Eine Neuauflage zum Firmenjubiläum von Knoll: der Butterfly Chair mit edlem Filzbezug

Jorge Ferrari-Hardoy zählte zu den prägenden Architekten der frühen Moderne in Argentinien. Gemeinsam mit seinen Studienkollegen Juan Kurchan und Antonio Bonet verbrachte er einige Zeit in Paris. Dort arbeiteten die drei Argentinier für kurze Zeit im Architekturbüro von Le Corbusier. Zurück in Argentinien gründeten sie die Grupo Austral, einen Zusammenschluss von Architekten und Stadtplanern, der ähnlich eines Architekturbüros agierte, sich jedoch auch an verschiedenen Kongressen beteiligte und eine öffentliche Diskussion über zeitgenössische Architektur anregen wollte. Ab den späten 1930er Jahren trat Austral für die Ideen Le Corbusiers und die städtebaulichen Ideale der Congrès Internationaux de l’Architecture Moderne (kurz: CIAM) ein. Insbesondere seine Heimatstadt Buenos Aires, an deren Masterplan Austral mitwirkte, prägte Ferrari-Hardoy im Sinne des von Le Corbusier und der CIAM vertretenen funktionalistischen, modernen Städtebaus. Darüber hinaus entwarf das Büro zahlreiche Wohnbauten, Krankenhäuser und Schulen. Viele dieser Bauten wurden für den sozial schwachen Süden der argentinischen Hauptstadt geplant. Auf einem ehemaligen Hafengelände im Stadtteil Puerto Madero plante Austral eine Universitätsstadt.

Doch auch im Bereich des Möbeldesigns hinterließ Austral seine Spuren. Insbesondere ein Entwurf machte dabei Geschichte und zählt heute zu den Ikonen des Möbeldesigns. Der Sessel ist unter den Namen Butterfly Chair, Schmetterlingssessel, Fledermaussessel, BFK-Chair oder Hardoy Chair bekannt. Die Namen ergeben sich einerseits aus der Ähnlichkeit des Sessels zu einem Schmetterling oder einer Fledermaus, andererseits referenzieren sie die Designer. Der zuerst verwendete Name BFK-Chair setzt sich dabei aus den Initialen der Namen Bonet, Ferrari-Hardoy und Kurchan zusammen, denn bei der Vorstellung des Sessels wurden alle drei Austral-Architekten als Entwerfer des Sessels angegeben. Nachdem Bonet und Kurchan später jedoch klarstellten, dass Ferrari-Hardoy der eigentliche Urheber des Entwurfs ist, bürgerte sich außerdem die Bezeichnung Hardoy Chair ein.

Der Sessel folgt einem ungewöhnlichen Konstruktionsprinzip. Anstatt, wie üblich, eine Polsterung und einen Bezug auf ein Gestell aufzubringen, wird bei diesem Modell ein ungepolsterter Bezug hängemattenartig in das Gestell eingehängt. Auch das Gestell selbst überzeugt durch ästhetische Ausgewogenheit und technische Eleganz. Es besteht aus zwei zickzackartig gebogenen Stahldrähten, die an insgesamt vier Kreuzungspunkten miteinander verschweißt sind, und auf diese Weise eine stabile und formschöne Konstruktion bilden. Da der Bezug einfach mit taschenartigen Öffnungen auf dem Gestell eingehängt wird, ist auch ein eventueller Austausch, etwa wenn einmal ein Bezug verschlissen sein sollte, ausgesprochen leicht durchzuführen.

Der Butterfly Chair wurde der Öffentlichkeit erstmals im Jahr 1940 auf der Einrichtungsmesse Salon de Artistas Decoradores in Buenos Aires vorgestellt. Der Sessel erfreute sich sofort großer Beliebtheit und wurde schon im Folgejahr in die ständige Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen. Auch Hans Knoll wurde auf den charakteristischen Entwurf aufmerksam und das Unternehmen Knoll erwarb 1947 die Lizenz zur Herstellung des Sessels. Befeuert vom damals schon bedeutenden Renommée des Hauses Knoll, entwickelte sich der ohnehin schon beliebte Butterfly Chair bald zur Stilikone und verkaufte sich zu Tausenden. Mit dem großen Verkaufserfolg kamen jedoch auch die Nachahmer und bald schon gab es eine Vielzahl von Fälschungen auf dem Markt. Knoll ging juristisch gegen die Nachahmer vor, scheiterte jedoch vor Gericht. Ferrari-Hardoy und seine Kollegen hatten es versäumt, den Entwurf rechtlich zu schützen, und das Gericht befand den Butterfly Chair für gemeinfrei. Seither dürfen Nachbauten des Sessels vollkommen legal von jedem Hersteller angeboten werden. Knoll stellte nach dieser Schlappe vor Gericht die Produktion des Sessels wieder ein, wohingegen zahlreiche andere Hersteller das Modell seither fertigen und anbieten.

Das Gericht stützte seine Entscheidung auch darauf, dass der Butterfly Chair selbst wiederum auf einem älteren Entwurf basiert. Tatsächlich wurde das Konstruktionsprinzip eines hängemattenartig auf einem Gestell befestigten Sesselbezugs bereits 1877 von dem britischen Designer Joseph Fenby für den Faltstuhl Tripolina angewandt. Der patentierte Entwurf wurde von der italienischen Firma Viganó im libyschen Tripolis gefertigt und erfreute sich insbesondere an den italienischen Stränden in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts großer Beliebtheit. In den 1960er Jahren nahm sich kein geringerer als Vico Magistretti des Entwurfs an und überarbeitete ihn zu einer zeitgemäßeren Variante. Anders als beim Butterfly Chair besteht das Gestell der Tripolina jedoch aus Holz und ist dank mehrerer Gelenke platzsparend zu falten. Auch die optische Anmutung der beiden verwandten Stühle ist eine vollkommen andere. Insofern sei dahingestellt, wie sinnvoll die Entscheidung des Gerichts war.

Freuen können wir uns in jedem Fall über die aktuelle Neuauflage des Butterfly Chair aus dem Hause Knoll International. Denn anlässlich des 80. Firmenjubiläums bietet der in New York beheimatete Hersteller den Sessel nach langer Abstinenz wieder an. Obwohl man den Butterfly Chair in der Zwischenzeit in zahlreichen Varianten verschiedener Hersteller gesehen hat, sticht diese Anniversary Edition natürlich aus der Masse heraus. So gelingt es Knoll, dem altbekannten Entwurf mit einem neuen Bezugsmaterial einen vollkommen neuen Aspekt abzugewinnen. Anstatt wie sonst oft zu sehen mit Bezügen aus Leder, Leinen oder Synthetikgeweben, präsentiert sich die exklusive Neuauflage mit einem Bezug aus edlem Wollfilz, und verleiht dem Designklassiker so einen vollkommen neuen Look.

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