Ganz in weiß: Herbert Hirches Barwagen im neuen Gewand

Herbert Hirche prägte die Designkultur im Deutschland der Nachkriegszeit entscheidend mit. Bekannt ist der 1910 geborene Architekt und Designer, der in Dessau und Berlin am Bauhaus studierte vornehmlich für seine Entwurfsarbeit für den Hifi-Hersteller Braun. Dort formte er in den 1950er Jahren zusammen mit Entwerfern wie Hans Gugelot, Otl Aicher und Dieter Rams einen unverkennbaren Stil, der sich durch klare Linien und einen teknoiden Charme auszeichnet.

Doch zu Herbert Hirches Werk zählen auch zahlreiche Möbel. Am bekanntesten ist dabei der Barwagen, den er 1956 für die Christian Holzäpfel KG entwarf. Im Februar stellten wir Ihnen diesen kantigen Klassiker bereits in aller Ausführlichkeit vor. Er besteht aus einer Rahmenkonstruktion aus verschweißten, pulverbeschichteten Stahlwinkeln. Die vier Beine des durch und durch rechtwinkligen Möbelstücks ruhen auf Rollen; zwei Böden aus Riffelglas dienen als Abstellflächen. Dabei weist der obere Boden eine Aussparung auf, die es ermöglicht, in diesem Bereich hohe Objekte – wie etwa Flaschen – auf dem unteren Boden so abzustellen, dass sie gegen Umfallen zusätzlich gesichert sind.

Vergleicht man den Barwagen mit seinen Zeitgenossen, massiven, meist hölzernen und aufwändig dekorierten Barschränken der 1950er Jahre, wird die fast schon industriell anmutende Klarheit von Hirches Entwurf überdeutlich. Dazu passt die Verwendung von Riffelglas, einem auch im industriellen Kontext oft zu findenden Material. Auch die Umsetzung eines Barmöbels als mobilem Wagen ist programmatisch. Sie fügt sich ein in das modernetypische Konzept des offenen Grundrisses und sorgt dafür, dass sich das Möbelstück für flexible Wohnsituationen eignet, in denen ein und demselben Raum vielerlei verschiedene Funktionen zukommen.

Schon im Jahr 2010, zu Hirches hundertstem Geburtstag, legte Richard Lampert den Barwagen neu auf. Zunächst wurde der Klassiker dabei ausschließlich in seiner ursprünglichen Farbe, nämlich Schwarz, angeboten. Nun erweitert Richard Lampert das Angebot um eine weiße Variante. Weiß zählt – am anderen Ende der Grauskala gelegen – genau wie Schwarz zu den sogenannten tertiären oder unbunten Farben und ergänzt die Strenge und Klarheit von Hirches Entwurf ebenso perfekt. Produziert wurde diese weiße Version des deutschen Klassikers bereits von Rosenthal in  den 1970er Jahren. Mit der zusätzlichen Farboption wird es nun noch leichter, den Barwagen dem persönlichen Geschmack und der bestehenden Einrichtung anzupassen. Zudem verleiht das weiße Kleid dem klassischen Möbelstück eine bisher ungekannte optische Leichtigkeit.

1959 gründete Herbert Hirche gemeinsam mit sieben weiteren Designern den Verband Deutscher Industriedesigner, als dessen Präsident er von 1960 bis 1970 fungierte; anschließend wurde er zum Ehrenpräsidenten des Verbands gewählt. An der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart lehrte er von 1952 bis 1975 als Professor für Innenarchitektur und Möbelbau. Von 1969 bis 1971 war er außerdem Rektor, und ab 1977 Ehrenmitglied der Akademie.

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