100 Jahre Ettore Sottsass

Im vergangenen September hätte Ettore Sottsass seinen hundertsten Geburtstag feiern können. Der Architekt und Designer, der mit der Memphis-Design-Gruppe zu den tonangebenden Protagonisten der Postmoderne wurde, erblickte das Licht der Welt am 14. September 1917 in Innsbruck. Nachdem die Familie Ende der 1920er Jahre nach Turin umzog, studierte er am dortigen Politecnico di Torino Architektur und erwarb 1939 das Diplom. Durch den Zweiten Weltkrieg dauerte es jedoch bis 1946, bis Sottsass in Mailand schließlich ein Architektur- und Designbüro eröffnen konnte.

Ab den 1950er Jahren machte Ettore Sottsass sich zunehmend einen Namen als experimentierfreudiger Designer, der neuen Materialien gegenüber aufgeschlossen ist und dem es daran gelegen war, die Designsprache über den Stand der klassischen Moderne hinaus weiter zu entwickeln. So erkundete er ab 1957 als künstlerischer Leiter der italienischen Manufaktur Poltronova mit Vorliebe die Möglichkeiten des neuen Materials Fiberglas. Zur gleichen Zeit begann er eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Büromaschinenhersteller Olivetti. So entstand nach seinen Entwürfen der Computer Elea; 1964 entwarf Sottsass ebenfalls für Olivetti eines seiner bekanntesten und einflussreichsten Produkte: die Reiseschreibmaschine Valentine.

Ebenfalls ab den 1950er Jahren schuf Sottsass eine Reihe von Vasen und anderen Keramikobjekten für Bitossi. Sie setzen sich jeweils aus mehreren elementaren geometrischen Formen wie Zylindern oder Kugeln zusammen und zeichnen sich durch ihre farbenfrohen Glasuren aus. Damit prägen sie eine persönliche Handschrift, der Sottsass in den folgenden Jahrzehnten weitgehend treu blieb. In kleinen Auflagen entstanden ebenfalls für Bitossi die sogenannten Totems – an Türme oder Totempfähle erinnernde Keramikobjekte, die sich heute zu gefragten Sammlerobjekten entwickelt haben.

Ab den späten 1960er Jahren wurde Sottsass zunehmend von der Pop Art beeinflusst, was sich etwa in der 1966 von ihm gestalteten Einrichtung der Guglielmo Bar in Mailand zeigt. Seine unkonventionellen, farbenfrohen, humorvollen und teils auch ironischen Entwürfe wandten sich immer stärker gegen die vorherrschende Konsumkultur und die konventionellen Formen der klassischen Moderne. Dementsprechend lassen sich seine Entwürfe aus der Folgezeit – wie etwa der 1973 für Olivetti geschaffene gelbe Sekretärstuhl – der Stilrichtung des Anti-Design zurechnen.

Im selben Jahr entwarf Sottsass die von bd Barcelona angebotene Vase Shiva, die klar von einem Phallus inspiriert ist. Wurde sie zunächst noch in goldener Farbe angeboten, macht mittlerweile ein fleischiger Rosaton die ohnehin schon deutliche Anspielung unmissverständlich. Zum Jubiläumsjahr hat bd Barcelona nun eine streng limitierte Sonderedition in schwarzer Farbe aufgelegt. Markanto ist es gelungen, sich einige Exemplare zu sichern... 1980 schließlich gründete Ettore Sottsass gemeinsam mit anderen Architekten und Designern die Design-Gruppe Memphis in Mailand. Zu den Gründungsmitgliedern zählten unter anderen auch Matteo Thun und Michele de Lucchi. Die Gruppe rief das Ende des Internationalen Stils aus und wurde federführend für die Möbel- und Produktgestaltung der Postmoderne. Anstatt die Funktion und die konstruktive Ehrlichkeit in den Vordergrund zu stellen, sollten ihre Entwürfe die Emotionen ansprechen, Spaß machen und vielleicht sogar witzig sein. Dabei waren sie teils absichtlich vollkommen unfunktional. In den folgenden Jahren entstanden einige Objekte, die bis heute besonders stark mit dem Namen Ettore Sottsass verknüpft bleiben – allen voran der Raumteiler Carlton.

Gleich drei Mal gelang es Ettore Sottsass, den renommierten Designpreis Compasso d’Oro zu gewinnen: 1959 und 1970 mit den Entwürfen Elea und Valentine für Olivetti, sowie 1989 für das Besteck Nuovo Milano, das er für Alessi entworfen hatte. 1994 wurde er mit dem IF Design Award ausgezeichnet. Bereits 1976 widmete sich die Biennale von Venedig dem Werk von Ettore Sottsass; weitere Retrospektiven folgten 1994 im Centre Pompidou und 2007 im London Design Museum. Sottsass starb im Alter von 90 Jahren am Silvestertag 2007 in Mailand.

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