Neuheiten aus Mailand: Vitra beim Salone del Mobile

Ursprünglich entstand der Plastic Chair von Charles und Ray Eames 1948 als Beitrag für den Wettbewerb „International Competion for Low Cost Furniture“, der vom New Yorker Museum of Modern Art ausgeschrieben wurde. Um dem Anspruch gerecht zu werden, gutes Design zu erschwinglichen Preisen anzubieten, und somit einer breiten Masse zugänglich zu machen, setzten die Eames auf den neuen Werkstoff Plastik. Zwar eignet sich das Material gut für die industrielle Produktion, Sitzschalen waren bis zu diesem Zeitpunkt aber noch nie aus Kunststoff hergestellt worden, schließlich handelt es sich dabei um relativ große Teile, die im Gebrauch starken Belastungen ausgesetzt werden. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, mussten dem Kunststoff zur Verstärkung Glasfasern beigemengt werden. Das resultierende Material trägt umgangssprachlich den Namen Fiberglas und zeichnet sich durch die sichtbaren Glasfasern aus, die den im oberflächennahen Bereich minimal transparenten Kunststoff wie eine Maserung durchziehen und ihm optische Tiefe verleihen.

Doch Fiberglas hat nicht nur Vorteile. Erstens ist das Material nicht rezyklierbar, denn Kunststoff und Glasfasern lassen sich nachträglich nicht mehr voneinander trennen. Zweitens ist Fiberglas zwar ausgesprochen widerstandsfähig, sollte es – bei Missbrauch und extremer Belastung – aber doch mal brechen, werden feine Glaspartikel freigesetzt, die Augen, Haut und Atemwege reizen. Zwar treten beide Probleme nicht auf, solange ein Plastic Chair aus Fiberglas weder auf den Müll geworfen, noch mit roher Gewalt zerstört wird, um aber ganz sicher zu gehen, stellte Vitra die Produktion im Jahr 1993 ein. Wenige Jahre später folgte dann die Neuauflage des Klassikers in einem neuen Material. Seither werden die Plastic Chairs bei Vitra aus Polypropylen gefertigt, einem Kunststoff der erst seit dieser Zeit für Objekte dieser Größenordnung eingesetzt werden konnte. Polypropylen ist auch ohne zusätzliche Verstärkung den bei einer Sitzschale einzuhaltenden Stabilitätsanforderungen gewachsen, brachte aber auch eine subtile Veränderung des Erscheinungsbilds der Stühle mit sich – statt eine dezenten Maserung und oberflächliches Schillern aufzuweisen, sind die Plastic Chairs der neuen Generation vollkommen monochrom und opak.

Echte Liebhaber werden sich also freuen, dass Vitra demnächst wieder beide Materialvarianten anbietet und dem Kunden damit die frei Wahl zwischen Polypropylen und Fiberglas lässt. Unter dem Namen Eames Plastic Chair (EPC) wird dann weiterhin die Variante mit Sitzschale aus Polypropylen angeboten, während die wiederaufgelegte klassische Variante unter der neuen Bezeichnung Eames Fiberglass Chair (EFC) erhältlich sein und in sechs originalzeitlichen Farben angeboten werden wird, Sie haben also die Qual der Wahl.

Neben dieser spektakulären Wiederauflage stellte Vitra in Mailand aber auch eine waschechte Neuheit vor. Der Plate Dining Table nach einem Entwurf von Jasper Morrison ist ein Entwurf der Funktionalität und Ästhetik meisterhaft vereint. Mit seinem schlanken und stabilen Rahmen und eleganten, an den Ecken platzierten Beinen, wird der Esstisch allen Anforderungen gerecht und macht stets eine gute Figur. Erhältlich in verschiedenen Größen und Farben, sowie mit Tischplatten aus Massivholz, MDF oder Glas, fügt er sich darüber hinaus in jede Umgebung bestens ein. Damit ist auch der neueste Entwurf des wohl erfolgreichsten zeitgenössischen Produktdesigners ein „super-normales“ Objekt. Dieser Begriff, den Morrison gemeinsam mit Naoto Fukasawa prägte, beschreibt Gebrauchsgegenstände, die auf klassischen Typen basieren, jedoch durch subtile Veränderungen verbessert wurden und demzufolge nicht nur gut aussehen, sondern auch bestens ihre Funktion erfüllen.

Vielen weiteren Produkten gönnt Vitra ein frisches Outfit. So sind die Stühle und Sessel der von Charles und Ray Eames entworfenen Plywood Group nun auch in dunkel pigmentiertem Walnussholz, sowie in einem neuen Eschenholz-Naturton erhältlich. Der 1995 von Maarten van Severen entworfene .03 Chair wird ebenfalls in neuen Farben angeboten. Die Sitzschale des noch jungen Klassikers wird zukünftig zusätzlich in Mango, Mint und Dark Green angeboten – drei zeittypische Farben, die auf Van Severens Originalentwurf zurückgehen und dem Stuhl hervorragend stehen. Zu guter Letzt erhält auch das Polder Sofa von Hella Jongerius ein neues Kleid. Mit dem Stoffmix Pastel ist das Sofa ab sofort in einer ausgewogenen Farbzusammenstellung von sechs verschiedenen Pastelltönen erhältlich. Eines ist also auch im Jahr 2018 sicher: bei Vitra kommt keine Langeweile auf.

 

 

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