Fritz Hansen und Verner Panton: Eine vergessene Partnerschaft

Zum 100. Geburtstag von Verner Panton hat Fritz Hansen eine besondere Hommage geschaffen: die 3107 Panton Edition - vier leuchtende Farben aus Pantons ikonischer Farbpalette aus dem Jahr 1972, exklusiv für das Jahr 2026 neu aufgelegt. Diese Sonderedition erinnert nicht nur an das visionäre Werk Pantons, sondern auch an eine jahrzehntelange Zusammenarbeit, die heute fast in Vergessenheit geraten ist. Denn, obwohl die Möbel von Verner Panton heute meist mit anderen Herstellern verbunden werden, war Fritz Hansen einer seiner wichtigsten frühen Partner des Designers – und einer der wenigen, die seinen Mut zu Farbe, Experiment und radikaler Formensprache bereits in den 1950er‑ und 60er Jahren unterstützten.

Als Verner Panton in den frühen 1950er Jahren im Büro von Arne Jacobsen seine Laufbahn startete, befand sich die dänische Moderne im Aufbruch. Während Jacobsen die Ästhetik des rationalen Funktionalismus verkörperte, begann Panton schon damals, sich davon zu lösen. Seine spätere Zusammenarbeit mit Fritz Hansen fällt genau in diese Phase - eine Zeit, in der das moderne Wohnen neu gedacht wurde und Möbel zunehmend zu Experimentierfeldern des gesellschaftlichen Wandels wurden. Fritz Hansen erkannte früh das Potenzial dieses jungen Gestalters, der sich nicht mit einer Fortsetzung des Modernismus zufriedengab, sondern dessen Grenzen radikal überschritt.

Der Bachelor Chair, Mitte der 1950er Jahre als erstes gemeinsames Projekt gefertigt, zeigt dies eindrücklich: ein unkompliziertes, flach verpackbares Sitzmöbel, das entsprechend dem Zeitgeist einer jungen, mobilen Bevölkerung entsprach. Dass dieses Modell fast zwei Jahrzehnte im Programm blieb, unterstreicht die Rolle Fritz Hansens als Ermöglicher von Pantons frühen Erfolgen.

Nur wenig später folgte die Tivoli‑Stuhlserie, deren Stahlrohrkonstruktion dieselbe leichte Robustheit aufwies, die auch Pantons Bachelor Chair ausgezeichnet hatte. Für Fritz Hansen waren diese Entwürfe nicht bloß Produkte, sondern Zeichen einer Verschiebung im dänischen Design - hin zu einer gestalterischen Sprache, die Farbe, Atmosphäre und räumliche Wirkung als wesentliche Kategorien verstand. Diese Entwicklung kulminierte in den 1970er‑Jahren in Projekten wie Pantonova, einer modulartigen Drahtserie, die im Restaurant Varna in Aarhus erstmals öffentlich sichtbar wurde. Die visuelle Leichtigkeit des Drahtgeflechts, kombiniert mit kräftigen Polsterfarben und den unendlichen Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Module, spiegelten Pantons gesamträumliches Denken wider. Dass Fritz Hansen dieses ambitionierte System auf den Markt brachte, zeigt seine Bereitschaft, über traditionelle Möbelproduktion hinauszugehen und Räume als harmonische Gesamtsysteme zu verstehen.

Auch experimentelle Großformen wie der berühmte Living Tower oder das  Cloverleaf‑Sofa fanden ihren Weg in die Fertigung von Fritz Hansen. Diese Arbeiten, die in Visiona II 1970 ihren Höhepunkt erreichten, waren weniger Möbel als vielmehr organische Landschaften, die soziale Interaktion bewusst neu inszenierten. Dass Fritz Hansen sich auf derartige radikale Konzepte einließ, macht die Zusammenarbeit so einzigartig. Sie zeugt von einem Unternehmen, das zu jener Zeit nicht nur hochwertige Möbel fertigte, sondern aktiv an der Zukunft des Wohnens mitgestaltete. Selbst spätere Projekte wie das System 1‑2‑3 oder der Wire Cone Chair von 1988 zeigen das fortgesetzte Vertrauen zwischen Gestalter und Hersteller. Hier wurde industrielle Fertigung durch neue Methoden optimiert, ohne Pantons charakteristische Formensprache zu verwässern. Ein Beleg dafür, wie sehr die gegenseitige Wertschätzung den langen Zeitraum der Kooperation prägte.
Heute sind viele dieser Entwürfe nicht mehr bei Fritz Hansen im Programm, und im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit wird Panton stärker mit anderen Marken verbunden. Doch gerade deshalb ist die 3107 Panton Edition so bedeutend: Sie bringt eine historische Beziehung zurück ins Licht, die wesentlich zur Entfaltung einer der wichtigsten Designerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts beigetragen hat. Als Verner Panton 1972 zum 100‑jährigen Jubiläum von Fritz Hansen eine kühne Farbpalette für die Series 7™ entwickelte, verband er erstmals Jacobsens ikonische Form mit seiner eigenen farbintensiven Gestaltungssprache. Dass ausgerechnet diese vier Farben – Gelb, Orange, Rot und Braun – nun im Jahr 2026 erneut erscheinen, verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf eine Weise, die kaum symbolträchtiger sein könnte.

So schließt sich der Kreis: Die exklusive 3107 Panton Edition führt die Geschichte einer Kooperation fort, die einst zu den progressivsten des skandinavischen Designs gehörte. Sie erinnert daran, wie bedeutend der Beitrag von Fritz Hansen zur Entwicklung Pantons war, und zugleich daran, wie relevant Pantons Denken für die Gegenwart geblieben ist. Man sitzt, wie Panton sagte, immer am bequemsten auf einer Farbe, die man mag – und diese Edition lässt uns spüren, wie kraftvoll seine Farben noch immer wirken.

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