Neuheiten aus Mailand: Cassina beim Salone del Mobile

Die 1959 fertiggestellte Maison du Brésil in der internationalen Universitätsstadt von Paris wurde im Auftrag der brasilianischen Regierung zunächst von Lucio Costa geplant. Der Architekt führte zu dieser Zeit zahlreiche hochrangige Projekte im Staatsauftrag durch und war zusammen mit Oscar Niemeyer auch maßgeblicher Planer der neu angelegten Hauptstadt Brasilià. Gemeinsam verordneten Costa und Niemeyer dem Land, das zuvor vom spanischen Kolonialstil geprägt war, einen wiedererkennbaren, von tänzerischer Leichtigkeit bestimmten, der Moderne angehörenden Staatsstil. Für das Projekt in Paris kooperierte Lucio Costa mit Le Corbusier, der aufgrund der räumlichen Nähe zur Baustelle vor Ort natürlich viel enger involviert war. Entsprechend überließ Costa dem Schweizer im Laufe der Planungen weitgehend das Projekt, so dass das Ergebnis klar von Corbusiers Handschrift geprägt ist. Die Inneneinrichtung des Gebäudes, das primär als Studentenwohnheim dient, entwarf Le Corbusier gemeinsam mit Charlotte Perriand. Die oberste Maxime war dabei – wie so oft im Werk von Le Corbusier – die effiziente Nutzung des Wohnraums. Angesichts der mit 16 Quadratmetern knapp bemessenen Studentenwohnungen gewinnt dieser Aspekt nochmals zusätzlich an Bedeutung.

Kernstück der Zimmereinrichtung war ein Schrank, der auf drei seiner vier Seiten Zugriffsmöglichkeiten auf den Stauraum bietet und gleichzeitig eine Funktion als Raumteiler erfüllt, indem er den Wohn- und Schlafbereich vom Sanitärblock abgrenzt. Komplettiert wird die Zimmereinrichtung durch ein Bett, einen Schreibtisch, einen auch als Beistelltisch verwendbaren Hocker und – wichtig für Studenten – ein Bücherregal mit Wandtafel. Die minimalistischen Möbel sind überwiegend aus Massivholz gefertigt. Charakteristisch sind die farbigen Kunststoffschubladen, die sowohl im Schrank als auch am Schreibtisch zum Einsatz kommen und leicht entnommen und untereinander ausgetauscht werden können. Cassina bietet das vollständige Möblierungsset in einer originalgetreuen Wiederauflage an. Die Edition ist dabei auf 2 x 15 Exemplare streng limitiert, von denen sich Markanto bereits ein Set sichern konnte.

Unmittelbar mit dem Hocker für die Studentenzimmer der Maison du Brésil verwandt, ist auch eine weitere Neuauflage im Programm von Cassina: der Tabouret Nantes Rezé. Dieser ist ebenfalls wahlweise als Hocker oder Beistelltisch zu verwenden und besteht aus einem aus Holzbrettern gefügten, hohlen Quader mit Grifföffnungen in mehreren Seiten. Das ursprünglich 1952 für die Kinderzimmer der Unité d’habitation in Nantes Rezé konzipierte Möbelstück ist aus Birkensperrholz mit Eichenfurnier gefertigt und mit einer offenporigen, farbigen Lasur versehen. Dabei stehen die hellblauen Langseiten in klarem Kontrast zu den rotbraunen Stirnseiten und unterstützen somit den scharf konturierten und betont geometrischen Gesamteindruck des Hockers.

Auch die Wiederauflage des Taliesin 1 Sessels ist von klaren geometrischen Linien geprägt. Frank Lloyd Wright, epochemachender Architekt und Wegbereiter der Moderne, entwarf das Sitzmöbel 1949 für sein Wohn- und Atelierhaus Taliesin West in der Wüste von Arizona. Mit seinen großen Holzflächen, die in spitzen und stumpfen Winkeln aufeinander treffen, mutet der Sessel wie ein übergroßes Origamiobjekt an. Nachdem das Sitzmöbel zunächst nur in geringer Stückzahl für Frank Lloyd Wright selbst hergestellt wurde, nahm Cassina es von 1985 bis 1990 erstmals in Serienproduktion. Rund 30 Jahre später erfolgt nun die Wiederauflage, wobei der Sessel geringfügig verändert wurde. Um den Sitzkomfort zu verbessern, wurde die Neigung der Rückenlehne behutsam angepasst und es kommt eine dickere Polsterung zum Einsatz.

Den Reigen der Neu- und Wiederauflagen komplettiert schließlich der Stuhl Beugel, den Gerrit Rietveld 1927 für das Kaufhaus Metz & Co an der Amsterdamer Keizersgracht entwarf. Der Architekt und Designer, der die DeStijl Bewegung entscheidend mitprägte, schuf mit diesem Stuhl ein Objekt von beeindruckender Prägnanz. Charakteristisches Element sind dabei die Seitenteile des Gestells, die aus einem Stück Stahlrohr gebogen sind und die Silhouette des Stuhls gleichsam nachzeichnen. Dabei berührt das Stahlrohr den Boden nicht wie eine Kufe auf ganzer Länge, sondern lediglich an zwei Punkten, wodurch sich – unüblich für eine solche Konstruktionsweise – klar erkennbare Stuhlbeine ausbilden und der Seitenansicht optischen Reiz verleihen. Durch die Querverbindung der beiden Seitenteile entsteht das vollständige Stuhlgestell auf das sich wiederum eine durchgängige Sitz und Rückenlehne aus Formholz legt.

Zu guter Letzt verpasst Cassina dem noch jungen Klassiker Feltri eine Frischekur. Den Entwurf legte der ausgesprochen experimentierfreudige Designer Gaetano Pesce, der zeitweilig auch als künstlerischer Leiter von Cassina fungierte, 1987 vor. Nachdem Pesce bereits seit Anfang der 1970er Jahre verstärkt mit Kunstharzen arbeitete und zahlreiche Anwendungen für dieses Material entwickelte, verwendete er für die Möbelserie I Feltri, von der sich der Sessel bis heute der größten Beliebtheit erfreut, kunstharzgetränkten Filz für den tragenden Rahmen der Möbel. Der Filz wird durch die Kunstharzbehandlung zwar tragfähig, behält aber eine gewisse Modellierbarkeit. In Mailand stellte Cassina den Sessel nun in den sechs neuen Farben Pflaume, Petrolblau, Dunkelgrün, Nachtblau, Grau und Rosa vor. Angesichts so vieler Neuerungen gibt es bei Cassina im Jahr 2018 also viel zu entdecken.

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