The Birds: Eames House Bird versus Kölner Taubenschreck

Der Grundgedanke ist gleichermaßen einfach wie genial: Um lästige Tauben zu vertreiben, macht man sich ihre natürliche Angst vor räuberischen Rabenvögeln zu Nutze. Halten die Tauben eine Rabennachbildung für echt, kann man sicher sein, dass sie sich in der Nähe der Attrappe nicht blicken lassen. Das Prinzip ist nicht neu: schon um 1900 hatte Charles Perdewaus, der in Illinois Vogelfallen, Vogelscheuchen und ähnliches verkaufte, wohl eine solche Schreck-Krähe im Sortiment.

Die wohl von Perdewaus selbst entworfenen Vogelattrappen zeichnen sich dabei aber durch eine erstaunliche Eleganz und eine aufwändige Fertigungsqualität aus. Das fast schon skulptural anmutende Objekt ähnelt eher einer Taube als einer Krähe, ist aber auch keine naturalistische Nachempfindung dieses Vogels. Perdewaus ließ die Vogelattrappe aus hochwertigem Massivholz fertigen, was angesichts der unregelmäßigen Form nur in Handarbeit geschehen konnte. Die Beine seines eleganten Vogels bestehen aus schwarz lackierten Metalldrähten, die in den Holzkörper eingelassen sind. Der von Perdewaus entworfene Vogel ruht sicher auf seinen beiden Beinen und seiner Schwanzspitze.

Die bemerkenswerte Eleganz des Perdewausschen Holzvogels blieb auch Charles und Ray Eames nicht verborgen. Das Designerpaar, das die Mitte des 20. Jahrhunderts stilistisch prägte und zahlreiche technisch und ästhetisch innovative Produkte entwarf, verwendete eine solche Vogelfigur häufig als Dekorationsobjekt. Gemeinsam mit Volkskunstobjekten aus aller Welt zierte der elegante Vogel ein Regal im berühmten Eames House – jenem Wohn-und Atelierhaus im Villenvorort Pacific Palisades bei Los Angeles, das Charles und Ray Eames selbst entworfen hatten und als Wohn- und Arbeitsstätte nutzten. Auf zahlreichen Schnappschüssen der Eames, ist der Vogel im Hintergrund zu erkennen. Auch für Produktphotos ihrer Möbelentwürfe verwendeten die Designer die Holzskulptur als Requisit. So gelangte die einstige Nutzfigur zu Kultstatus und wurde als Eames House Bird bekannt. Anhand eines 3D-Scans des Originalobjekts aus dem Besitz von Charles und Ray Eames, nahm Vitra den Vogel wieder in Produktion und bietet die Wiederauflage aktuell für EURO 169,00 in Erlenholz oder für EURO 249,00 in Nussbaum an.

Die Kunststoffkrähe „Taubenschreck“ kommt wesentlich naturalistischer daher, was ihrer Aufgabe als Taubenscheuche sicherlich zuträglich ist. Sie ist als Hohlkörper aus Kunststoff gefertigt. Die Fertigungsqualität lässt zu wünschen übrig, denn an den Nahtstellen der zur Herstellung verwendeten Form sind deutliche Unsauberkeiten und überstehende Kunststoffreste zu erkennen. Anders als der Eames House Bird ruht die Kunststoffkrähe nicht auf ihrer Schwanzspitze, sondern steht naturgetreu auf ihren zwei Krähenfüßen. Aus Gründen der Standsicherheit ist hier zusätzlich eine kleine Plinthe nötig, die als integraler Bestandteil des Kunststoffvogels umgesetzt ist. Zusätzliche Ausschmückungen und Details – wie etwa die glänzenden Augen des Eames House Bird – sucht man beim Taubenschreck vergeblich. Die mäßige Verarbeitungsqualität der Kunststoffkrähe spiegelt sich jedoch auch im Preis wieder: Unser Exemplar kostete unter zehn Euro.

Das Fazit fällt klar aus. Der Eames House Bird ist ein Objekt mit faszinierender Geschichte, eleganter Formgebung und Charme. Zudem ist er in aufwändiger Weise und hoher Qualität gefertigt. Die Kunststoffkrähe eignet sich bestenfalls an Halloween als Dekorationsobjekt. Wie gut sich die beiden Figuren zum Vertreiben von Tauben eignen, haben wir nicht getestet...

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