Sixties-Feeling mit Rosenthal und Emilio Pucci

Der 1914 geborene Emilio Pucci entstammte einem florentinischen Adelsgeschlecht und trug den Adelstitel Marchese di Barsento, der einem Markgrafen entspricht. Er studierte zunächst in Mailand und war ab 1934 Mitglied der italienischen Ski-Nationalmannschaft; 1936 nahm er an den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen teil. Seine Fähigkeiten auf den Ski brachten ihm außerdem ein Stipendium des Reed College in Oregon ein, wo er nicht nur den Masterabschluss in Sozialwissenschaften erlangte, sondern auch Rennanzüge für die Skimannschaft des College entwarf. Während des zweiten Weltkriegs kämpfte er als Bomberpilot in der italienischen Luftwaffe und erlangte 1941 an der Universität von Florenz den Laurea-Abschluss in Politikwissenschaften.

Durch seine adlige Abstammung war Emilio Pucci Teil der italienischen High Society und pflegte eine enge Freundschaft mit Edda Ciano, der ältesten Tochter des Diktators Benito Mussolini und Ehefrau des Grafen Galeazzo Ciano, der ab 1936 als Außenminister des faschistischen Regimes fungierte. Als dieser 1943 jedoch den Glauben daran verlor, dass die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg noch gewinnen können, und gegenüber den Alliierten kapitulieren wollte, kam es zum Bruch mit Mussolini. Im Januar 1944 wurde Galeazzo Ciano hingerichtet. Edda Ciano, die sich sowohl bei ihrem Vater als auch bei Hitler vergeblich für eine Begnadigung eingesetzt hatte, floh daraufhin aus Italien. Behilflich war ihr dabei Emilio Pucci gemeinsam mit der deutschen Spionin Hilde Beetz. Unter dem Tarnnamen Felizitas sollte diese Galeazzo Ciano ausspionieren und dessen Tagebücher in ihren Besitz bringen. Sie entwickelte sich jedoch zur Vertrauten Edda Cianos und verhalf ihr als Doppelagentin zur Flucht. Mit dem Fiat 500 ihres Vaters erreichte Edda Ciano die rettende Schweiz – im Gepäck die Tagebücher ihres Mannes, die sie später an die Alliierten übergab.

Nach dem Krieg arbeitete der weiterhin bestens vernetzte Tausendsassa Emilio Pucci zunächst als Skilehrer im piemontesischen Sestriere. Über den Skisport gelang ihm auch sein Durchbruch in der Welt der Mode. Als Autodidakt hatte er für eine Freundin Skikleidung entworfen, die im Dezember 1947 – photographiert von Toni Frissell – in der Zeitschrift Harper’s Bazar präsentiert wurde. Ermutigt von den positiven Reaktionen der Leser aus den USA, eröffnete Pucci eine Boutique in Canzone del Mare auf Capri – einem Hotspot des internationalen Jetsets. Als Pionier der italienischen Modebranche präsentierte Pucci seine Entwürfe 1951 in Florenz auf der ersten jemals in Italien veranstalteten Modenschau.

Emilio Puccis Boutique auf Capri entwickelte sich zur Keimzelle eines Modehauses, das bald auch Geschäfte in Rom, Florenz, Montecatini und auf Elba unterhielt. Pucci wurde bekannt für einen lebensfrohen Stil, der einfache und zugleich elegante Schnitte mit kräftigen Farben und lebendigen Mustern kombinierte. Da diese Muster oftmals als Aufdrucke umgesetzt waren, erhielt Pucci bald den Beinamen „Prince of Prints“. Seine Mode erfreute sich nicht nur in Europa sondern auch in den USA großer Beliebtheit und wurde von Stars wie Sophia Loren, Grace Kelly und Jacqueline Kennedy getragen.

Emilio Puccis Beliebtheit in den USA brachte ihm 1965 einen Auftrag der Braniff International Airways ein. Diese hatte über eine Werbeagentur zunächst Alexander Girard mit der Entwicklung einer neuen Corporate Identity beauftragt. Mitten im Jet Age sollte das neue Erscheinungsbild Braniff als zeitgemäße und jugendliche Marke etablieren. Ein Flug mit Braniff sollte nicht nur den Zweck der Fortbewegung erfüllen, sondern an sich schon Spaß machen. Alexander Girard überarbeitete fast alle Aspekte und Objekte die mit Braniff in Verbindung stehen: von der graphischen Gestaltung der Flugtickets über die Lackierung der Flugzeuge und die Bezugsstoffe der Sitze bis hin zum Zuckertütchen, das an Bord zum Kaffee gereicht wird. Mit dem Entwurf der Uniformen für die Stewardessen beauftragte er Pucci. Dass sich diese nun in modischen Outfits präsentierten anstatt in Uniformen, die eher an Ordnungshüter denken lassen, war Ausdruck eines Paradigmenwechsels im Flugverkehr: Komfort, Stil und Extravaganz standen nun im Mittelpunkt einer jeden Flugreise. Für seine farbenfrohen Uniformen erdachte Pucci diesem Gedanken entsprechend ein Gimmick, das heutige Feministinnen auf die Barrikaden treiben würde: den Air Strip. Die Outfits der Stewardessen bestanden aus einem Mantel und einem transparenten Regenschutz, der an einen Weltraumhelm erinnert, einem Blazer und einem Wickelrock, einem Kleid, sowie einem bikiniartigen Zweiteiler. Während Mantel und Regenhelm nur für die Verwendung außerhalb des Flugzeugs vorgesehen waren, trugen die Stewardessen alle anderen Kleidungsstücke zu Beginn eines Flugs in Lagen übereinander. Im Laufe des Flugs legten sie allmählich Lage um Lage ab, bis sie, am Zielort angekommen, die Fluggäste schließlich nur noch im Zweiteiler verabschiedeten. Zahlreiche Bilder dieser extravaganten Steardessen-Uniformen finden Designinteressierte hier.

Neben seiner Tätigkeit für Braniff, nahm Emilio Pucci gelegentlich auch andere externe Aufträge an. Diese umfassen etwa seine Porzellanentwürfe für Rosenthal oder auch das Logo der Apollo 15 Mission, das er für die NASA entworfen hat. Pucci wurde 1982 als Cavaliere del Lavoro ausgezeichnet. Der Ehrentitel wurde 1901 vom italienischen König Vittorio Emanuele III ins Leben gerufen und ist Persönlichkeiten vorbehalten, die sich um die italienische Industrie besonders verdient gemacht haben. Seit Emilio Puccis Tod im Jahr 1992, wird das Modehaus von seiner Tochter Laudomia geführt, die bereits seit 1985 im Unternehmen tätig ist.

Die nun von Markanto präsentierten Neuauflagen von Puccis Entwürfen für Rosenthal, sind typische Beispiele aus seinem Werk. Egal ob auf Textilien oder Porzellan, sind auch hier die vollflächig aufgebrachten, ausdrucksstarken Muster das stilgebende Gestaltungskriterium. Zur Auswahl steht das floral inspirierte Motiv „Palm Leaves“, das in zwei verschiedenen Farbvarianten entweder auf schlanken, zylindrischen Vasen oder auf flachen Schalen verfügbar ist, deren Grundrissfigur eine Annäherung von Kreis und Dreieck ist, sowie das abstrakte Motiv „Zadig“, das zahlreiche Assoziationen erlaubt und auf einer Vase oder einer flachen Schale angeboten wird.

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