So wenig Design wie möglich: Hundert Jahre BRAUN

Im Jahr 1921 gründete der aus Ostpreußen stammende Ingenieur Max Braun in Frankfurt eine Werkstatt. Erstes Produkt seiner Firma war der Treibriemenverbinder „Trumpf“. Schon bald verlegte sich Braun auf die Fertigung von Rundfunkempfängern und entsprechenden Bauteilen. Er konstruierte erstmals 1923 ein Radio und belieferte in den Folgejahren seine Mitbewerber mit Komponenten, wie etwa Röhrensockeln. Ab 1933 bot BRAUN mit den Modellen „Mozart 2“ und „Edelsuper“ komplette Radiogeräte an und zählte ab 1936 zu den ersten Herstellern, die Radio und Plattenspieler in einem Gehäuse zu einem Kombigerät vereinten.

Im Zweiten Weltkrieg fertigte das Unternehmen Funkgeräte für die Wehrmacht. 1944 wurden beide BRAUN -Fabriken durch Bombenangriffe zerstört. Trotzdem wurde schon 1945 die Fertigung wieder aufgenommen, zunächst mit der Dynamotaschenlampe „Manulux“ – einem in der entbehrungsreichen Wiederaufbauzeit sehr sinnvollen Produkt. Ab 1947 konnte das Unternehmen auch wieder Radios herstellen und Max Braun erweiterte sein Sortiment um zwei neue Produktbereiche: Er entwickelte den elektrischen Trockenrasierer mit Scherfolie, für den er 1949 ein Patent erhielt, und dessen Vermarktung noch im gleichen Jahr begann, und wagte sich 1950 mit der Küchenmaschine „Multimix“ auf den Hausgerätemarkt.

Ab 1950 stiegen Max‘ Söhne Erwin und Artur ins Unternehmen ein und übernahmen bereits im Folgejahr die Unternehmensleitung, nachdem ihr Vater unerwartet im Alter von 61 Jahren gestorben war. Die beiden Söhne sahen sich als Unternehmer nicht nur in einer betriebswirtschaftlichen, sondern in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung und fühlten sich beispielsweise in besonderem Maße für Gesundheit und Wohlergehen ihrer Angestellten verantwortlich. Insbesondere Erwin Braun, sah das Unternehmen als ganzheitliches Projekt und wirkte auf eine positive Unternehmenskultur hin. Darin besteht eine Parallele zwischen Erwin Braun und dem befreundeten Unternehmer Philip Rosenthal, mit dem er in entsprechendem Gedankenaustausch stand. Wie für Rosenthal war auch für BRAUN eine moderne und wiedererkennbare Designsprache in der Tradition des Bauhauses ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur.

1952 stellte BRAUN den Grafiker Wolfgang Schmittel ein, der unter anderem das 1934 von Max Braun selbst entworfene Logo behutsam überarbeitete. Der bis heute weitgehend identische Schriftzug zeigt den Namen BRAUN im Versalsatz, wobei das A als mittlerer Buchstabe überhöht ist. Somit überragt es die anderen Buchstaben und verleiht dem Logo Symmetrie. 1953 folgte der Kunsthistoriker Fritz Eichler, der als Leiter der neugegründeten Abteilung Formgestaltung Kontakt zu den Bauhausschülern Wilhelm Wagenfeld und Herbert Hirche, sowie zur Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm herstellte. Die HfG gilt als legitimer Nachfolger des Bauhauses im Westdeutschland der Nachkriegszeit, und führte die moderne und funktionalistische Entwurfsauffassung des Bauhauses fort. Wie Wagenfeld und Hirche, erhielten auch Lehrende und Studenten der HfG Ulm mehrfach Gestaltungsaufträge von Braun – besonders herauszustellen sind hierbei Otl Aicher und Hans Gugelot. Eine wichtige Rolle spielten außerdem die bei BRAUN angestellten Designer Dietrich Lubs und Dieter Rams. Letzterer übernahm 1961 die Leitung der Abteilung Formgestaltung und wird heute mehr als jeder andere mit dem typischen BRAUN-Design assoziiert.

Der neue Hausstil, der sich in Abstimmung auf die technisch dominierte Produktpalette von BRAUN entwickelte, ist geprägt von dem Wunsch, die Bedienung eines Geräts so intuitiv und einfach wie möglich zu machen und die Anzahl an Bedienelementen zu reduzieren. Gleichzeitig sollte aber die zugrundeliegende Technik nicht trivialisiert werden. Dieter Rams brachte diese Gratwanderung auf den Punkt: „Das beste Design ist so wenig Design wie möglich.“ Verpackt wurden die derartig konzipierten Geräte meist in Gehäusen mit matten Metalloberflächen und schwarzen oder weißen Akzenten – eine nüchterne Optik, die auf den technischen Charakter des jeweiligen Produkts verwies.

Als beispielhaft für den BRAUN-Stil können die Radios „SK 1“ und „SK 2“ gelten, die – entworfen von Fritz Eichler und Artur Braun – 1955 vorgestellt wurden. Ihre Bedienelemente sind auf eine Frequenzanzeige und zwei Drehregler reduziert: einen für die Frequenz und einen für die Lautstärke. Auf einen Hauptschalter konnte verzichtet werden, weil seine Funktion vom Lautstärkeregler erfüllt wird. Dreht man die Lautstärke vollständig nach unten und überwindet dann noch einen leichten Widerstand, schaltet man das Gerät aus. Diese schlüssige Lösung, die mittlerweile weit verbreitet ist, war damals eine Innovation.

Anfangs stieß BRAUN mit seiner neuen Designsprache noch auf Unverständnis und Ablehnung. So äußerte etwa der Konkurrent Max Grundig, Artur und Erwin Braun würden mit der stilistischen Neuausrichtung das Erbe ihres Vaters verspielen. Schon bald war die Öffentlichkeit jedoch überzeugt und aus heutiger Sicht lässt sich die Designsprache als wegweisend für die Gestaltung von Technikprodukten bezeichnen. Insbesondere Apple hat die Braun-Tradition aufgegriffen und führt sie bis heute fort.

Als tragende Säule des Unternehmens erwies sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Herstellung von Elektrorasierern. 1967 wurde BRAUN von Gillette übernommen. Die in kontinuierlichem Niedergang befindliche HiFi-Sparte – der historische Kern der Marke – wurde 1981 ausgegliedert und 1990 eingestellt; 2019 wurde sie unter dem Namen BRAUN Audio wiederbelebt und bietet heute unter anderem die LE Lautsprecher wieder an, die ursprünglich 1959 vorgestellt wurden.

Die 1965 unter Leitung von Dieter Rams entworfene Wandanlage ist eine absolute Ikone der HiFi-Abteilung von BRAUN. Schon damals war sie Schaustück und Statussymbol. Durch ihre ungewöhnliche Art der Aufstellung – nämlich an die Wand montiert – erinnert sie an ein Kunstwerk. Von einem Gemälde aber unterscheidet sie ihre zusätzliche Funktion, nämlich die Musikwiedergabe. Der unter anderem durch seine Arbeit für Louis Vuitton bekannte Designer Virgil Abloh, betont in seiner anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Marke BRAUN  geschaffenen Neuauflage genau diesen Aspekt als funktionales Kunstwerk. Dazu ersetzte er die nüchtern-matten Oberflächen des Originals durch hochglanzpolierten Chrom. Damit spielt der Afroamerikaner auf die in der Rapszene verbreitete Vorliebe an, mit chromglänzenden Karossen zu posieren. Bei der neu aufgelegten Wandanlage handelt es sich um ein Einzelstück, das nicht im regulären Handel erhältlich sein wird.

Markanto selbst bietet aktuell den berühmten Taschenrechner ET66 sowie verschiedene BRAUN Armbanduhren und Wecker an, diese Produkte werden in Lizenz von Zeon Ltd. produziert. Zusätzlich finden Sie in unserem Vintage-Bereich vereinzelt Hifi-Klassiker von BRAUN wie den Schneewitchensarg,

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