50 Jahre Magis: ein halbes Jahrhundert italienisches Design
2026 feiert der italienische Möbelhersteller Magis sein 50jähriges Bestehen. Am 4. August 1976 gründete Eugenio Perazza das Unternehmen in Motta di Livenza, einer damals noch landwirtschaftlich geprägten Kleinstadt in Venetien. Der Name war von Anfang an Programm: „Magis“ ist Lateinisch und bedeutet „mehr“. Passend zum Jubiläum legt Magis sein Talisman, das Maultier Ettore von Konstantin Grcic, erstmals einer vergoldeten Version auf.
Das MAultier begleitet Magis seit Jahrzehnten. Eugenio Perazza sah in dem Tier, was er sich für sein Unternehmen wünschte: Es ist bescheiden, gibt nie auf, scheut keine steilen Wege und ist neugierig auf neue Pfade. Zum 40jährigen Bestehen 2016 bat er Konstantin Grcic, dem Symbol eine Form zu geben. So entstand Ettore, benannt nach dem homerischen Helden Hektor: ein Maultier aus massivem Gusseisen, rund 25 Zentimeter lang und 18 Zentimeter hoch, auf wenige klare Linien reduziert. Ettore ist Türstopper, Buchstütze und Skulptur zugleich.
Konstantin Grcic über seinen Entwurf: „Ettore steht da, wie er es immer getan hat: unbeweglich, geduldig, ohne Ansprüche. Erst jetzt wird es klar, dass das zählt, was Schritt für Schritt aufgebaut wurde. Nach fünfzig Jahren schreitet Magis weiter voran: unermüdlich und still stolz.”
Die neue Jubiläumsedition verwandelt das dunkle, schwere Gusseisen in etwas Festliches. Die 24 Karat vergoldete Oberfläche fängt das Licht ein und lässt die facettierten Flächen der Figur stärker hervortreten. Um den Hals trägt Ettore eine (abnehmbare) Kokarde, angelehnt an die Rosetten, mit denen in der Reittradition ausgezeichnete Tiere geehrt werden. Sie ist ein leiser Orden für fünfzig Jahre Beharrlichkeit. Auf der Design Week Milano im April 2026 stand der goldene Ettore im Mittelpunkt der Jubiläumsinstallation „Rooted in the Future“, in der Magis seine Ikonen aus fünf Jahrzehnten gleichberechtigt neben den Neuheiten präsentierte
Dass ausgerechnet ein Esel zum Firmensymbol wurde, passt zu Eugenio Perazza eigenem Weg. Er begann mit 15 Jahren zu arbeiten und war in der Exportabteilung eines italinischen Haushaltswarenherstellers tätig, als er den Designer Richard Sapper für eine Zusammenarbeit gewinnen wollte. Doch sein Chef lehnte ab, Perazza kündigte und machte sich mit 36 Jahren selbstständig. Die ersten Magis-Produkte waren bewusst alltäglich: ein Klapptisch, eine Trittleiter, ein Bügelbrett. Der Durchbruch für Magis kam 1994 mit Bottle, einem stapelbaren Flaschenregal von Jasper Morrison. Es folgten Entwürfe, die Magis international bekannt machten, etwa der Barhocker Bombo von Stefano Giovannoni der Air Stuhl von Jasper Morrison, später dann Arbeiten von Philippe Starck, Ronan und Erwan Bouroullec oder Thomas Heatherwick. Seit 2016 führt Alberto Perazza das Familienunternehmen, produziert wird bis heute in Italien.
Was Magis von anderen Herstellern unterscheidet, ist das Interesse an technischen Experimenten. Kaum ein Entwurf zeigt das so deutlich wie der Chair_One von Konstantin Grcic. Statt auf Kunststoff setzten Perazza und Grcic Anfang der 2000er Jahre auf Aluminiumdruckguss, ein Verfahren, das bis dahin vor allem für Stuhlbeine genutzt wurde. Nach vier Jahren Entwicklung entstand 2004 eine Sitzschale, die wie ein Fußball aus flachen, schräg zueinander gesetzten Flächen aufgebaut ist. Die offenen Zwischenräume prägen ihren Charakter: Der Stuhl wirkt weniger wie ein massives Möbel als wie eine Struktur, die in den Raum gezeichnet wurde. Anfangs als Experiment belächelt, ist er heute ein Designklassiker. Es gibt ihn stapelbar auf vier Beinen, drehbar oder auf einem Betonsockel, der ihm auch auf der Dachterrasse sicheren Stand gibt.
Im selben Jahr zeigte Magis, dass guter Entwurf keine Frage des Alters ist. Auf Perazzas Initiative entstand 2004 die Kinderkollektion Me Too, die Kindern eigene Formen statt verkleinerter Erwachsenenmöbel bieten soll. Einer der ersten Entwürfe ist die Seggiolina Pop von Enzo Mari: ein Stuhl, wie ihn ein Kind malen würde, aus geschäumtem Polypropylen, so leicht, dass Kinder ihn selbst tragen können, und ganz ohne scharfe Kanten. Zur Ikone der Kollektion wurde jedoch der Puppy von Eero Aarnio. Der finnische Designer, berühmt für seinen Ball Chair, entwarf einen Hund aus wenigen runden Formen, inspiriert davon, wie Kinder Hunde zeichnen. Ob Hocker, Spielzeug oder Skulptur, entscheidet, wer ihn benutzt. Aus wetterfestem Polyethylen gefertigt und in mehreren Größen bis zum XL-Format erhältlich, steht Puppy längst nicht mehr nur im Kinderzimmer, sondern auch auf Terrassen und in Museen, etwa im Kestner Museum in Hannover.
Dieser Weg wurde vielfach belohnt. Sechsmal erhielt Magis mittlerweile den Compasso d’Oro, Italiens wichtigsten Designpreis. Die erste Auszeichnung ging an Aarnios Kinderstuhl Trioli, 2020 wurde Eugenio Perazza selbst für sein Lebenswerk geehrt. Entwürfe von Magis gehören zu den Sammlungen von mehr als 35 Museen, darunter das MoMA in New York, das Victoria & Albert Museum in London und das Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Auch direkt vor unserer Haustür ist Magis vertreten: Das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) nahm 2022 den Bell Chair von Konstantin Grcic in seine Sammlung auf. Der Erfolg hat allerdings eine Kehrseite: Kaum ein Hersteller wurde so oft kopiert. Originale erkennen Sie am eingeprägten Magis-Logo.
Als Fachhändler für Designklassiker seit 1999 führen wir bei Markanto alle Produkte von Magis, vom Chair_One über den Puppy bis zu Ettore. In unserem Showroom in Köln beraten wir Sie gern persönlich und zeigen Ihnen, woran Sie ein Original erkennen.