Mit Toiletpaper zurück in die Siebziger!

Der 1960 in Padua geborene Maurizio Cattelan zählt zu den namhaftesten Künstlern der Gegenwart. Bekannt ist er für seine lebensecht wirkenden Figuren, mit denen er skurrile, komische und provokante Situationen inszeniert. Aufsehen erregte Cattelan etwa mit der Installation La Nona Ora von 1999, die Papst Johannes Paul II. von einem Meteoriten zu Boden gestreckt zeigt. 2001 stellte er das Werk Him vor, eine fromm kniende Darstellung von Adolf Hitler, die zunächst im Warschauer Ghetto ausgestellt war und 2016 für die Rekordsumme von 17,2 Millionen Dollar versteigert wurde. Schlagzeilen machte Cattelan auch mit dem Werk America, einem voll funktionsfähigen WC aus massivem Gold, das im Jahr 2016 in einem Toilettenraum des New Yorker Guggenheim Museums installiert und in Betrieb war. Als im darauffolgenden Jahr das Weiße Haus beim Guggenheim Museum anfragte, ob man Vincent van Goghs Gemälde „Landschaft mit Schnee“ für die Wohnräume des neu ins Amt eingeführten Präsidenten Donald Trump leihen könne, antwortete die zuständige Kuratorin Nancy Spector höflich aber bestimmt, das Gemälde könne leider nicht verliehen werden und bot ersatzweise Cattelans goldene Kloschüssel an.

Cattelan arbeitete erstmals 2009 für eine Photostrecke im Art Issue des W Magazine, für das Linda Evangelista vor der Linse stand, mit dem italienischen Photographen Pierpaolo Ferrari zusammen. Der 1971 in Mailand geborene Ferrari erlangte im Jahr zuvor große Aufmerksamkeit als er Lady Gaga für die L’Uomo Vogue ablichtete. Darüber hinaus photographierte Ferrari auch Titelseiten und Photostrecken für Magazine wie Wallpaper, Elle oder das New York Times Magazine und nahm Werbemotive für Maison Kitsuné oder die Airline Allitalia auf.

Im Jahr 2010 gründeten Cattelan und Ferrari gemeinsam das zweimal jährlich erscheinende Magazin Toiletpaper, das in Kooperation mit der Stiftung DESTE herausgegeben wird. Die bildgewaltige Veröffentlichung bedient sich eines unverwechselbaren Stils, der zwischen den Welten der Kunst, der Mode und der Werbung oszilliert: skurrile, surreale und ironische Inszenierungen in grellen, stark gesättigten Farben. Die oft vor monochromen Hintergründen komponierten Photographien kreisen dabei mit Vorliebe um zwei Themen: Essen und Sex.

Doch das Toiletpaper-Universum blieb nicht lange auf das Magazin beschränkt. Cattelan und Ferrari arbeiteten unter dem Namen Toiletpaper bald auch für externe Auftraggeber, so trugen Sie etwa 2012 ein Bildmotiv zur Kunstausstellung im öffentlichen Raum entlang der New Yorker High Line bei. Große Aufmerksamkeit brachte ihnen ein Auftrag von Kenzo. Für das japanische Modelabel nahmen sie eine Reihe von Werbemotiven auf, für die die oscarnominierte Schauspielerin Rinko Kikuchi posierte. Auch für Vice oder das Zeit Magazin photographieren Toiletpaper immer wieder Titelmotive. Im Sommer 2016 kuratierten sie eine Ausstellung im Pariser Kaufhaus Galeries Lafayette.

In dem Projekt „1968“ setzen sich Cattelan und Ferrari mit den Radical Design Objekten aus der weltbekannten Kunstsammlung des zypriotischen Unternehmers Dakis Joannou, der gleichzeitig auch Stifter von DESTE ist, auseinander. Die Einrichtungsobjekte dieses grellen und ironischen Stils, der um 1970 in Italien entstand, fügen sich hervorragend in die für Toiletpaper typischen Photoinszenierungen ein und fügen diesen eine neue Dimension hinzu. In einer Kooperation mit dem italienischen Möbelhersteller Gufram, der mit der Entwicklung eines Fertigungsverfahrens für Möbelstücke aus kaltgeschäumtem Polyurethan einen wichtigen Beitrag zum Radical Design leistete und auch heute noch viele Klassiker dieses Stils im Programm hat, bieten Toiletpaper nun auch eigene Möbelentwürfe an, die dem Geist des Radical Design verpflichtet sind, und erweitern damit die Toiletpaper-Produktwelt erneut.

Für Gufram entwarfen Maurizio Cattelan und Pierpaolo Ferrari zwei Sitzmöbel: einerseits den Hocker The End (in zwei Varianten), der die Form eines fast comichaft vereinfachten Grabsteins hat, und damit als Memento Mori fungiert, andererseits das Objekt Soap in Form eines übergroßen, angebissenen Stücks Seife, das Stolz die Prägung „Toiletpaper“ zur Schau trägt. Darüber hinaus ersannen die Macher von Toiletpaper, die auch für andere Möbel aus dem Portfolio von Gufram Produktphotos in ihrem typischen Stil aufnehmen, eine neue Variante eines absoluten Klassikers. Die – ebenfalls von Gufram hergestellte – Garderobe Cactus, die 1972 von Guido Drocco und Franco Mello entworfen wurde, und wohl zu den bekanntesten Objekten des Radical Design zählt, versahen sie kurzerhand mit zwei übergroßen Hühnereiern, und beseitigten bei dem ohnehin schon phallischen Objekt somit jeden möglichen Zweifel an seiner Zweideutigkeit. Unter dem Namen Cactus God ist diese Kreation nun ein fester Bestandteil im Programm von Gufram und verkörpert wie kein anderes Objekt das Anknüpfen an die im Radical Design gelegten Anfänge.

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