Eine Schale mit Geschichte: Unikat von Marguerite Friedlaender

Marguerite Friedlaender ging 1919 an das Bauhaus in Weimar, wo sie als eine der wenigen Frauen in der Keramischen Werkstatt unter Gerhard Marcks in Dornburg tätig war. Nach der Schließung der Keramischen Werkstatt bedingt durch den Umzug des Bauhaus von Weimar nach Dessau ging Marguerite Friedlaender zusammen mit einigen weiteren Bauhäuslern an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle.

Dort wurde Marguerite Friedlaender nicht nur Leiterin der keramischen Abteilung sondern hatte auch die Möglichkeit, mit der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) eine umfangreiche Kooperation einzugehen. Diese Zusammenarbeit sorgte dafür, dass die Keramiken nicht mehr Einzelobjekte waren, sondern nun seriell in Porzellan hergestellt werden konnten, ein Ziel, das bereits schon am Bauhaus in Weimar angestebt wurde. 1929 wurde sie Leiterin der neuen Porzellanwerkstatt, die Leitung der keramischen Werkstatt übernahm hingegen ihr Mann Franz Rudolf Wildenhain, den sie noch am am Bauhaus in Dornburg kennen lernte.

Die Entwürfe für die KPM im Stil der sachlichen Moderne wie das Service Halle wurden Anfang der 1930er Jahre ein großer Erfolg für die Künstlerin, die Produktion erfolgte direkt in der Burg Giebichenstein (bei Markanto finden sie noch original KPM-Porzellan aus der Zeit mit dem Burg-Signet am Boden). Aber mit der Machergreifung durch die Nationalsozialisten war alles vorbei, Marguerite Friedlaender wurde wegen ihren jüdischen Glaubens gezwungen, die Burg Giebichenstein zu verlassen, gemeinsam mit ihrem Ehemann flog sie zuerst in die Niederlande, später in die USA. Ihre Entwürfe wurden von KPM weiter produziert, aber nun ohne die Namensnennung der jüdischen Künstlerin.

Ihre Nachfolgerin auf der Burg Giebichenstein wurde Erika Gravenstein, die bis weiter in die 1950er Jahre die Funktion als Leiterin der keramischen Abteilung inne hatte. Die große, reduzierte Schale war dabei ein Geschenk von Marguerite Friedlaender an ihre Nachfolgerin. Die Schale wurde später Bestandteil einer bedeutenden Bauhaus-Sammlung.

 

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