Transparenz und Leichtigkeit: die Möbelkollektion von Muller Van Severen

Nach der ersten Einzelausstellung von Muller Van Severen, die im Jahr 2011 in der Antwerpener Galerie Valerie Traan gezeigt wurde, erhielt das Duo eine Einladung, im Folgejahr auf der Biennale Interieur in Kortrijk auszustellen. Unter dem Titel „Future Primitives“ galt es dort für Fien Muller und Hannes van Severen eine Ausstellungsfläche von 60 Quadratmetern zu füllen. Da sie zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Sitzmöbel im Programm hatten, entwarfen sie für die Ausstellung kurzerhand den sogenannten Duo Seat, damit die Ausstellungsbesucher Platz nehmen können.

Der Duo Seat zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus. Zunächst ist da die bemerkenswerte Anordnung der Sitzenden: Neben einem eher aufrechten Sitz befindet sich – um 90 Grad gedreht – ein zweiter liegestuhlartiger Sitz, dessen Kopfende sich an den aufrechten Sitz anfügt. Die klischeehafte Sitzsituation einer Gesprächstherapie ist hier gleichsam in einem einzigen Möbelstück kondensiert. Zum Anderen ist auch die technische Umsetzung des Duo Seat aufsehenerregend: Getragen von einem schlanken Stahlgestell, verzichten die eigentlichen Sitze vollständig auf eine Polsterung und bestehen lediglich aus hängemattenartig eingehängten Leinentüchern. Das Resultat bietet einen erstaunlich guten Sitzkomfort, denn die Maßverhältnisse zwischen Armlehnen, Aufhängungspunkten und Abmessungen des Tuchs sind sorgfältig abgestimmt. Der größte Vorteil dieser Konstruktionsweise ist jedoch ihre optische Leichtigkeit, Transparenz und Klarheit. Auf diese Weise wird vermieden, dass der Raum vollgestopft erscheint. Obwohl der Duo Seat einiges an Fläche beansprucht, verdeckt er den Hintergrund kaum. „Wir mögen es nicht, den Raum mit Möbeln regelrecht zu bedecken“, gibt Hannes van Severen zu Protokoll.

Nachdem der Duo Seat innerhalb kürzester Zeit Ikonenstatus erlangte, ergänzten Muller und Van Severen die Kollektion nun um zwei Sessel, die demselben Konstruktionsprinzip folgen. Da ist einerseits der annähernd würfelförmige Solo Seat und andererseits der Rocking Chair, der nicht nur eine etwas horizontalere Sitzposition aufweist, sondern durch die konvexe Ausformung der unteren Rahmenrohre auch als Schaukelstuhl funktioniert. Neu gegenüber dem Duo Seat ist auch die Verwendung einer Lederbahn anstatt des ursprünglichen Leinentuchs. Hierfür wurde ein ungefärbtes Leder gewählt, dass über die Zeit nachdunkelt und eine schöne Patina entwickelt. Die meisten Varianten bietet dabei der Rocking Chair; er ist nicht nur wahlweise auch mit dem bewährten Leinentuch erhältlich, sondern wird auch mit einem Gestell angeboten, das anstatt aus robustem pulverbeschichtetem Stahl aus unbehandeltem Messing besteht und so seinen ganz eigenen schroffen Charme verbreitet.

Für einen weiteren Teil der Möbelkollektion widmeten sich Fien Muller und Hannes van Severen ganz dem Material Aluminium und erkundeten verschiedene Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung. Ein Möbelstück von bemerkenswerter Einfachheit ist der runde Alu Beistelltisch, der sich aus nur drei Formen zusammensetzt: zwei kreisförmige Platten und ein zylindrisches Tischbein. Alle drei Teile bestehen aus Aluminium, wobei keine sichtbaren Schweißnähte zurückgelassen werden. Der Tisch wird mit einer Hammerschlaglackierung in klassischem Blau oder Grün angeboten. Diese sonst bei industriellen Anwendungen übliche Oberflächenbehandlung ist ausgesprochen robust  und weist eine Struktur auf, die hilft, kleine Imperfektionen zu verbergen. Alternativ ist der Tisch auch in rohem Aluminium erhältlich, wobei das Material mit einer Bienenwachsschicht vor Korrosion geschützt wird.

Die gleichen drei Oberflächen kommen auch bei dem wahlweise als Hocker oder Beistelltisch einsetzbaren Alu Square zum Einsatz. Das Möbelstück wurde ursprünglich zur Ausstattung der sogenannten Met Breuer konzipiert, eines dem New Yorker Metropolitan Museum of Art angegliederten Museumsbaus nach einem Entwurf von Marcel Breuer, das 2016 eröffnet wurde. Der Hocker setzt sich aus zwei rechteckigen Aluplatten zusammen, die aufrecht stehend miteinander X-förmig verschränkt sind, während eine dritte quadratische Platte die Tischplatte bildet. Die drei verwendeten Platten sind jeweils mit den vorgestellten Oberflächen blauer oder grüner Hammerschlaglack, sowie rohes mit Bienenwachs versiegeltes Aluminium versehen. Die Variation entsteht wie so oft aus der Kombination, denn welche Oberfläche für welche der Platten eingesetzt wird, unterscheidet sich bei den drei angebotenen Varianten.

Mit dem Alu Chair von valerie objects treiben Muller und van Severen das Variationsspiel vollends auf die Spitze. Der schlichte Stuhl weist ein minimalistisches Gestell aus rohem Aluminium auf, das diesmal nicht durch Bienenwachs, sondern durch einen UV-beständigen Klarlack geschützt ist, und sich somit auch für den Einsatz im Freien eignet. Sitzfläche und Rückenlehne sind ebenfalls aus Aluminium gefertigt und werden in einer Vielzahl von Farben angeboten. Neben den schon vorgestellten Hammerschlaglackierungen in Blau oder Grün, sind außerdem Pulverbeschichtungen in den verschiedensten Farbtönen erhältlich. Dabei werden Sitzfläche und Rückenlehne eines Stuhls teilweise in der Selben, teilweise in verschiedenen Farben beschichtet. Der Variantenreichtum ist also nahezu endlos.

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