Ein Vorreiter der Postmoderne: Digamma von Ignazio Gardella

Neu bei Markanto ist der ungewöhnliche Sessel Digamma des italienischen Architekten Ignazio Gardella. Der Sessel wurde anfangs von Acuzena hergestellt. Diese Firma, die Gardella 1947 gemeinsam mit Luigi Caccia Dominioni gegründet hatte, zählt zu den ersten Herstellern, die sich auf hochqualitatives Autorendesign konzentrierten. Später übernahm Gavina die Herstellung des Sessels; seit 2005 wird das Modell mit den ungewöhnlichen Entenfüßen von Santa & Cole gefertigt.

Messingelemente der verstellbaren Armlehnen des Digamma

Erhältlich ist der Sessel Digamma bei Santa & Cole in Spanien heute mit zwei verschiedenen Textilbezügen, wobei auch die verstellbaren Armlehnen mit Stoff ummantelt sind. Optional ist auch der passende Fußhocker auf Anfrage erhältlich.


Über Ignazio Gardella

Der 1905 in Mailand geborene Architekt und Designer Ignazio Gardella begann seine Karriere mit einem Bauingenieursstudium am Politecnico di Milano, das er 1930 abschloss. Anschließend eröffnete er ein Architekturbüro und realisierte zahlreiche Bauten, teilweise noch gemeinsam mit seinem Vater Arnaldo Gardella, der ebenfalls als Architekt tätig war. Obwohl Gardella in dieser Zeit bereits große Projekte, wie etwa eine Tuberkuloseklinik in Alessandria bei Genua realisierte, gelang es ihm erst nach dem zweiten Weltkrieg, sich einen Namen zu machen. Gemeinsam mit Franco Albini und dem Studio BBPR gilt er als einer der wichtigsten Erneuerer der italienischen Baukunst nach der Zeit des Faschismus. Gardella erarbeitete etwa gemeinsam mit Albini, BBPR und zahlreichen weiteren Architekten und Stadtplanern den sogenannten Piano AR, einen Masterplan für den Wiederaufbau Mailands. Dieser Plan wurde 1944 vorgestellt und folgt dem internationalen Stil, wie er von Le Corbusier geprägt und auf den Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM) propagiert wurde. Obwohl der als Bauingenieur ausgebildete Gardella bereits als Architekt etabliert war, studierte er erneut und erwarb 1949 am Istituto Universitario di Architettura di Venezia das Diplom. In den 1950er Jahren erhielt Gardella große und prestigeträchtige Aufträge, etwa für die Mensa Olivetti, ein Verwaltungsgebäude am Firmensitz von Olivetti in Ivrea bei Turin, das von 1953 bis 1959 gebaut wurde.

Gegen Ende der Fünfzigerjahre löste sich Gardella von der strengen und dogmatischen Moderne der CIAM und begann, sich größere Freiheiten zu nehmen. Diese Entwicklung begann nicht mit einem Bauwerk, sondern mit einem Möbelstück: dem Sessel Digamma aus dem Jahr 1957. Die klare und strenge Grundform des Sessels setzt sich aus zwei Quadern zusammen, die Sitzfläche und Rückenlehne bilden. Gardella kontrastiert diese Grundform jedoch mit filigranen, verspielten Armlehnen. Die auffälligen Messingfüße des Sessels, die nicht ohne Grund als Entenfüße bezeichnet werden, brechen die Strenge des Entwurfs schließlich vollends. Scherzhafte Details wie diese wurden Jahrzehnte später zu einem Markenzeichen der Postmoderne. Aus heutiger Sicht wird Digamma damit zu einem frühen Vorläufer dieses Stils.

Auch in der Architektur entwickelte sich Gardella hin zur Postmoderne, was sich am deutlichsten am aufwändigen Wiederaufbau und der damit einhergehenden Erweiterung des Teatro Carlo Felice in Genua zeigt. Das 1990 fertiggestellte Projekt plante Gardella gemeinsam mit Fabio Reinhart, Angelo Sibilla und Aldo Rossi. Rossi – ein Schüler Gardellas – wurde zu einem der bedeutendsten Entwerfer der Postmoderne.

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