlich ein ständiger, reger Erfahrungsaustausch in Hinblick auf die technischen und künstlerischen Aspekte ihres Tuns das ebendige Miteinander fördern, entstand kein ZK-Stil. Ingeborg Zenker und Gerburg Karthausen fanden in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einer jeweils individuellen, unverwechselbaren Handschrift. Gemeinsam ist beiden Künstlerinnen ihre entschiedene Haltung in Hinsicht auf das Berufsethos, Kompromißlosigkeit und einaußerordentlich hohes Qualitätsbewußtsein.

Wir danken Frau Dr. Gabrielle Lueg für Ihre Erlaubnis zur Veröffentlichung.

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