100 Jahre in zwölf Monaten: Alessi feiert Jubiläum

Im Jahr 1921 gründete Giovanni Alessi im piemontesischen Ort Omegna das Unternehmen Fratelli Alessi Omegna – oder kurz: FAO. Der unweit des Lago Maggiore gelegene Ort ist traditionell vom Handwerk geprägt und entwickelte sich im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert zu einem Zentrum der Metallwarenindustrie. So hatte bereits drei Jahre zuvor der mit der Alessi-Familie verschwägerte Alfonso Bialetti dort eine Fabrik zur Herstellung der von ihm erfundenen Espressobereiter gegründet. Alessi konzentrierte sich in den Anfangsjahren auf die Produktion von Messingknäufen und erweiterte das Sortiment bald auf Kannen, Nussknacker, Tabletts, Teesiebe, Zuckerdosen und ähnliche Objekte aus Messing, Kupfer und Neusilber. Teils wurden diese außerdem mit Nickel, Chrom oder Silber beschichtet.

Mitte der 1930er Jahre trat – nach einer Ausbildung als Industriedesigner – Giovannis Sohn Carlo in das Unternehmen ein. Er prägt das Unternehmen als Designer und war an zahlreichen Werksentwürfen beteiligt, die teilweise zu wahren Klassikern geworden sind – man denke etwa an den Drahtkorb 826.

Im zweiten Weltkrieg produzierte Alessi zunächst Motorenbauteile für den Flugzeughersteller Savoia Marchetti und Uniformabzeichen. Gegen Ende des Krieges belieferte das Unternehmen die amerikanische Armee mit einer großen Menge Suppenkellen. Zu dieser Zeit erahnte Carlo Alessi die zukünftige Dominanz von Edelstahl. Mit seiner Investition in neue Produktionsmaschinen, bewies er gutes Gespür, denn tatsächlich sollte Edelstahl in den folgenden Jahren im Bereich der Haushaltswaren verchromte oder versilberte Objekte weitgehend ablösen.

1945 trat auch Carlos elf Jahre jüngerer Bruder Ettore in das Unternehmen ein, das ab 1947 als Alfra firmierte – ein Kürzel für ALessi FRAtelli. Als technischer Direktor begründete Ettore im Jahr 1955 eine Tradition, die für die Zukunft des Unternehmens prägend war: Nachdem Carlo den Vater als Generaldirektor abgelöst hatte, zog er sich aus der Entwurfstätigkeit zurück. Ettore füllte diese Lücke, indem er mit externen Designern zusammenarbeitete. Den Anfang machten Kännchen und Schalen für den Hotelbedarf, die von den Architekten Carlo Mazzeri, Luigi Massoni und Anselmo Vitale entworfen wurden. Die externen Entwerfer wurden jeweils auch öffentlich genannt – so wurde Alessi zu einem Pionier des Autorendesigns.

Im Jahr 1970 begann Carlos ältester Sohn Alberto seine Karriere bei Alessi. Noch heute leitet er – gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern – die Firma. 1971 – also zum fünfzigjährigen Jubiläum – wurde der Name des Unternehmens erneut geändert. Seither firmiert es einfach unter Alessi. Ab den 1970er Jahren wird auch die Zusammenarbeit mit externen Designern immer wichtiger und die Designer werden prominenter. Besonders bedeutend waren dabei Achille Castiglioni, Ettore Sottsass, Richard Sapper und Alessandro Mendini. Castiglioni lieferte mit seinem 1970 entworfenen Aschenbecher ein Objekt, das ganz in der Tradition der klassischen Metallgegenstände von Alessi steht. Ein Detail jedoch ist raffiniert: als Zigarettenhalter fungiert eine Spiralfeder. Das ist einerseits praktisch zur Reinigung, andererseits ist es ein Beispiel der für Castiglioni typischen Readymades. Ähnlich geht auch Sapper vor, der für Alessi unter Anderem einen Wasserkessel entwarf. Die Besonderheit hierbei ist die Verwendung einer Stimmpfeife mit metallenen Stimmzungen, die – sobald das Wasser kocht – anstatt eines schrillen Pfeiftons einen angenehmen Zweiklang ertönen lässt.

Ettore Sottsass, der ab 1972 Entwürfe für Alessi lieferte ist genau wie Alessandro Mendini, der ab 1979 nicht nur als Designer sondern auch als Berater für das Unternehmen fungierte, Vertreter des Radical Design. Mendini prägte Alessi dadurch wie kein anderer externer Designer. Unter seiner Regie entstand eine Reihe von Haushaltsgräten, die Alessi gemeinsam mit Philips auf den Markt brachte. Außerdem lieferte er den Entwurf für den antropomorphen Korkenzieher Anna G, dem mittlerweile eine ganze Produktfamilie zur Seite gestellt wurde, und der sich zum Maskottchen des Unternehmens entwickelt hat. Auch als Architekt war Mendini für Alessi tätig und entwarf neben dem Mitte der 1990er Jahre gebauten Unternehmenssitz auch Verkaufsfilialen und Messestände.

Ab Ende der 1980er Jahre waren mit Aldo Rossi und Michael Graves zwei der bedeutendsten Architekten der Postmoderne als Designer für Alessi tätig. In jüngerer Zeit folgten Stararchitekten wie Zaha Hadid oder David Chipperfield. Abgerundet wird das Sortiment durch Neuauflagen historischer Entwürfe, etwa von der Bauhaus-Absolventin Marianne Brandt.

Zum 100. Jubiläum präsentiert Alessi nun die Values Collection, eine Sammlung von Neu- und Sondereditionen wichtiger Entwürfe aus der Unternehmensgeschichte. Beginnend im Mai 2021 wird ein Jahr lang jeden Monat ein weiterer Teil dieser Kollektion vorgestellt, wobei jeweils ein zentraler Wert von Alessi das Thema vorgibt. Gleich zu Anfang geht es dabei weit zurück, sogar bis vor die eigentliche Unternehmensgründung. Denn noch bevor Giovanni Alessi seine eigene Werkstatt aufmachte, war er als Drechsler tätig. Das Drechseln ist ein in der Region um Omegna verbreitetes Handwerk, und hat für die heute dort vorherrschende Metallindustrie den Grundstein gelegt. Schließlich ist das Fertigen von Metallteilen auf der Drehbank, dem Drechseln eng verwandt. So kam auch die in der Holzbearbeitung gewonnene Erfahrung Giovanni Alessi beim Drehen seiner ersten Messingknäufe zu Gute.

Um die Drechseltradition der Region neu zu beleben, kaufte Alessi im Jahr 1988 die Werkstatt Battista Piazza, deren Wurzeln bis ins Jahr 1865 zurückreichen und die damit die älteste Firma der Region ist. In der Folge entstand die Kollektion Twergi, für die Designer wie Andrea Branzi, Ico Migliore, Mara Servetto und Kuno Prey Holzobjekte entwarfen. Der Name Twergi – das deutsche Wort Zwerg ist mit etwas Phantasie herauszulesen – geht auf eine lokale Legende zurück. Demnach sind die Twergi kleine im Wald lebende Kobolde, die den Menschen entweder Streiche spielen oder ihnen heimlich behilflich sind. Milton Glaser lieferte mit dem Entwurf für die hölzerne Statuette eines solchen Zwergs ein Maskottchen für die Kollektion.

Das unbestrittene Highlight der Kollektion Twergi sind jedoch die Tischobjekte nach Entwürfen von Ettore Sottsass, die nun als Teil der Values Collection in veränderter Farbigkeit neu aufgelegt wurden. Centerpiece, Salz- und Pfeffermühle, Vorratsdose und Korkenzieher kommen in verspielten wulstigen Formen daher, die sich aus jeweils unterschiedlich lackierten Segmenten additiv zusammensetzen. Dominierten in der ursprünglichen Version warme Rot- und Gelbtöne, sind die Neuauflagen für die Values Collection vorwiegend in Gelb als Akzentfarben gehalten. Wir sind gespannt auf die weiteren Produkte der Alessi 100 Values Collection, die in den kommenden Monaten vorgestellt werden sollen.

 

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