Tapisserie aus Frankreich: Jules Pansu
Die Herstellung von Wandteppichen mit Bildmotiven reicht bis in die Antike zurück und ist seit dem Mittelalter besonders in Frankreich beheimatet. Dort sind es die Regionen Nordfrankreich, Val-de-Loire und die Hauptstadt Paris, die sich als Hochburgen der Tapisserie-Produktion etabliert haben. Schon im 12. Jahrhundert verwendete man vielfach Motive bekannter zeitgenössischen Bildkünstler für die Tapisserien. Diese Tradition hat sich bis in die Moderne erhalten. So ließ etwa auch Pablo Picasso bereits zu seinen Lebzeiten zahlreiche Tapisserien mit den Motiven seiner Gemälde und Zeichnungen anfertigen – unter anderem auch von Jules Pansu. Während Jules Pansu früher primär Bildteppiche* mit klassischen, historischen Motiven produzierte, umfasst das heutige Portfolio verschiedene Tapisserie und Kissen von Künstlern wie Wassily Kandinsky, Fernand Léger, René Magritte, Jean Miró oder Pablo Picasso. Hierbei hat Jules Pansu die alleinige Lizenz der Succession Picasso, diese Werke als Tapisserie oder als Kissen zu reproduzieren. Dies gilt auch für die Werke der anderen Künstler wie Miró, Kandinsky, Magritte oder Monet. Einen sehr interessanten Film über die aufwendige Herstellung der Bildteppiche finden Sie hier.
Die Manufaktur Jules Pansu zählt zu den traditionsreichsten Webereien Frankreichs. 1878 vom Namensgeber Jules Pansu in Paris gegründet, befindet sich die Firma noch heute in Familienbesitz. Mittlerweile in vierter Generation geführt, ist die Weberei noch heute an derselben Adresse wie am Tag ihrer Gründung zu finden. Bereits zwei Mal wurde das Unternehmen mit der prestigeträchtigen Auszeichnung Meilleurs Ouvriers de France als einer der besten Handwerksbetriebe Frankreichs ausgezeichnet. Von Anfang an hatte sich Jules Pansu auf die Weberei in Jacquard-Technik spezialisiert. Dieses 1805 von Joseph-Marie Jacquard erfundene Verfahren erlaubte es erstmals bei einem mechanischen Webstuhl jeden einzelnen Kettfaden automatisch anzusteuern. Seine mit Lochkarten programmierten Webstühle erlaubten eine Komplexität, die zuvor nur in extrem aufwändiger Handarbeit möglich gewesen wäre. Doch die hohe Qualität der Wandteppiche und Kissen von Jules Pansu endet nicht beim Gewebe selbst. Auch die weitere Verarbeitung wird auf höchstem Niveau ausgeführt. Das zeigt sich beispielhaft an den solide gearbeiteten Ösen für die Aufhängung der Tapisserien.
Die Historie der Tapisserie und Webkunst
Diese Jahrtausend alte Form der Textilkunst lässt sich bis zur Ilias von Homer zurückverfolgen. Bekannt wurde diese aufwendigen Bildteppiche in Europa vor allem ab dem 16. Jahrhundert durch die französischen Gobelins*. Aber bereits seit dem Mittelalter schufen Webereien in Paris, in Nordfrankreich und in der Region Val-de-Loire raffinierte und sehr haltbare Bildteppiche, die heute in Museen und Schlössern auf der ganzen Welt bewundert werden können. Diese historischen Tapisserie basierten häufig auf Kunstwerke zeitgenössischer Künstler, wie beispielsweise Jean-Baptiste Oudry, Charles Coypel und Francois Boucher. In der Manufaktur von Jules Pansus in Halluin führt man diese Tradition weiter, wobei man sich auf die sogenannte Jaquard-Weberei spezialisierte. Benannt ist diese Webtechnik nach dem Erfinder Joseph-Marie Jacquard, der um 1800 einen Webstuhl erfand, der weitaus größere Produktionsmöglichkeiten erlaubte als als frühere Methoden.
*In Deutschland werden Bildteppiche umgangssprachlich meist als Gobelins bezeichnet. Dieser Begriff gilt aber eigentlich ausschließlich nur für die original Bildteppiche der 1607 gegründeten Gobelinmanufaktur in Paris.