60 Jahre Ball Chair von Eero Aarnio
Bereits 1963 entwickelte der finnische Designer und Architekt Eero Aarnio den Ball Chair – einen Sessel, der heute als Ikone des Space Age und der 1960er Jahre gilt. Mit seiner geschlossenen Kugelform stellte er einen radikalen Bruch zur traditionellen Sitzmöbeltypologie dar: Statt Offenheit und Repräsentation ging es um Rückzug, Abschirmung und eine neue Form von Intimität im Raum. Bis zur seriellen Produktion vergingen jedoch noch drei Jahre. Die vollständig runde Schale aus Fiberglas stellte Anfang der 1960er Jahre eine technische Herausforderung dar und musste vom finnischen Hersteller Asko umfangreich getestet werden. Erst 1966 war die Konstruktion ausgereift genug für die Markteinführung. Die erste Präsentation fand auf der Internationalen Möbelmesse in Köln statt, die damals als wichtigste Möbelmesse der Welt galt.
Die Resonanz der Presse war unmittelbar begeistert. Die Welt schrieb am 25. Januar 1966 über den neuartigen Kugelsessel: „Er stammt aus Finnland und wird bis zum 30. Januar auf der internationalen Möbelmesse in Köln gezeigt… Das von dem Architekten Eero Aarnio entworfene Möbelstück ist aus Kunststoff hergestellt, innen gibt es dicke bunte Schaumgummikissen.“ Besonders hervorgehoben wurde die Idee des Rückzugs: Der Ball Chair sollte es dem Menschen ermöglichen, sich selbst in überfüllten Flughafenhallen, auf dem Deck von Passagierschiffen oder im Garten und Wohnraum akustisch wie visuell abzuschirmen.
Damit verkörpert der Ball Chair nicht nur den Optimismus und die Materialexperimente seiner Zeit, sondern auch ein neues Verständnis von Wohnen: als persönlicher, temporärer Kokon innerhalb einer immer lauter und dichter werdenden Umwelt.