Poul Henningsen Entwürfe basieren dabei auf genauesten Berechnungen des Lichtfalls und zeichnen sich oft durch die durchdachte indirekte Lichtwirkung aus. Das sogenannte Drei-Schirme-System aus dem Jahr 1926 ist die logarithmische Spirale, eine Form, die sich in der Natur häufig findet und durch ihre gleichmäßige Ausweitung besonders geeignet ist, Licht zu führen und Streuwinkel kontrolliert zu gestalten. Die Schirme der PH-Leuchten wurden so proportioniert, dass der obere Schirm den intensivsten Lichtanteil lenkt, der mittlere Schirm ihn bricht und weiterleitet, und der untere Schirm schließlich als Schutz vor direkter Blendung fungiert. Durch diese abgestufte Lichtführung entstand ein Licht, das in seiner Natürlichkeit an Tageslicht erinnerte und dennoch die intime Wärme traditioneller Lichtquellen bewahrte. Diese Mischung aus wissenschaftlicher Präzision und kultureller Sensibilität machte Henningsens Entwürfe bereits zu Lebzeiten zu einem Meilenstein der Moderne und später zu Klassikern des internationalen Designs. Diese modernen Leuchten erfreuten sich daher schon in der Moderne der 1920er und 30er Jahre großer Beliebtheit und fanden sich exemplarisch in vielen Häusern von Bauhaus-Architekten wie der Villa Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe. In Deutschland entstand in den 1930er Jahren sogar eine eigenständige Variante dieser Lichtlösung – die sogenannten Sistrah Leuchten waren deutlich von der Gestaltung Poul Henningsens inspiriert, aber ganz anders umgesetzt. Auch zahlreiche weitere Entwerfer ließen sich von dem Leuchtengestalter inspirieren, die häufig in Lamellenform verschachtelten Leuchten mit ihrer durchdachten indirekten Beleuchtung waren Vorbild für viele andere Lichtlösungen.
PH-Leuchten bei Louis Poulsen: ein dänischer Designklassiker
Die sogenannten PH-Leuchten von Louis Poulsen, benannt nach den Initialen von Poul Henningsen, sorgten dafür, dass er nicht nur in Dänemark als Lichtentwerfer sehr bekannt wurde. Seine Pionierarbeit im Bereich der Theorie und Praxis der Lichttechnik, die sich mit Struktur, Schatten, Blendung, Mischung und Farbwiedergabe beschäftigt und stets das Bedürfnis des Menschen nach Licht im Auge behält, ist heute nach wie vor richtungsweisend. Neben seiner Tätigkeit als Designer, war Poul Henningsen auch Journalist und Schriftsteller, wobei er radikal moderne Haltungen vertrat. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs arbeitete er u.a. als Architekt bei dem Vergnügungspark Tivoli in Kopenhagen. Während der deutschen Besatzung Dänemarks musste Poul Henningsen auf Grund seiner Aktivität im antifaschistischen Widerstand ins schwedische Exil fliehen und wurde zu einem aktiven Mitglied der dänischen Künstler- und Architektenkolonie in Stockholm.
Ein besonderes Merkmal des PH-Systems ist das klare Nummerierungsschema, das bis heute jede Leuchte eindeutig charakterisiert. Modellbezeichnungen wie PH 4/3 oder PH 4/4 bestehen aus zwei Zahlen, die sowohl Proportion als auch visuellen Ausdruck definieren. Die erste Ziffer gibt den Durchmesser des Oberschirms in Dezimetern an – eine „4“ entspricht etwa 40 Zentimetern. Die zweite Ziffer zeigt an, zu welcher Größenfamilie die unteren Schirme gehören. Bei Modellen, deren Ziffern identisch sind, wie PH 3/3 oder PH 4/4, stammen alle drei Schirme aus einem konsistenten Größenverhältnis. Bei Varianten wie PH 3/2 oder PH 4/3 wird der größere obere Schirm mit unteren Schirmen einer kleineren Leuchte kombiniert, was zu einem leichteren Ausdruck und einer stärkeren Lichtlenkung nach unten führt. Diese Variationen waren insbesondere für Tisch- und Arbeitsplatzbeleuchtungen von Bedeutung, da sie Henningsens Vision eines blendfreien, funktionalen und gleichzeitig atmosphärischen Lichtes besonders wirkungsvoll umsetzen.
Ein kleines Detail am Rande: Poul Henningsen war gleichzeitig ein Mentor von Verner Panton. Denn Panton war in erster Ehe mit Poul Henningsens Tochter verheiratet und so verbrachte man viel Zeit zusammen. Durch seine Initiative entwarf Panton für Louis Poulsen die Panthella Leuchten, die sich heute noch großer Beliebtheit erfreuen – die 2017 aufgelegte Panthella Mini wurde für die dänische Manufaktur ein großer kommerzieller Erfolg.
Poul Henningsen als Möbelentwerfer und Architekt
Weniger bekannt als seine Leuchten sind die Möbelentwürfe von Poul Henningsen. Hervorzuheben sind besonders seine Schlangenmöbel aus den frühen 1930er Jahren, seine Tische und sein futuristisches Klavier, welchem die dänische Post eine eigene Briefmarke widmete. Das Klavier findet sich auch in der ständigen Sammlung des Designmuseum Copenhagen – natürlich im Kontext mit zahlreichen PH Leuchten. Poul Henningsen wirkte auch als Architekt und entwarf verschiedene Wohnhäuser, eine Fabrik und Teile des Tivoli Vergnügungsparks in Kopenhagen.